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Post-Porn heute Abend im Filmforum

Daphne Klein hat einen Porno an der Kunsthochschule für Medien gedreht. Heute Abend wird er im Rahmen des Rundgangs im Filmforum um 20 Uhr gezeigt. Filmszene Köln hat sie gefragt, wie es dazu kam und warum ein Porno an einer Hochschule politisch ist.

Filmszene: Daphne, alle reden momentan über „den Porno“, doch ich weiß gar nicht, ob du den Film auch so nennst, ist es ein Porno für dich?

Daphne: Ich würde es als Post-Porn bezeichnen, was ja nochmal mit anderen Genres spielt. Es geht schon um Sexualität und es gibt explizite Szenen. Aber es geht genauso um Natur. Es ist also nicht nur ein Porno, aber es wäre auch falsch es zu leugnen. Wir haben ja auch eine Darstellerin, die hauptberuflich pornografisch arbeitet.

Ich finde es auch politisch ihn als Porno zu bezeichnen.

Filmszene: Inwiefern?

Daphne: Dadurch, dass er an der Kunsthochschule entstanden ist, verortet er sich ja im akademischen Kontext, erhält Fördergelder, sprich staatliche Gelder, die für diesen Kontext reserviert sind. Und Porno wird ja eher noch als etwas Gegenteiliges verstanden oder aber auch mehr der Sexarbeit zugeordnet als dem Film.

Filmszene: War das auch mit ein Grund für dich das Projekt an der Hochschule zu machen?

Daphne: Ja! Aber nicht nur, ich wollte nicht nur provozieren, ich wollte auch einen schönen Porno machen, über den sich auch FLINTAs freuen, in dem man eine schöne Art von Sexualität sieht. Und darüber hinaus bin ich ja Cinematografin. Ich wollte auch den Körper ästhetisch in der Natur darstellen, ihn anordnen und mit Bildern experimentieren.

Filmszene: Wie kam es überhaupt zu diesem Projekt?

Daphne: Ich habe früher an der Kunstakademie in Münster bereits bei einem Pornodreh mitgemacht. Das war aber mehr so ein pädagogisches Projekt einer Sexualtherapeutin, bei dem an einem Wochenende Drehbücher für Pornos entstanden sind. Diese habe ich damals geschnitten. Eine Darstellerin kannte ich dadurch schon. Ich habe sie angesprochen und habe sie gefragt, ob sie Lust hat mitzumachen. Über sie habe ich die anderen Protagonist:innen kennengelernt. 

Filmszene: Wie war der Drehprozess mit den Darsteller:innen, haben sie sich bei der Inszenierung eingebracht?

Daphne: Nein, sie wollten schon gesagt bekommen, was sie machen sollen. Das war schon der Deal. Wir haben uns im Vorfeld eine Art Traumreise überlegt. Aber was sie genau in den Szenen machen, ist dann erst beim Dreh selbst entstanden. Wir haben als Rahmen eine Do’s and Don’ts Liste bekommen, das ist auch gängig an Porno Sets. Auf dieser Basis haben wir die Szenen entwickelt. 

Filmszene: Wie hat sich in deinem Empfinden der Dreh zu anderen Drehs unterschieden?

Daphne: die Verantwortung ist eine andere. Zum Beispiel muss man daran denken, die Locations immer abzusperren. Wir haben ja draußen in der Natur gedreht, wo dann doch manchmal Menschen vorbei kamen. Die Sensibilität war schon sehr hoch. Auch im Team.

Filmszene: Wie bist du das bildgestalterisch angegangen?

Daphne: Ich hatte im Vorfeld oft den Gedanken, wenn ich zum Beispiel einen Tarkovsky Film gesehen habe, dass es doch toll wäre, wenn die Leute jetzt anfangen würden zu vögeln. Ansonsten hat mich interessiert, wie man Körper – auch jene, die der Norm widersprechen – zeigen kann. So dass man sich auch mit den Körpern auf der Leinwand identifizieren kann, indem man sieht, die Person genießt das.

Filmszene: Wie unterscheidet sich dein Porno nun von den üblichen?

Daphne: Man kann den Porno schauen, um sich in andere Sexualpraktiken hineinzuversetzen. 

Der Film richtet sich nicht nur nach Betrachterinnen, sondern nach den Performer:innen. Sie haben keinen Sex für die Kamera, sondern die Kamera richtet sich nach ihnen. 

Der Film ist also nicht nur für ein Publikum gedacht, sondern zeigt Menschen, die ihre Sexualität genießen und frei leben.

Das Interview führte Sandra Riedmair

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