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»Das Lehrerzimmer« jetzt in der Arte-Mediathek: Lola-Sieger mit Kölner Handschrift

Der »Das Lehrerzimmer« feierte gerade bei Arte seine Premiere im Free-TV zu sehen – und ist jetzt in der ARTE-Mediathek abrufbar. Das mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Drehbuch schrieb Regisseur İlker Çatak zusammen mit Johannes Duncker, der langjährige Leiter des Kurzfilmfestival Köln.

Von Werner Busch.


Es ist einer dieser Filme, die nicht „über Schule“ erzählen, sondern darüber, was Schule als gesellschaftlicher Mikrokosmos sichtbar macht: Regeln, Macht, Loyalität – und die Geschwindigkeit, mit der sich ein Klima kippen kann. Das Lehrerzimmer von İlker Çatak war nun erstmals im Free-TV zu sehen und ist aktuell in der ARTE-Mediathek verfügbar.

Der Film setzt bei einer scheinbar kleinen Sache an: An einer Schule gibt es Diebstähle, Verdachtsmomente, schnelle Zuschreibungen. Lehrerin Carla Nowak (Leonie Benesch) will fair bleiben, nicht vorschnell urteilen – und gerät gerade dadurch zwischen alle Fronten. Aus dem Versuch, Gerechtigkeit herzustellen, wird ein Thriller der Alltagsmechanismen: Wer darf wie sprechen? Wer bestimmt, was als Beweis gilt? Wie entsteht Druck, wie entsteht Denunziation, wie entsteht Ausgrenzung?

Für Köln hat das Ganze eine zusätzliche Dimension: Am Drehbuch schrieb Johannes Duncker gemeinsam mit İlker Çatak – und wurde dafür beim Deutschen Filmpreis mit der Lola für Bestes Drehbuch ausgezeichnet. Duncker ist langjähriger Leiter des KFFK (Kurzfilmfestival Köln), das in jedem Jahr im November stattfindet.

Dass Das Lehrerzimmer so präzise funktioniert, liegt an seiner Zuspitzung: Der Film moralisiert nicht von oben herab. Er zeigt, wie schnell gute Absichten von Strukturen geschluckt werden – und wie dünn die Trennlinie zwischen „Aufklärung“ und „Kontrolle“ sein kann, sobald ein Kollektiv nach Sicherheit verlangt.

Wer den Film im Kino verpasst hat, bekommt jetzt die Gelegenheit, ihn (noch einmal) in Ruhe zu sehen – und sich danach zu fragen, warum dieses Setting so unangenehm nah wirkt:

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