Die beiden renommierten Kölner Kinos Rex am Ring und Metropolis haben einen neuen Betreiber: Mustafa El Mesaoudi übernahm die beiden Häuser von der langjährigen Kinobetreiberin Catherine Laakmann. Mesaoudi betreibt bereits in Wuppertal und Montabaur erfolgreiche Kinos, hat einen eigenen Filmverleih und wurde für sein Engagement jüngst mit dem Ehrenpreis der Film- und Medienstiftung NRW ausgezeichnet. Wir sprachen mit „dem Neuen am Ring“ über die Zukunft der Kinoszene am Kölner Ring.
Von Frank Olbert.
Das Rex am Ring ist das älteste existierende Kölner Kino, es wurde 1928 als Lichtspiele des Westens als letzter Kinoneubau der Stummfilmära eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es 1951 wieder eröffnet, Betreiber von 1953 an war Herbert Strate, der es zu einem der zentralen Kinos in Köln machte – ein Film wie „Fanfaren der Liebe“ mit Georg Thomalla erreichte in zehn Wochen 100.000 Zuschauer. Im Jahr 2000 übernahm Catherine Laakman das Rex. Sie hatte zuvor das Metropolis, ebenfalls ein Haus am Kölner Ring, als Kino für Originalfassungen etabliert. Dem Rex erschloss sie neue Zuschauerschichten unter anderem durch niedrige Eintrittspreise.
Ihr Nachfolger Mustafa El Mesaoudi wurde 1970 in Wuppertal geboren. Im Stadtteil Elberfeld betreibt er das Rex-Kino, in Oberbarmen das Cinema. Den Ehrenpreis im Rahmen der Kinoprogrammpreise verlieh ihm die Filmstiftung im vergangenen Jahr aufgrund seiner besonderen Verdienste um die Wuppertaler Kinolandschaft. Darüber hinaus leitet El Mesaoudi den Verleih „Immer gute Filme“, mit dem er auch kontrovers diskutierte Filme wie den Berlinale-Gewinner und Oscar-Preisträger NO OTHER LAND ins Kino bringt.
Mustafa El Mesaoudi und Catherine Laakmann bei der Staffelübergabe im Rex am 6. März 2025 Foto: Michael Kaus-Brieger | Rex am Ring
Mustafa El Mesaoudi, Sie übernehmen die Kölner Ring-Kinos Rex und Metropolis und können dabei schon auf eine längere Zusammenarbeit mit der bisherigen Betreiberin Catherine Laakmann bauen.
Mustafa El Mesaoudi: Ich unterstütze Catherine Laakmann bei der Dispo, also bei der Filmplanung, was ich bei meinen anderen Kinos ja auch seit Jahren praktiziere. Wir kennen uns also, und dadurch hat sich herauskristallisiert, dass ich die beiden Kinos übernehmen könnte.
Wie beurteilen Sie die beiden Kinos?
Das sind beides alteingesessene Kinos – zwei Häuser auch, die das Publikum gut kennt und besucht. Ich habe festgestellt, dass es sich hierbei um eine sehr breit aufgestellte Besucherschaft handelt, auch was die Altersstruktur betrifft. Das reizt mich, auch weil das Rex ein Kino ist, das man programmieren kann, wie man möchte. Es bietet eine Mischung aus hochwertigen Blockbustern und anspruchsvollem Arthaus. Das ist nicht üblich.
Weil es sich meistens um getrennte Welten handelt.
So ist es, es gibt die Multiplexe und strictly Arthaus – aber die Mischung hat Catherine Laakmann über Jahre hinweg konsequent betrieben, und daran werde ich anknüpfen und werde auch versuchen, dies auszubauen.
Ausbauen heißt auch Verändern?
