Im Filmforum NRW ist am 21. März eine cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael zu sehen, die auf Initiative von Christa Aretz und Karl Rössel im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ gezeigt wird: „Deutsch sein und schwarz dazu„. Dies ist gleichzeitig der Titel von Michaels 2013 erschienener Autobiografie.
Von Frank Olbert.
Die erste Rolle seines Lebens übernahm Theodor Wonja Michael nicht freiwillig – er musste „einen Afrikaner“ spielen. Zwar fühlte er sich durch und durch als Berliner Junge, doch die Pflegeeltern des 1925 geborenen Sohnes einer Näherin aus Ostpreußen und eines Kameruner Aristrokraten sahen das anders: Sie steckten das zur Halbwaise gewordene Kind in eine sogenannte Völkerschau. „Wo ich ging und stand, wurde ich begafft, wildfremde Leute fuhren mir mit den Fingern durch die Haare, rochen an mir“, schrieb Michael in seiner Autobiografie, die 2013 erschien.
Im Filmforum NRW ist am 21. März eine cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael zu sehen, die auf Initiative von Christa Aretz und Karl Rössel im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ gezeigt wird.
Auch die Ausstellung im Kölner NS-Dokumentationszentrum haben Aretz und Rössel kuratiert, die sich als Mitbegründer des Afrika Film Festival international einen Namen gemacht haben und dort ebenso wie bei FilmInitiativ Köln heute ehrenamtlich aktiv sind. Die Ausstellung insgesamt wie auch die filmische Hommage an Theodor Wonja Michael bilden den Abschluss eines Langzeitprojekts, das sich die Erforschung der Folgen des Zweiten Weltkriegs auf die Dritte Welt zur Aufgabe gestellt hat. Die Schau war bereits 2010 im NS Dok zu sehen. 2009 ist sie als Wanderausstellung in Berlin gestartet, um die ganze Welt gereist und stetig erweitert worden.
Michael selbst war dem Afrika Film Festival eng verbunden, das viele Dokumentarfilme zeigte, in denen er als Protagonist mitwirkte – 2017 übernahm er die Schirmherrschaft über das Festival, Köln selbst hatte er zu seiner Wahlheimat erkoren; 2019 starb er hier als eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.
Michaels 2013 erschienene Autobiografie entwickelte sich zum Bestseller, Foto: dtv
Als die Nazis 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, musste Michael das Gymnasium verlassen, er bekam einen „Fremdenpass“ und wurde als staatenlos erklärt. Der Junge schlug sich als Page im Berliner Hotel Excelsior durch, doch den Job verlor er schnell – aufgrund seines „negroiden Einschlags“. Es gab nur eine Rolle für ihn, und diese hatte er bereits in den „Völkerschauen“ gespielt: die des „Afrikaners“, des Exoten. Er übernahm sie erneut in Propagandafilmen wie „Carl Peters“ mit Hans Albers oder in „Münchhausen“, in dem er in klassischer Manier mit einer Palme dem Sultan Luft zufächelt. Er überlebte die Nazizeit – tausende Schwarze wurden in Konzentrationslagern ermordet, viele verschwanden, viele andere fielen der Zwangssterilisation zum Opfer.
Die Hommage im Filmforum NRW präsentiert Ausschnitte aus Filmen wie „Blues in Schwarzweiß – vier schwarze deutsche Leben“ von John A. Kantara (1999) oder „Pagen in der Traumfabrik – Schwarze Komparsen im deutschen Spielfilm“ von Annette von Wangenheim (2001), in denen Michael mitwirkte. Auch in fiktionalen Produktionen im Nachkriegsdeutschland trat er auf wie 1999 in der Fernsehserie „Die Straßen von Berlin“. Nach 1945 holte er allerdings zuerst einmal sein Abitur nach, um dann Politikwissenschaft unter anderem bei Ralf Dahrendorf zu studieren – er arbeitete als Journalist, war Chefredakteur der Zeitschrift „Afrika Bulletin“ und beriet die SPD. 1971 trat er in den höheren Dienst beim Bundesnachrichtendienst ein, den er 1987 als Regierungsdirektor beendete. Diese Zeit behandelte er stets mit äußerster Diskretion.
