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Frischer Wind für die Filmkultur – Ein Interview mit Filmbrücke

Die Mitglieder von Filmbrücke: (v.l.n.r.) Nikolas Jürgens, Johannes Hensen, Laura Solbach, Christine Bernau, Roman Roitman, Thomas Disch (Foto: Filmbrücke)

Frischer Wind für die Filmkultur – Ein Interview mit Filmbrücke

»Jung. Unangepasst. Vielfältig. Mutig«, diese Attribute hat sich die Filmbrücke auf ihre Fahne geschrieben. Sie ist ein Kollektiv aus Filmschaffenden, Produzenten und Festivalmachern, das seit 2014 frischen Wind in die Kölner Filmkultur bringt. Am kommenden Donnerstag, 6. September, steht der abgefahrene Gangster-Thriller »Sexy Beast« des britischen Musikvideo-Regisseurs Jonathan Glazer auf dem Programm. Startzeit: bei Anbruch der Dunkelheit, denn der Film wird Open-Air im Park auf dem Herkulesberg gezeigt. „Ungewöhnliche Filme an ungewöhnlichen Orten“ ist aber nur eines der Markenzeichen der Filmbrücke. Der Filmszene-Blog sprach mit Laura Solbach und Thomas Disch über ihre Initiative:

Könnt ihr mir etwas zur Entstehung der Filmbrücke sagen?
Wir kannten uns bereits alle durch unsere unterschiedlichen Tätigkeiten in der Filmbranche, manche auch privat. Johannes Hensen hat uns dann zu sich eingeladen mit der Idee, Kinoveranstaltungen in Köln zu machen, die das bestehende Gefüge etwas aufbrechen und verjüngen sollen.

Mit welchen Filmen möchtet ihr das erreichen?
Wir wollen den Filmen, die wir stark und besonders, aber auch unterhaltsam und berührend finden, eine Plattform bieten. Besonders Filmen, die nicht so gut im Kino gelaufen oder nicht so bekannt sind. Mit der Reihe „Wer hat Angst vorm Deutschen Film?“ haben wir erstmal auf den deutschen Film fokussiert. Jetzt veranstalten wir aktuell auch die Debütfilmreihe, „Wald vor lauter Bäumen“, die sich auch internationalen Regisseuren und Regisseurinnen widmet. Ganz simpel gesagt geht es uns auch darum, Filme zu zeigen, die wir selbst gerne sehen wollen aber in der Kölner Kinolandschaft so nicht finden können. Gute Filme mit spannenden, netten Leuten an inspirierenden Orten zu sehen und dabei einen guten Abend zu haben: Was will man mehr?

Die Orte eurer Fimscreenings sind häufig ungewöhnlich, bei der nächsten Vorstellung etwa geht es in den Park auf dem Herkulesberg?
Da steckt auch wieder der Gedanke dahinter, möglichst viele Menschen für unsere Filmauswahl zu gewinnen. Und durch die Auswahl ungewöhnlicher Orte manifestiert sich noch mehr ein bestimmter Eventcharakter. Etwas intellektuellere Filme verlieren, wenn man das so sagen darf, auch etwas ihrer Staubigkeit und präsentieren sich nochmal ganz anders, wenn sie aus dem gewöhnlichen Kinokontext herausgehoben werden. Wir wollen eben nicht nur die Filmnerds ansprechen, die sich sowieso alles reinziehen, sondern alle. Auch die, die Berührungsängste mit bestimmten Genres, mit Arthouse etc. haben. Das heißt ganz konkret, dass die Screeningorte einen bestimmten Mehrwert beinhalten sollen. Ins Kino kann man immer, aber am Herkulesberg oder im Arttheater gibt es nur mit Filmbrücke Kinofilme. Für uns funktioniert auch das Odonien mit seiner freien Atmosphäre super als Ort. Aber auch im Olympia, im Schauspiel Köln oder in den neueröffneten Lichtspielen Kalk haben wir uns sehr wohl gefühlt. Wir stellen uns bei jedem Film konkret die Frage, welcher Ort dazu passen könnte. Die »Sexy Beast«-Vorstellung wird für dieses Jahr erstmal das letzte Open-Air Event werden. Und es gibt wohl kaum eine schönere Atmosphäre als unter dem Sternenhimmel im Wald.

Ihr habt viele Filme gezeigt, die trotz großer offensichtlicher Qualitäten kein Publikum gefunden haben. Woran liegt das?
Die Schere zwischen dem Festivalfilm, dem Arthousefilm und dem erfolgreichen Mainstreamkino wird immer größer. Von Verleihern bekommt man immer wieder zu hören: wow ein toller, berührender Film, der auch auf Festivals super funktioniert hat, aber kein bekannter Name. Das funktioniert nicht, kann ich nicht rausbringen. Und sie haben Recht, so funktioniert der Markt. Es geht hauptsächlich nicht um Inhalte, sondern um Namen und das Versprechen eines entspannten Abends. Da kann man lange rumjammern oder sich andere Strukturen überlegen, wie Filme, die dem Zuschauer auch mal etwas abverlangen oder dieses Versprechen nicht auf den ersten Blick einlösen, auch sichtbar werden und ihr Publikum finden. Viele Verleihe haben ja auch mit ihren Kinotouren darauf reagiert. Kleinere Filme bekommen entsprechend keinen deutschlandweiten Kinostart mit einer bestimmten Kopienanzahl, sondern tingeln über Monate durch die deutschen Städte. Das hat sicher auch etwas mit Marketingbudgets zu tun. Und der Gedanke weniger Filme mit mehr Geld raus zu bringen kommt da vielen. Allerdings ist ja die große Bandbreite, die wir in Deutschland haben, auch etwas total Tolles. Ein großes Thema…

Warum habt ihr Euch für die Form eines Vereins entschieden?
Die Entscheidung, einen Verein zu gründen, war zu einen sicherlich auch ein ideeller Gedanke, ein Zeichen zu setzen, eine ganz bestimmte Gruppe mit einem Auftrag zu sein. Aber natürlich bietet sich ein Verein auch hinsichtlich seiner Rechtsform an, z.B. was die Möglichkeit von Fördermitteln betrifft.

Vielen Dank für’s Gespräch und viel Erfolg!

Mehr zur Initiative und den Filmreihen auf:
www.filmbruecke.de

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