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Filmgenuss in freier Luft statt Biergarten – die Kölner Open-Air-Kinosaison 2023

Inzwischen auch eine Art Institution in der Kölner Kinolandschaft: die Open-Air-Saison. Wie bereits im letzten Jahr führt das Autokino Köln-Porz die Reihe „Drive-In Summer Classics“ durch. Dort ist strenggenommen immer Freiluftkino, wobei man nicht zwingend ein Vehikel für den dortigen Filmgenuss braucht. In der Reihe werden in diesem Jahr am 11. Juli der RomCom-Klassiker Pretty Woman (1990), am 18. Juli der letztjährige Fliegeraction-Abräumer Top Gun: Maverick (2022), am 25. Juli das Musical Grease (1978), am 1. August der Zeitreise-Superhit Zurück in die Zukunft (1985), am 8. August die Clooney-Roberts-RomCom Ticket ins Paradies (2022), am 15. August der Mitmach-Partyklassiker The Rocky Horror Picture Show (1975) in der OV, am 22. August die Blues-Komödie The Blues Brothers (1980) und am 29. August das ABBA-Musical Mamma Mia! (2008) gezeigt. Viele der Filme sind Dauerbrenner im Autokino Köln-Porz und anderen Open-Air-Kinos. Bitterer Wehrmutstropfen: Es könnten die letzten „Drive-In Summer Classics“ sein. Nachdem dem Autokino das Abhalten von Märkten verboten wurde, steht es vor dem Aus, da der reine Filmbetrieb nicht wirtschaftlich ist. Sollte es nicht zu einem Einlenken seitens der Stadt Köln kommen, gehen die Lichter Ende des Jahres dort vielleicht für immer aus.

Das Lehrerzimmer

Auch sonst sind viele der gewohnten Spielstätten mit ihrem Programm dabei. Im Rheinauhafen werden in der Reihe Sion Sommerkino wieder Filme und andere Programmpunkte auf eine schwimmende Leinwand projiziert. Ab 19 Uhr ist Einlass, der Film beginnt mit dem Einbruch der Dunkelheit gegen 21.45 Uhr. Vor jeder Vorführung sind 15 Minuten Programm angesagt, mit jungen Künstlern aus den Bereichen Musik, Comedy und Poetry Slam. Das Programm ist eine Mischung aus aktuellen Großproduktionen wie Fast & Furious 10 (2023), Arielle, die Meerjungfrau (2023), Indiana Jones und das Rad des Schicksals (2023) und Oppenheimer (2023), aktuellen Arthouse-Titeln wie Triangle of Sadness (2022), dem Oscar-Sieger Everything Everywhere All at Once (2022) und Wes Andersons Asteroid City (2023), aktuellen Filmen irgendwo dazwischen wie Der Gesang der Flusskrebse (2022) und Und dann kam Dad (2023) sowie Evergreens wie The Rocky Horror Picture Show, Der Zauberer von Oz (1939) und Frühstück bei Tiffany (1961). Der deutsche Film ist mit Werken wie Sonne und Beton (2023), Im Westen nichts Neues (2022) und Rehragout-Rendevous (2023) vertreten. Außerdem gibt es Abende mit Erzählkunst, Kurzgeschichten, Comedy, Naturfilmen, eine von Greenpeace präsentierte Multivisionsshow zum Thema „Naturwunder Erde“ und einen Quentin-Tarantino-Überraschungsfilm, präsentiert von der 90s-Party-Reihe „Trash Island“.

Indiana Jones und das Rad des Schicksals

Auch im Biergarten des Cinenova gibt es wieder Freiluftkino mit Essen, Snacks und Popcorn – montags und dienstags ist das Bistro allerdings geschlossen, weshalb größere Speisen an diesen Tagen nicht serviert werden. Während Vorstellungen beim Sion Sommerkino bei Regen ausfallen, werden sie im Cinenova in einem solchen Fall nach innen verlegt. Auf dem Plan steht hier auch in erster Linie Aktuelles, darunter Alma und Oskar (2023), Der vermessene Mensch (2022), She Said (2022) und Das Lehrerzimmer (2023), der jüngst beim deutschen Filmpreis mehrere Trophäen gewann. Das Screening der Dramödie Showing Up (2022) von Kelly Reichardt wird von Filmfestival Cologne präsentiert.

Sonne und Beton

Bis zum 22. Juli ist im Museum für angewandte Kunst Köln (MAAK) ebenfalls Open-Air-Kino angesagt, ab dem 3. August startet dann die Filmvorführungsreihe cineMAAK (jeden ersten Donnerstag im Monat). Außerdem wird die Musik-Doku Le Mali 70 (2022) am 13. August im Rahmen der Cologne Jazz Week aufgeführt. Abendkasse für das reguläre Open-Air-Programm ist ab 20:30 Uhr, Filmbeginn um 22 Uhr. Bei schlechtem Wetter werden die Screenings in die Filmpalette verlegt. Auf dem Spielplan stehen unter anderem Jordan Peeles Spielberg-Hommage-Horror Nope (2022), Claire Denis‘ Beziehungsdrama Mit Liebe und Entschlossenheit (2022), George Millers Kammerspiel-Fantasy-Märchen Three Thousand Years of Longing (2022), Francois Ozons böse Crime-Groteske Mein fabelhaftes Verbrechen (2023) und Wes Andersons Fifties-Alien-Paranoia-Komödie Asteroid City.

Statt im Biergarten oder mit Hopfenkaltschale im Park kann man die Sommerabende in Köln also auch gut und gerne im Freiluftkino verbringen, allein, zu zweit oder in der Gruppe eine große filmische Auswahl zwischen Blockbuster, kleinem Independentfilm oder unverwüstlichem Klassiker genießen. Manche Filme beweisen Crossover-Appeal, Asteroid City etwa läuft sowohl im Sion Sommerkino als auch im Cinenova und im MAAK unter freiem Himmel. Egal ob Indy Jones oder Indiefilm – für so gut wie jeden Geschmack sollte sich in dieser Programm etwas finden lassen.

Nils Bothmann

Veranstalter*innen..