Über Theodor Wonja Michaels mehr als bewegtes Leben geben im Rahmen der Hommage nicht allein Filmausschnitte Auskunft, sondern auch Gäste aus Fleisch und Blut. Dazu zählen unter anderen Katharina Oguntoye von der Familienhilfe für Schwarze Menschen (Joliba e. V.), Carla de Andrade Hurst von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, die Nachlassverwalterin Bebero Lehmann und Glenda Obermuller von der Theodor-Wonja-Michael-Bibliothek.
Veranstalter der Hommage sind: recherche international e. V. in Kooperation mit Afrika Film Festival Köln/FilmInitiativ Köln e.V.; DOMiD e. V. (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland); Sonnenblumen Community Development Group e. V.; Theodor Wonja Michael Bibliothek; Black History Month Köln; Friedensbildungswerk Köln; Köln im Film e. V.; Eine Welt Netz NRW; Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – ISD-Bund e. V.; Allerweltshaus Köln e. V.
Ticketreservierungen unter: christa.aretz@posteo.de – Der Eintritt ist frei.
Die Hommage im Rahmen des Internationalen Tages gegen Rassismus findet statt am 21. März um 19 Uhr im Filmforum NRW im Museum Ludwig in Köln. Bereits um 10 Uhr gibt es dort eine Schulvorführung von John A. Kantaras „Blues in Schwarzweiß“.
Die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ läuft noch bis zum 1. Juni im Kölner NS-Dokumentationszentrum.
30. März, 16 Uhr Filmhauskino TIRAILLEURS (Mein Sohn der Soldat)
26. April, 19 Uhr Filmforum im Museum Ludwig Filme zur Rolle von Native Americans im Zweiten Weltkrieg: CREE CODES TALKERS (13 min.) und NAVAJO CODE TALKERS: A JOURNEY OF REMEMBRANCE (70 min., engl. UT). Mit: Jay Howard (aka Ohidiga Saba Wamni (Nakota Sioux-Nation USA/Schweiz) und Manuel Menrath (Schweizer Historiker, Luzern)
27. April, 17 Uhr Filmforum im Museum Ludwig Spielfilm CINEMA, ASPIRINAS E URUBUS (140 min.,port.Original mit engl.UT) – über einen deutschen Deserteur in Brasilien während des Zweiten Weltkriegs
Im Filmforum NRW ist am 21. März eine cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael zu sehen, die auf Initiative von Christa Aretz und Karl Rössel im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ gezeigt wird: „Deutsch sein und schwarz dazu„. Dies ist gleichzeitig der Titel von Michaels 2013 erschienener Autobiografie.
Von Frank Olbert.
Die erste Rolle seines Lebens übernahm Theodor Wonja Michael nicht freiwillig – er musste „einen Afrikaner“ spielen. Zwar fühlte er sich durch und durch als Berliner Junge, doch die Pflegeeltern des 1925 geborenen Sohnes einer Näherin aus Ostpreußen und eines Kameruner Aristrokraten sahen das anders: Sie steckten das zur Halbwaise gewordene Kind in eine sogenannte Völkerschau. „Wo ich ging und stand, wurde ich begafft, wildfremde Leute fuhren mir mit den Fingern durch die Haare, rochen an mir“, schrieb Michael in seiner Autobiografie, die 2013 erschien.
Im Filmforum NRW ist am 21. März eine cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael zu sehen, die auf Initiative von Christa Aretz und Karl Rössel im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ gezeigt wird.
Auch die Ausstellung im Kölner NS-Dokumentationszentrum haben Aretz und Rössel kuratiert, die sich als Mitbegründer des Afrika Film Festival international einen Namen gemacht haben und dort ebenso wie bei FilmInitiativ Köln heute ehrenamtlich aktiv sind. Die Ausstellung insgesamt wie auch die filmische Hommage an Theodor Wonja Michael bilden den Abschluss eines Langzeitprojekts, das sich die Erforschung der Folgen des Zweiten Weltkriegs auf die Dritte Welt zur Aufgabe gestellt hat. Die Schau war bereits 2010 im NS Dok zu sehen. 2009 ist sie als Wanderausstellung in Berlin gestartet, um die ganze Welt gereist und stetig erweitert worden.
Michael selbst war dem Afrika Film Festival eng verbunden, das viele Dokumentarfilme zeigte, in denen er als Protagonist mitwirkte – 2017 übernahm er die Schirmherrschaft über das Festival, Köln selbst hatte er zu seiner Wahlheimat erkoren; 2019 starb er hier als eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.
Als die Nazis 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, musste Michael das Gymnasium verlassen, er bekam einen „Fremdenpass“ und wurde als staatenlos erklärt. Der Junge schlug sich als Page im Berliner Hotel Excelsior durch, doch den Job verlor er schnell – aufgrund seines „negroiden Einschlags“. Es gab nur eine Rolle für ihn, und diese hatte er bereits in den „Völkerschauen“ gespielt: die des „Afrikaners“, des Exoten. Er übernahm sie erneut in Propagandafilmen wie „Carl Peters“ mit Hans Albers oder in „Münchhausen“, in dem er in klassischer Manier mit einer Palme dem Sultan Luft zufächelt. Er überlebte die Nazizeit – tausende Schwarze wurden in Konzentrationslagern ermordet, viele verschwanden, viele andere fielen der Zwangssterilisation zum Opfer.
Die Hommage im Filmforum NRW präsentiert Ausschnitte aus Filmen wie „Blues in Schwarzweiß – vier schwarze deutsche Leben“ von John A. Kantara (1999) oder „Pagen in der Traumfabrik – Schwarze Komparsen im deutschen Spielfilm“ von Annette von Wangenheim (2001), in denen Michael mitwirkte. Auch in fiktionalen Produktionen im Nachkriegsdeutschland trat er auf wie 1999 in der Fernsehserie „Die Straßen von Berlin“. Nach 1945 holte er allerdings zuerst einmal sein Abitur nach, um dann Politikwissenschaft unter anderem bei Ralf Dahrendorf zu studieren – er arbeitete als Journalist, war Chefredakteur der Zeitschrift „Afrika Bulletin“ und beriet die SPD. 1971 trat er in den höheren Dienst beim Bundesnachrichtendienst ein, den er 1987 als Regierungsdirektor beendete. Diese Zeit behandelte er stets mit äußerster Diskretion.
Über Theodor Wonja Michaels mehr als bewegtes Leben geben im Rahmen der Hommage nicht allein Filmausschnitte Auskunft, sondern auch Gäste aus Fleisch und Blut. Dazu zählen unter anderen Katharina Oguntoye von der Familienhilfe für Schwarze Menschen (Joliba e. V.), Carla de Andrade Hurst von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, die Nachlassverwalterin Bebero Lehmann und Glenda Obermuller von der Theodor-Wonja-Michael-Bibliothek.
Veranstalter der Hommage sind: recherche international e. V. in Kooperation mit Afrika Film Festival Köln/FilmInitiativ Köln e.V.; DOMiD e. V. (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland); Sonnenblumen Community Development Group e. V.; Theodor Wonja Michael Bibliothek; Black History Month Köln; Friedensbildungswerk Köln; Köln im Film e. V.; Eine Welt Netz NRW; Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – ISD-Bund e. V.; Allerweltshaus Köln e. V.
Die Hommage im Rahmen des Internationalen Tages gegen Rassismus findet statt am 21. März um 19 Uhr im Filmforum NRW im Museum Ludwig in Köln. Bereits um 10 Uhr gibt es dort eine Schulvorführung von John A. Kantaras „Blues in Schwarzweiß“.
Weitere Filme in der Reihe:
INDIGÈNES und JAMAL, RACHID, ROSCHDY, SAMY …
TIRAILLEURS (Mein Sohn der Soldat)
Filme zur Rolle von Native Americans im Zweiten Weltkrieg: CREE CODES TALKERS (13 min.) und NAVAJO CODE TALKERS: A JOURNEY OF REMEMBRANCE (70 min., engl. UT). Mit: Jay Howard (aka Ohidiga Saba Wamni (Nakota Sioux-Nation USA/Schweiz) und Manuel Menrath (Schweizer Historiker, Luzern)
Spielfilm CINEMA, ASPIRINAS E URUBUS (140 min.,port.Original mit engl.UT) – über einen deutschen Deserteur in Brasilien während des Zweiten Weltkriegs
Titelbild: Mark Leonhard | dtv
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