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Interview: Catherine Laakmann

Kinobetreiberin Catherine Laakmann prägte mit ihren beiden renommierten Lichtspielhäusern Rex und Metropolis über viele Jahre die Kölner Kinokultur. Im März 2025 übergab sie ihre Häuser an Mustafa El Mesaoudi. Frank Olbert sprach mit Laakmann über ihren Werdegang in der Kinobranche.

Von Frank Olbert.


Catherine Laakmann, Sie haben sich als Kinobetreiberin in einer richtigen Männerdomäne durchgesetzt. Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Catherine Laakmann: Ich lernte den Kritiker Rolf-Rüdiger Hamacher kennen. Er verhalf mir zum Start in diese Branche, die mir zunächst sehr fremd schien. Und so kam ich zu meinem ersten Kino, dem Metropolis. Das Metropolis war zum Zeitpunkt der Übernahme öfters geschlossen. Der Standort schien schwierig zu sein.

Und so kamen sie zum Kino?

Nachdem ich wieder mal beim Arbeitsamt war, habe ich gedacht: Heute schaue ich mir die Bilanz von diesem bescheuerten Kino an – sechs Wochen später haben wir eröffnet. Ich habe ausgerechnet, wie viele Besucher wir täglich brauchen, wann wir den Break-Even-Point erreichen, und das alles ohne jede Ahnung von Kino. Ich war keine Kinogängerin, schon weil ich im Hunsrück aufgewachsen bin. Dann habe ich relativ jung geheiratet, habe eine Ausbildung gemacht, war junge Mutter und habe mit Kind dann noch mal studiert. Kino war keine Option.

Wie hat sich das auf die Arbeit ausgewirkt? Unbelastet an eine Sache ranzugehen, kann ja auch Vorteile haben.

Wir haben die Dinge anders angepackt als andere Kinos. Ich habe früh schon eine EDV gekauft, die eigentlich für Bäckereien konzipiert war – aber das war perfekt. Ich konnte jeden Abend aufs Ticket genau sehen, wie viel wir verkauft hatten, wie viel Verleihabrechnung ich abgeben musste, wann kein Popcorn gemacht wurde. Ich habe versucht, mich in eine analytisch starke Position zu bringen.

Haben Sie auch programmliche Schwerpunkte gesetzt?

Ich habe mich leidenschaftlich für das Kinderkino engagiert. Wir haben einen Verein gegründet, „Kinderfilm im Kino“, und so haben wir erfolgreich Kinderfilme gefördert. Das war wie Balsam für mich, wenn wir Veranstaltungen gemacht haben und die Kinder verkleidet kamen – darüber habe ich das Kino lieben gelernt.

Und den Rest hat Rolf-Rüdiger Hamacher besorgt?

Wir hatten ein klare Trennung in unseren Arbeitsbereichen. Nach einer Zeit stellten wir fest, dass die Ertragslage nicht alle Beteiligten wirtschaftlich tragen kann, ich habe dann die Kinos alleine weitergeführt.

Das Metropolis hatte lange das Alleinstellungsmerkmal, die Filme im Original zu zeigen. Seit wann war das so?

Das war sehr früh schon so, am Anfang mit einer Originalfassung pro Tag – ich habe dann das komplette Programm darauf umgestellt. Das war der Durchbruch.

Im Jahr 2000 haben Sie zusätzlich zum Metropolis das Rex am Ring übernommen.

Ich bin lange drumherum geschlichen. Mich hatte der Ehrgeiz gepackt, noch sechs zusätzliche Leinwände zu bespielen – ich wusste jetzt, wie es geht, und mir wurde es im Metropolis ein bisschen langweilig. Herbert Strate, der Betreiber des Rex, sprach mich an, ich sei doch eine tüchtige junge Frau, zuverlässig und mit einem guten Ruf.

Das Rex war damals in keinem guten Zustand.

Das kann man wohl sagen, ich war kurz davor, mich wieder zurückzuziehen. Aber mit der Hilfe eines Architekten und eines Vaters, den ich von den Kindervorstellungen her kannte und der bei einer Bank arbeitete, habe ich einen Plan erstellt.

Das Metropolis war etabliert durch Originalfassungen und Kinderprogramm – wie haben Sie das Rex aufgestellt?

Ich habe das Prinzip des Metropolis aufs Rex übertragen – auch hier läuft Arthaus im Original, aber auch Mainstream. Ich habe den Grundsatz, dass ich das spiele, was ich verantworten kann. Je bunter die Mischung, desto besser die Besucherzahlen – diese Erfahrung habe ich gemacht.

Sie sind auch an die Eintrittspreise herangegangen.

Weil das Rex so heruntergekommen war, haben wir als sogenanntes One-Dollar-Haus angefangen, wir haben also für 2,99 Euro die Filme gespielt und 48 unterschiedliche Filme pro Tag gezeigt. Über die Masse habe ich das Geld angesammelt, mit dem ich das Rex verschönern konnte. Mithilfe eines zusätzlichen Kredits habe ich dann den Umbau in Angriff genommen.

Und so übergeben Sie das Ganze nun an Mustafa El Mesaoudi.

Ich habe zu ihm gesagt, dass er nun eine Perle auf einem schmutzigen Silbertablett bekommt, und mit Letzterem meine ich Köln. Ich habe eine traumhafte Karriere hinter mir, es gibt keine Frau in Deutschland, die eine solch lange Zeit als Kinobetreiberin tätig war. Ich habe ein aufregendes, interessantes Kinoleben geführt, auch durch zahlreiche Festivalbesuche. Ich war immer mit Herzblut dabei. Nun übergebe ich beide Kinos an Herrn El Mesaoudi, der in dieser Branche sehr verankert ist und in den vergangenen Monaten seine Kompetenz bewiesen hat. Er ist gut vernetzt und von allen Seiten geschätzt.

Interview: Frank Olbert

Titelbild: Rex am Ring

Das Interview mit dem neuen Betreiber Mustafa El Mesaoudi findet ihr hier:

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