Natürlich, Kinos können aus dem Vollen schöpfen: Wir haben immer aktuelle Themen, was der Zeitgeist hergibt. Wir haben die Möglichkeit, Werkschauen aufzulegen – David Lynch und Gene Hackman sind gerade gestorben, rund um solche Persönlichkeiten lassen sich fantastische Retropektiven gestalten. Das möchte ich gerne intensivieren. Wir haben aber auch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen, die wir aufgreifen können. Kino ist der Ort, der verbindet – davon bin ich überzeugt.
Welche einzelnen Filme halten Sie für bedeutsam?
Wir waren beispielsweise das einzige Kino in Köln, das RABIA gezeigt hat, ein Film über eine Französin, die sich dem Dschihad anschließen will und sich in einem Daesch-Frauenhaus wiederfindet. Ein wichtiger Film mit einem sperrigen Thema, der Diskussionen hervorruft und in einer Stadt wie Köln laufen muss. Solche Perlen möchte ich gerne finden, Filme, die andere Kinos aufgrund ihrer Auslastung vielleicht nicht zeigen können.
Sie müssen aber schon auch auf die Realität Rücksicht nehmen?
Klar, mit einem Film wie THE SUBSTANCE haben wir 5000 Besucher gemacht – den nehmen wir nicht so schnell aus dem Programm, um für anderes Platz zu schaffen.
Wie sieht`s mit dem Metropolis aus? Das Kino hat sich profiliert als Ort für Originalfassungen – dieses Alleinstellungsmerkmal hat es allerdings verloren.
Wir waren das einizge Kino, das THE BRUTALIST in der Originalfassung gezeigt hat, also nicht OmU, sondern im Original – das war sehr erfolgreich. Es gilt, genau hinzuschauen, welche Versionen zur Verfügung stehen, und ob das Metropolis in Zukunft ausschließlich OV- oder OmU-Kino bleibt, wird sich zeigen. Wir wollen auch dem deutschen Film eine Chance geben.
Mustafa El Mesaoudi erhielt beim Kinoprogrammpreis NRW 2024 den Ehrenpreis der Film- und Medienstiftung NRW Foto (und Titelbild): Hojabr Riahi / Film- und Medienstiftung NRW
Sollen bei nicht-deutschen Filmen beide Fassungen zu sehen sein, die synchronisierte und die Originalfassung?
Genau, das haben wir bei THE REAL PAIN so gehandhabt, und es hat funktioniert im Rahmen des Potenzials dieses Films, der insgesamt nicht sehr erfolgreich war, leider. Aber auch im Rex haben wir bei THE SUBSTANCE die synchronisierte wir die originale Fassung gezeigt.
Wie schauen Sie auf Köln? Sie haben Erfahrungen in Wuppertal und Montabaur gesammlt, beides kleinere Städte. Nun also Großstadt-Kino. Ist das anders?
Das ist anders, aber in einem positiven Sinne. In Köln muss jeder Film, der verleihseits ins Kino kommen soll, auch stattfinden. Das verleitet zu Experimenten, man kann ausprobieren, weil es immer irgendein Publikum da draußen gibt.
Und wie stellt sich die Kinolandschaft im Allgemeinen dar, nach den Krisenjahren während Corona?
Ich denke, dass wir uns in diesem Jahr noch in einem Erholungsprozess befinden. Schon nach den ersten Lockerungen haben wir durchgerechnet, dass wir bis 2025 brauchen, um uns davon zu erholen. Auch durch den Streik in Hollywood hat sich die schwierige Lage noch einmal in die Länge gezogen – dadurch ist ein regelrechtes Vakuum entstanden, vor allem bei den Blockbustern. Im Arthaus konnten wir bereits im vergangenen Jahr wieder viele Highlights sehen.
Kommt es auch auf flankierende Maßnahmen an?
In Wuppertal veranstalten wir sehr viele Events um die Filme herum, wir belassen es nicht allein beim Disponieren und Uhrzeiten-Vergeben, sondern wir überlegen uns zu jedem Film, wie wir ihn begleiten, zum Beispiel durch Diskussionen. Und auch Social Media spielen eine zunehmend zentrale Rolle.
