Viele Produzent:innen und Branchenkenner sind sich sicher: Ohne Steueranreizmodell und ohne verbindliche Investitionspflicht für Streamingdienste verliert der Medienstandort Deutschland weiter an Boden – ganz besonders in Köln. Kultursstaatsminister Wolfram Weimer (CDU) möchte dennoch lediglich auf freiwillige Selbstverpflichtungen setzen und erhält Unterstützung von NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU). Im Interview mit Filmszene.Koeln widerspricht ihnen der Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW – Walid Nakschbandi.
Von Frank Olbert.
Walid Nakschbandi ist Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW, die mit rund 35 Millionen Euro Fördervolumen zu den wichtigsten Förderinstitutionen in Deutschland gehört. Die Landesstiftung hilft bei der Finanzierung von Filmen, Fernsehproduktionen, Serien und Games. 1991 in Düsseldorf gegründet, hat sie ihr Domizil seit 2024 in Köln, dem zentralen Medienstandort in Nordrhein-Westfalen. In der aktuellen Debatte um die
Herr Nakschbandi, wie stehen Sie zur Haltung von Kulturstaatsminister Weimer, im Fall der Streamingdienste auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zu setzen?
Walid Nakschbandi: Eine freiwillige Selbstverpflichtung ist ein wichtiges Signal, aber sie wird nicht ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Produktionsstandorts zu sichern. Andere europäische Länder haben Steueranreize eingeführt – und genau deshalb fließen dorthin heute deutlich mehr internationale Budgets und stärken die jeweilige Filmindustrie.
Wie bewerten Sie die Situation der Film- und Fernsehwirtschaft in NRW?
NRW ist weiterhin der stärkste und potenteste Medienstandort in Deutschland. Doch der Druck nimmt spürbar zu: Senderbudgets stagnieren, internationale Produktionen weichen auf steuerlich attraktivere Länder aus, und der Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse. Die Branche ist stabil, aber sie steht an einem kritischen Punkt.
Wie lassen sich große internationale Produktionen nach NRW holen? Wurde hier in der Vergangenheit vieles verpasst, so dass nun Produktionen in andere EU-Länder gehen?
Internationale Produktionen entscheiden sich fast ausschließlich für Standorte mit klar kalkulierbaren steuerlichen Anreizen. Infrastruktur und Talent haben wir – aber ohne ein modernes, automatisches Fördermodell ist Deutschland im Wettbewerb im Nachteil. Andere Länder waren hier schlicht schneller und konsequenter. Aber für nichts ist es zu spät!
Was sind die Vorteile eines Steuermodells bei der Filmförderung?
Ein steuerbasiertes, automatisches Fördermodell ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Es schafft Planungssicherheit, reduziert Bürokratie und sorgt nachweislich für hohe wirtschaftliche Rückflüsse. Klassische Förderungen bleiben wichtig, aber mit einem steuerlichen Anreizsystem werden wir international spürbar an Anziehungskraft gewinnen und unser Land damit deutlich nach vorne bringen – in Sachen Exzellenz und Wirtschaftlichkeit.
NRW hat über die vergangenen Jahrzehnte hinweg viel in den Ausbau der Filmwirtschaft investiert – ist diese Aufbauleistung aus Ihrer Sicht in Gefahr?
Unsere Medienlandschaft in NRW ist europaweit einzigartig. Wir wollen, dass es so bleibt und sie weiter enorm wächst – aber dafür müssen wir alle die Ärmel hochkrempeln und ordentlich anpacken. Unsere Landesregierung und unsere Kreativen in NRW tun dies bereits. Nun muss auch der Bund liefern.
Was ließe sich Ihrer Meinung nach zugunsten einer Stärkung der Filmwirtschaft in NRW leisten?
Wir müssen unsere Talente stärker denn je fördern und die Qualität unserer Projekte steigern. Nur qualitativ hochwertige und exzellente Produktionen haben auf dem internationalen Markt eine Chance – und unser Zuhause für Kreativität ist der internationale Markt.
Interview: Frank Olbert
Viele Produzent:innen und Branchenkenner sind sich sicher: Ohne Steueranreizmodell und ohne verbindliche Investitionspflicht für Streamingdienste verliert der Medienstandort Deutschland weiter an Boden – ganz besonders in Köln. Kultursstaatsminister Wolfram Weimer (CDU) möchte dennoch lediglich auf freiwillige Selbstverpflichtungen setzen und erhält Unterstützung von NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU). Im Interview mit Filmszene.Koeln widerspricht ihnen der Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW – Walid Nakschbandi.
Von Frank Olbert.
Walid Nakschbandi ist Geschäftsführer der Film- und Medienstiftung NRW, die mit rund 35 Millionen Euro Fördervolumen zu den wichtigsten Förderinstitutionen in Deutschland gehört. Die Landesstiftung hilft bei der Finanzierung von Filmen, Fernsehproduktionen, Serien und Games. 1991 in Düsseldorf gegründet, hat sie ihr Domizil seit 2024 in Köln, dem zentralen Medienstandort in Nordrhein-Westfalen. In der aktuellen Debatte um die
Herr Nakschbandi, wie stehen Sie zur Haltung von Kulturstaatsminister Weimer, im Fall der Streamingdienste auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zu setzen?
Walid Nakschbandi: Eine freiwillige Selbstverpflichtung ist ein wichtiges Signal, aber sie wird nicht ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Produktionsstandorts zu sichern. Andere europäische Länder haben Steueranreize eingeführt – und genau deshalb fließen dorthin heute deutlich mehr internationale Budgets und stärken die jeweilige Filmindustrie.
Wie bewerten Sie die Situation der Film- und Fernsehwirtschaft in NRW?
NRW ist weiterhin der stärkste und potenteste Medienstandort in Deutschland. Doch der Druck nimmt spürbar zu: Senderbudgets stagnieren, internationale Produktionen weichen auf steuerlich attraktivere Länder aus, und der Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse. Die Branche ist stabil, aber sie steht an einem kritischen Punkt.
Wie lassen sich große internationale Produktionen nach NRW holen? Wurde hier in der Vergangenheit vieles verpasst, so dass nun Produktionen in andere EU-Länder gehen?
Internationale Produktionen entscheiden sich fast ausschließlich für Standorte mit klar kalkulierbaren steuerlichen Anreizen. Infrastruktur und Talent haben wir – aber ohne ein modernes, automatisches Fördermodell ist Deutschland im Wettbewerb im Nachteil. Andere Länder waren hier schlicht schneller und konsequenter. Aber für nichts ist es zu spät!
Was sind die Vorteile eines Steuermodells bei der Filmförderung?
Ein steuerbasiertes, automatisches Fördermodell ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Es schafft Planungssicherheit, reduziert Bürokratie und sorgt nachweislich für hohe wirtschaftliche Rückflüsse. Klassische Förderungen bleiben wichtig, aber mit einem steuerlichen Anreizsystem werden wir international spürbar an Anziehungskraft gewinnen und unser Land damit deutlich nach vorne bringen – in Sachen Exzellenz und Wirtschaftlichkeit.
NRW hat über die vergangenen Jahrzehnte hinweg viel in den Ausbau der Filmwirtschaft investiert – ist diese Aufbauleistung aus Ihrer Sicht in Gefahr?
Unsere Medienlandschaft in NRW ist europaweit einzigartig. Wir wollen, dass es so bleibt und sie weiter enorm wächst – aber dafür müssen wir alle die Ärmel hochkrempeln und ordentlich anpacken. Unsere Landesregierung und unsere Kreativen in NRW tun dies bereits. Nun muss auch der Bund liefern.
Was ließe sich Ihrer Meinung nach zugunsten einer Stärkung der Filmwirtschaft in NRW leisten?
Wir müssen unsere Talente stärker denn je fördern und die Qualität unserer Projekte steigern. Nur qualitativ hochwertige und exzellente Produktionen haben auf dem internationalen Markt eine Chance – und unser Zuhause für Kreativität ist der internationale Markt.
Interview: Frank Olbert