Filmszene Aktuell

50 Jahre Duisburger Filmwoche: Vorprogramm im Filmhaus Köln

Die Duisburger Filmwoche feiert 2026 ihr 50-jähriges Bestehen und startet das Jubiläumsjahr mit einer Kooperation in Köln. Beim dfi-Symposium „Work in Progress“ im Filmhaus Köln laufen drei Termine mit Filmen aus dem Archiv des Festivals – als Auftakt zu einem Jubiläumsprogramm, das sich über das ganze Jahr ziehen wird.

Von Werner Busch


Die Duisburger Filmwoche wird 2026 fünfzig Jahre alt, und schon Monate vor der eigentlichen Jubiläumsausgabe im November beginnt das Festival damit, sein Archiv in Bewegung zu setzen. Den Auftakt bildet eine Kooperation mit der dokumentarfilminitiative dfi im Filmhaus Köln: Rund um das Symposium „Work in Progress. Repräsentationen von Arbeit im Dokumentarfilm“ werden im Januar Filmprogramme gezeigt, die sich in ganz unterschiedlichen Tonlagen mit Arbeitswelten, ihren Rhythmen und den Bedingungen von Sichtbarkeit beschäftigen. Für Filmszene Köln ist das ein bemerkenswertes Signal: Die Filmwoche markiert ihr Jubiläum nicht nur mit Rückschau, sondern setzt ihren Blick auf Arbeit und Bildarbeit dort an, wo in Köln gerade diskutiert und gestritten wird.

Im Zentrum stehen drei Filmtermine im Filmhaus, die man sich vormerken sollte. Am 11. Januar um 17 Uhr treffen zwei kürzere Arbeiten aufeinander, die Arbeit als biografischen Bruch erzählen: Dietrich Schuberts Porträt „Mögen die Eichen nach uns wachsen“ begleitet den anatolischen Schriftsteller Fakir Baykurt und verknüpft Literatur, Migration und den Verlust industrieller Existenz in Duisburg; „Wilhelm der Schäfer“ von Josie Rücker beobachtet, wie nach der Wiedervereinigung politische Versprechen von Selbständigkeit und ökonomische Realität kollidieren – bis ganze Lebenswelten wegbrechen. Im Anschluss ist ein Gespräch mit den Regisseur:innen angekündigt.

Am 14. Januar um 19 Uhr folgt mit „Olanda“ von Bernd Schoch ein Langfilm, der Arbeit nicht als Arbeitsplatz, sondern als Kreislauf begreift. Ausgehend vom saisonalen Pilzsammeln in den rumänischen Karpaten entfaltet der Film ein Geflecht aus Wegen, Geldströmen und Abhängigkeiten, das vom Wald bis zu Händlern und improvisierten Märkten reicht. Festivalleiter Alexander Scholz führt in die Vorführung ein; zudem wird „Olanda“ am 15. Januar im Rahmen des Symposiums in einem vertiefenden Werkstattgespräch mit Regisseur Bernd Schoch und Kameramann Simon Quack weiter verhandelt.

Der dritte Termin am 17. Januar ab 14:30 Uhr verschiebt den Fokus vom Arbeitsalltag zur Arbeit am Bild. Gezeigt werden vier Episoden aus „Cinématographe Lumière – Kino vor 100 Jahren“ von Martina Müller, die frühe Lumière-Ansichten in die Bildkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts einbetten und Film als Produkt eines neuen Zeitalters sichtbar machen. Dazu kommt Hartmut Bitomskys „Das Kino und der Wind und die Photographie“, ein enthusiastisches Werkstattstück, das Kino mit seinen eigenen Mitteln befragt und das Denken über Filme direkt an die Ausschnitte koppelt. Nach dem Programm ist ein Gespräch mit Martina Müller angekündigt.

Inhaltlich flankiert die Reihe das dfi-Symposium, das am 15. und 16. Januar in Köln stattfindet und Arbeit doppelt betrachtet: als Thema dokumentarischer Bilder und als Bedingung ihrer Herstellung. Dass die Duisburger Filmwoche ihr Jubiläum ausgerechnet mit einem Programm über Arbeit, Rhythmen und Bildpraxis eröffnet, wirkt folgerichtig – und macht die drei Termine im Filmhaus zu einem kompakten, sehr konkreten Einstieg in ein Jubiläumsjahr, das nicht nur feiern, sondern auch nachdenken will.

Titelbild: „Wilhelm der Schäfer“ von Josie Rücker, Foto: Duisburger Filmwoche

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