Interview: Frank Olbert
Ein Interview mit Catherine Laakmann zur Übergabe ihrer Kinos findet ihr hier:
Die beiden renommierten Kölner Kinos Rex am Ring und Metropolis haben einen neuen Betreiber: Mustafa El Mesaoudi übernahm die beiden Häuser von der langjährigen Kinobetreiberin Catherine Laakmann. Mesaoudi betreibt bereits in Wuppertal und Montabaur erfolgreiche Kinos, hat einen eigenen Filmverleih und wurde für sein Engagement jüngst mit dem Ehrenpreis der Film- und Medienstiftung NRW ausgezeichnet. Wir sprachen mit „dem Neuen am Ring“ über die Zukunft der Kinoszene am Kölner Ring.
Von Frank Olbert.
Das Rex am Ring ist das älteste existierende Kölner Kino, es wurde 1928 als Lichtspiele des Westens als letzter Kinoneubau der Stummfilmära eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es 1951 wieder eröffnet, Betreiber von 1953 an war Herbert Strate, der es zu einem der zentralen Kinos in Köln machte – ein Film wie „Fanfaren der Liebe“ mit Georg Thomalla erreichte in zehn Wochen 100.000 Zuschauer. Im Jahr 2000 übernahm Catherine Laakman das Rex. Sie hatte zuvor das Metropolis, ebenfalls ein Haus am Kölner Ring, als Kino für Originalfassungen etabliert. Dem Rex erschloss sie neue Zuschauerschichten unter anderem durch niedrige Eintrittspreise.
Ihr Nachfolger Mustafa El Mesaoudi wurde 1970 in Wuppertal geboren. Im Stadtteil Elberfeld betreibt er das Rex-Kino, in Oberbarmen das Cinema. Den Ehrenpreis im Rahmen der Kinoprogrammpreise verlieh ihm die Filmstiftung im vergangenen Jahr aufgrund seiner besonderen Verdienste um die Wuppertaler Kinolandschaft. Darüber hinaus leitet El Mesaoudi den Verleih „Immer gute Filme“, mit dem er auch kontrovers diskutierte Filme wie den Berlinale-Gewinner und Oscar-Preisträger NO OTHER LAND ins Kino bringt.
Foto: Michael Kaus-Brieger | Rex am Ring
Mustafa El Mesaoudi, Sie übernehmen die Kölner Ring-Kinos Rex und Metropolis und können dabei schon auf eine längere Zusammenarbeit mit der bisherigen Betreiberin Catherine Laakmann bauen.
Mustafa El Mesaoudi: Ich unterstütze Catherine Laakmann bei der Dispo, also bei der Filmplanung, was ich bei meinen anderen Kinos ja auch seit Jahren praktiziere. Wir kennen uns also, und dadurch hat sich herauskristallisiert, dass ich die beiden Kinos übernehmen könnte.
Wie beurteilen Sie die beiden Kinos?
Das sind beides alteingesessene Kinos – zwei Häuser auch, die das Publikum gut kennt und besucht. Ich habe festgestellt, dass es sich hierbei um eine sehr breit aufgestellte Besucherschaft handelt, auch was die Altersstruktur betrifft. Das reizt mich, auch weil das Rex ein Kino ist, das man programmieren kann, wie man möchte. Es bietet eine Mischung aus hochwertigen Blockbustern und anspruchsvollem Arthaus. Das ist nicht üblich.
Weil es sich meistens um getrennte Welten handelt.
So ist es, es gibt die Multiplexe und strictly Arthaus – aber die Mischung hat Catherine Laakmann über Jahre hinweg konsequent betrieben, und daran werde ich anknüpfen und werde auch versuchen, dies auszubauen.
Ausbauen heißt auch Verändern?
