Filmszene Aktuell

dfi-Symposium „Producing Spaces.“

Am 27. und 28. Januar findet im Kölner Filmhaus das Symposium „Producing Spaces. Wirkungsräume dokumentarischer Arbeit“ der Dokumentarfilminitiative (dfi) statt. Schon der Titel „Producing Spaces“ deutet es an: Dokumentarfilme werden in gesellschaftlichen Räumen produziert und wirken gleichzeitig auf diese ein. „Die Filme bilden Schnittstellen zum politischen Aktivismus, der Forschung, dem Journalismus, der Fiktion, der bildenden Kunst und anderen kreativen Disziplinen“, erklärt die dfi in ihrer Veranstaltungsankündigung. Bei dem zweitätigen Symposium sollen vor allem die erweiterten Wirkungsräume der dokumentarischen Arbeit in den Blick genommen, die innerhalb einer normierten Auswertungslandschaft oft übersehen werden. Die zentralen Fragestellungen des Symposiums verweisen dabei auf die die Dualität des Titels „Producing Spaces“, denn es wird sowohl nach Räumen der Produktion, wie der Dokumentarfilmlehre an Filmhochschulen oder den Archiven dokumentarischer Arbeit gefragt, als auch nach den (gesellschaftlichen) Räumen der Rezeption, von der konkreten Abspielstätte bis hin zum abstrakten Wirkungsraum eines Dokumentarfilms.

Am ersten Tag finden nach einem Begrüßungspanel vier Werkstattgespräche und ein Filmscreening statt. Bei dem Film handelte sich um Constructed Futures: Haret Hreik von Sandra Schäfer. Im anschließenden Gespräch redet die Regisseurin nicht über ihre knapp halbstündige Doku, die sich in vier Episoden Aspekten der Erinnerung und des Wiederaufbaus im titelgebenden Beiruter Stadtviertel widmet, sondern auch über ihren Film Westerwald – Eine Heimsuchung. Mit Lina Zacher ist eine weitere Regisseurin zu Gast, die über ihre preisgekrönte Arbeit Fonja spricht, die zur Gattung „Participatory Video“ gehört. Zehn jugendliche Insassen der größten Haftanstalt Madagaskars arbeiteten selbst mit der Kamera und gaben so Einblicke in ihre Gefängnisalltag. Martin Kolvenbach, Filmemacher und nebenberuflicher Professor für Dokumentarfilm an Kölner KHM, spricht über das Verhältnis von Film und Wissenschaft und seinen 90-Minüter In Situ. Filmemacher Gernot Steinweg referiert zum Thema des politischen Aktionismus, mit Bezug auf seine Lehrzeit bei „Cinema Action“ und den von ihm mitbegründeten Verein „Arbeit Und Film“. Nach einer weiteren Pause erfolgt ein moderiertes Gespräch mit Publikum und Referent*innen, anschließend ein Ausklang. Im Anschluss findet im Filmhaus eine weitere Veranstaltung statt, die zwar nicht zum Symposium gehört, auf welche die dfi jedoch explizit hinweist: Das Screening von pereSTROIKA – Umbau einer Wohnung in der Reihe „Stadt – Wohn – Raum“.

In Lina Zachers preisgekröntem Dokumentarfilm „Fonja“ waren die Protagonisten Teil der Filmcrew.

Der zweite Tag des Symposiums dreht sich dann primär um dokumentarische Archive. Gescreent werden am Freitag Dokumentarisch = Dokument? und Abschied aus den 1970ern. Auch an diesem Tag stehen vier Werkstattgespräche an. Madeleine Bernstorff, die unter anderem in der Kommission der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen tätig ist und bereits an vielen Filmhochschulen lehrte, leitet im ersten Programmpunkt mit dem Thema „Arbeiten mit dokumentarischem Archivmaterial“ ein. Can Sungu und Malve Lippmann referieren zur kuratorischen Praxis in dem von ihm begründeten transnationalen, cinematischen Experiment „Sinema Transtopia“, das neue Blickwinkel abseits einer eurozentrierten Perspektive sucht. Cem Kaya (Remake, Remix, Rip-Off – Kopierkultur und das türkische Kino) erzählt von der Arbeit mit Archivmaterial bei der Auseinandersetzung mit migrantischer Kulturgeschichte. Aus der Praxis eines Archive Researchers und Archive Producers berichtet schließlich Monika Preischl. Auch hier erfolgt ein Anschluss ein moderiertes Gespräch mit dem Publikum und den Referent*innen.

Danach klingt das Symposium mit einer großen Abschlussrunde aus. In der moderierten Veranstaltung sprechen das Publikum und Lehrende sowie Studierende von KHM, HFF München, PMMC Halle und Filmakademie Ludwigsburg über den Dokumentarfilm in der Lehre und werfen dabei einen Blick in die Zukunft. Wer danach noch weiter Hunger auf Dokumentarisches hat, dem sei ein Verweilen im Filmhaus ans Herz gelegt: Um 20 Uhr wird dort am Freitag das Festival Stranger Than Fiction eröffnet.

Alle weiteren Informationen zum Programm des dfi-Symposiums, den Beteiligten und den Teilnahmebedingungen gibt es auf der Homepage der Dokumentarfilminitiative.

Nils Bothmann

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