Im Filmforum NRW ist am 21. März eine cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael zu sehen, die auf Initiative von Christa Aretz und Karl Rössel im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ gezeigt wird: „Deutsch sein und schwarz dazu„. Wir sprachen mit Karl Rössel über das Langzeitprojekt und seine Begegnungen mit Theodor Wonja Michael.
Von Frank Olbert.
Karl Rössel, Foto: privat
Karl Rössel, die Hommage an Theodor Wonja Michael ist Teil eines größeren Projekts, an dem Sie bereits lange arbeiten …
Karl Rössel: Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Langzeitprojekts, an dem wir als Rheinisches Journalistenbüro bereits seit vier Jahrzehnten arbeiten. Wir wollten für ein Buchvorhaben überprüfen, wie viele Menschen aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika im Zweiten Weltkrieg im Einsatz waren, wie viele Opfer es auf diesen Kontinenten gab, denn darüber gab es fast keine Informationen.
Das heißt, Voraussetzung war eine langwierige Recherche?
Wir haben zunächst zehn Jahre recherchiert und in 30 Ländern der sogenannten Dritten Welt nach Material zum Zweiten Weltkrieg gesucht. Die Ergebnisse unserer Recherchen haben wir 2005 einem Buch zusammengefasst. Es hieß „Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ und erschien im Verlag Assoziation A (Hamburg/Berlin) – darin enthalten ist ein Kapitel über Schwarze im Nationalsozialismus und die Kolonialpläne der Nazis.
So kamen Sie auf Theodor Wonja Michael.
Genau, auch 2008 hatten wir wieder mit ihm Kontakt, als wir Unterrichtsmaterialien zusammengestellt haben. 2009 haben wir dann die Ausstellung entworfen, und von da an war Theodor häufig als Referent bei der Präsentation der Ausstellung zugegen. Darüber haben wir uns angefreundet.
Wie war er im persönlichen Umgang?
Trotz seiner bewegten Geschichte und der vielen Diskriminierungen, die er erleben musste, ist er ein absolut ruhiger, gelassener, freundlicher Herr geblieben. Im Jahr 2017 war er Schirmherr unseres Afrika Film Festivals, bei dem er zuvor schon mehrfach bei Gesprächen über Filme dabei war, in denen es um seine Lebensgeschichte ging. Auch, als er nicht mehr so mobil wie früher war, wollte er weiterhin unbedingt die Eröffnungsveranstaltungen besuchen, so dass wir ihn stets abgeholt haben.
Auch bei der Ausstellung war er sehr engagiert.
Ich erinnere mich, dass wir im Zusammenhang mit unseren Unterrichtsmaterialien schwarzen Jugendlichen aus Aachen begegnet sind. Die präsentierten uns Plakate, auf denen sie in den Uniformen von Kolonialsoldaten zu sehen waren – als „Schwarze Helden“, die zahllose Länder und Städte, auch Aachen, befreit haben. Das war ein Projekt als Ergebnis unserer Unterrichtsmaterialien. Diese Plakate befinden sich heute in Theodors Nachlass, den das DOMiD übernommen hat, und ihre Entstehungsgeschichte wird auch in unserer Ausstellung erzählt – in einer Videostation mit dem Titel „Kriegserinnerungen aus der Nachbarschaft“.
Welche Erfahrungen hat Theodor Michael auch in seinen letzten Jahren noch mit Rassismus gemacht?
Wir zeigen auch im Rahmen der Hommage Filmausschnitte, in denen er darüber redet: Wer aussieht wie er, sagt er, macht immer diese Erfahrung. Er erzählt zum Beispiel die Geschichte von einem Typ, der sich in der S-Bahn nicht mehr neben ihn setzen wollte, als er sein Gesicht sah. Das provozierte Theodor zu dem Kommentar: Für einen Altnazi bist du zu jung und für einen Neonazi zu alt – aber in jedem Fall ein Nazi. Das kam total überraschend, gerade für einen ansonsten so distinguierten Herrn.
Die cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael ist Teil einer Filmreihe zur Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, in der bis Ende Mai 17 Spiel- und Dokumentarfilme aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu sehen sind.
Im Filmforum NRW ist am 21. März eine cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael zu sehen, die auf Initiative von Christa Aretz und Karl Rössel im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ gezeigt wird: „Deutsch sein und schwarz dazu„. Wir sprachen mit Karl Rössel über das Langzeitprojekt und seine Begegnungen mit Theodor Wonja Michael.
Von Frank Olbert.
Karl Rössel, die Hommage an Theodor Wonja Michael ist Teil eines größeren Projekts, an dem Sie bereits lange arbeiten …
Karl Rössel: Die Ausstellung ist das Ergebnis eines Langzeitprojekts, an dem wir als Rheinisches Journalistenbüro bereits seit vier Jahrzehnten arbeiten. Wir wollten für ein Buchvorhaben überprüfen, wie viele Menschen aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika im Zweiten Weltkrieg im Einsatz waren, wie viele Opfer es auf diesen Kontinenten gab, denn darüber gab es fast keine Informationen.
Das heißt, Voraussetzung war eine langwierige Recherche?
Wir haben zunächst zehn Jahre recherchiert und in 30 Ländern der sogenannten Dritten Welt nach Material zum Zweiten Weltkrieg gesucht. Die Ergebnisse unserer Recherchen haben wir 2005 einem Buch zusammengefasst. Es hieß „Unsere Opfer zählen nicht – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ und erschien im Verlag Assoziation A (Hamburg/Berlin) – darin enthalten ist ein Kapitel über Schwarze im Nationalsozialismus und die Kolonialpläne der Nazis.
So kamen Sie auf Theodor Wonja Michael.
Genau, auch 2008 hatten wir wieder mit ihm Kontakt, als wir Unterrichtsmaterialien zusammengestellt haben. 2009 haben wir dann die Ausstellung entworfen, und von da an war Theodor häufig als Referent bei der Präsentation der Ausstellung zugegen. Darüber haben wir uns angefreundet.
Wie war er im persönlichen Umgang?
Trotz seiner bewegten Geschichte und der vielen Diskriminierungen, die er erleben musste, ist er ein absolut ruhiger, gelassener, freundlicher Herr geblieben. Im Jahr 2017 war er Schirmherr unseres Afrika Film Festivals, bei dem er zuvor schon mehrfach bei Gesprächen über Filme dabei war, in denen es um seine Lebensgeschichte ging. Auch, als er nicht mehr so mobil wie früher war, wollte er weiterhin unbedingt die Eröffnungsveranstaltungen besuchen, so dass wir ihn stets abgeholt haben.
Auch bei der Ausstellung war er sehr engagiert.
Ich erinnere mich, dass wir im Zusammenhang mit unseren Unterrichtsmaterialien schwarzen Jugendlichen aus Aachen begegnet sind. Die präsentierten uns Plakate, auf denen sie in den Uniformen von Kolonialsoldaten zu sehen waren – als „Schwarze Helden“, die zahllose Länder und Städte, auch Aachen, befreit haben. Das war ein Projekt als Ergebnis unserer Unterrichtsmaterialien. Diese Plakate befinden sich heute in Theodors Nachlass, den das DOMiD übernommen hat, und ihre Entstehungsgeschichte wird auch in unserer Ausstellung erzählt – in einer Videostation mit dem Titel „Kriegserinnerungen aus der Nachbarschaft“.
Welche Erfahrungen hat Theodor Michael auch in seinen letzten Jahren noch mit Rassismus gemacht?
Wir zeigen auch im Rahmen der Hommage Filmausschnitte, in denen er darüber redet: Wer aussieht wie er, sagt er, macht immer diese Erfahrung. Er erzählt zum Beispiel die Geschichte von einem Typ, der sich in der S-Bahn nicht mehr neben ihn setzen wollte, als er sein Gesicht sah. Das provozierte Theodor zu dem Kommentar: Für einen Altnazi bist du zu jung und für einen Neonazi zu alt – aber in jedem Fall ein Nazi. Das kam total überraschend, gerade für einen ansonsten so distinguierten Herrn.
Die cineastische Hommage an Theodor Wonja Michael ist Teil einer Filmreihe zur Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, in der bis Ende Mai 17 Spiel- und Dokumentarfilme aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu sehen sind.
Der Flyer zur Filmreihe findet sich >HIER<.
Interview: Frank Olbert
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