Natürlich, Kinos können aus dem Vollen schöpfen: Wir haben immer aktuelle Themen, was der Zeitgeist hergibt. Wir haben die Möglichkeit, Werkschauen aufzulegen – David Lynch und Gene Hackman sind gerade gestorben, rund um solche Persönlichkeiten lassen sich fantastische Retropektiven gestalten. Das möchte ich gerne intensivieren. Wir haben aber auch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen, die wir aufgreifen können. Kino ist der Ort, der verbindet – davon bin ich überzeugt.
Welche einzelnen Filme halten Sie für bedeutsam?
Wir waren beispielsweise das einzige Kino in Köln, das RABIA gezeigt hat, ein Film über eine Französin, die sich dem Dschihad anschließen will und sich in einem Daesch-Frauenhaus wiederfindet. Ein wichtiger Film mit einem sperrigen Thema, der Diskussionen hervorruft und in einer Stadt wie Köln laufen muss. Solche Perlen möchte ich gerne finden, Filme, die andere Kinos aufgrund ihrer Auslastung vielleicht nicht zeigen können.
Sie müssen aber schon auch auf die Realität Rücksicht nehmen?
Klar, mit einem Film wie THE SUBSTANCE haben wir 5000 Besucher gemacht – den nehmen wir nicht so schnell aus dem Programm, um für anderes Platz zu schaffen.
Wie sieht`s mit dem Metropolis aus? Das Kino hat sich profiliert als Ort für Originalfassungen – dieses Alleinstellungsmerkmal hat es allerdings verloren.
Wir waren das einizge Kino, das THE BRUTALIST in der Originalfassung gezeigt hat, also nicht OmU, sondern im Original – das war sehr erfolgreich. Es gilt, genau hinzuschauen, welche Versionen zur Verfügung stehen, und ob das Metropolis in Zukunft ausschließlich OV- oder OmU-Kino bleibt, wird sich zeigen. Wir wollen auch dem deutschen Film eine Chance geben.
Foto (und Titelbild): Hojabr Riahi / Film- und Medienstiftung NRW
Sollen bei nicht-deutschen Filmen beide Fassungen zu sehen sein, die synchronisierte und die Originalfassung?
Genau, das haben wir bei THE REAL PAIN so gehandhabt, und es hat funktioniert im Rahmen des Potenzials dieses Films, der insgesamt nicht sehr erfolgreich war, leider. Aber auch im Rex haben wir bei THE SUBSTANCE die synchronisierte wir die originale Fassung gezeigt.
Wie schauen Sie auf Köln? Sie haben Erfahrungen in Wuppertal und Montabaur gesammlt, beides kleinere Städte. Nun also Großstadt-Kino. Ist das anders?
Das ist anders, aber in einem positiven Sinne. In Köln muss jeder Film, der verleihseits ins Kino kommen soll, auch stattfinden. Das verleitet zu Experimenten, man kann ausprobieren, weil es immer irgendein Publikum da draußen gibt.
Und wie stellt sich die Kinolandschaft im Allgemeinen dar, nach den Krisenjahren während Corona?
Ich denke, dass wir uns in diesem Jahr noch in einem Erholungsprozess befinden. Schon nach den ersten Lockerungen haben wir durchgerechnet, dass wir bis 2025 brauchen, um uns davon zu erholen. Auch durch den Streik in Hollywood hat sich die schwierige Lage noch einmal in die Länge gezogen – dadurch ist ein regelrechtes Vakuum entstanden, vor allem bei den Blockbustern. Im Arthaus konnten wir bereits im vergangenen Jahr wieder viele Highlights sehen.
Kommt es auch auf flankierende Maßnahmen an?
In Wuppertal veranstalten wir sehr viele Events um die Filme herum, wir belassen es nicht allein beim Disponieren und Uhrzeiten-Vergeben, sondern wir überlegen uns zu jedem Film, wie wir ihn begleiten, zum Beispiel durch Diskussionen. Und auch Social Media spielen eine zunehmend zentrale Rolle.
Interview: Frank Olbert
Ein Interview mit Catherine Laakmann zur Übergabe ihrer Kinos findet ihr hier: