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Heimkino feiert Geburtstag: Ein Freundeskreis mischt die Filmszene auf

Heimkino hat Geburtstag: Am 22. März wird im Cinenova mit einem großen Double-Feature und Big Kahuna Burgern gefeiert. Was als Filmegucken mit Freunden im Wohnzimmer begann, entwickelte sich in Rekordzeit zu einer der erfolgreichsten Filminitiativen in Köln – mit stabiler Zuschauerschaft, Specials und spürbarem Community-Gedanken. Hinter der Reihe steht ein junger Kern aus Filmbegeisterten, die „das Familiäre und Lockere“ ihres eigenen Heimkinos in den großen Saal übertragen. Ein Portrait.

Von Werner Busch.


Im Cinenova passiert seit zwei Jahren etwas, das man in Köln gern öfter hätte: Ein junger Filmclub kuratiert mit Lust und Mut, füllt einen großen Saal, und schafft eine Reihe, die sich nicht wie Filmseminar-Pflichtprogramm anfühlt, sondern wie ein regelmäßiger Treffpunkt für alle Filmfreunde. Heimkino heißt das Projekt.

Dass die Initiative am 22. März ihr zweijähriges Jubiläum feiern kann, verdankt sie einer Eskalation im Freundeskreis: Zunächst wurde das wohnzimmerliche Heimkino immer voller, der Satz „Boah, den will ich auch (noch) mal im Kino erleben“ fiel wieder und wieder – und irgendwann waren beim gemeinsamen Kinobesuch ganze Reihen blockiert. Aus diesem Momentum entstand die Idee, „einen eigenen Beitrag zur Filmlandschaft in Köln“ zu leisten, indem man das gemeinsame Schauen noch einen Schritt weiter – und größer – dachte.

Das „größer“ heißt in diesem Fall: Cinenova, Saal 1. Der Kinosaal mit seinen 341 Sitzplätzen hat schon viele geschichtsträchtige Filmpremieren erlebt, viel kalter Schweiß blieb 2009 etwa bei LvT’s „Antichrist“ im Teppichgeruch hängen. Gianluca Pistoia (Orga, Gründer) und Luca Liffers (Editor/Grafiker) hatten den Ort nach einer Kinotour durch Köln erkoren, bei der auch die Popcorn-Frage ein Kriterium war. Noch wichtiger für die Entscheidung war aber, dass das Cinenova bereits ein verlässliches Angebot in OV/OmU-Screenings hatte, denn bei Heimkino läuft in der Regel alles im Original mit Untertiteln. Und auch die Größe des Saals selbst machte einen schönen Kontrast zu den Spielstätten, die man sonst mit Arthouse assoziiert. Dass sich Heimkino zudem auf 8 Euro Ticketpreis einpendeln konnte und inzwischen auch über Cineville läuft, passt zur Grundidee: Kino soll nicht exklusiv wirken, sondern zugänglich bleiben.

Wer steckt dahinter? Der aktuelle harte Kern besteht aus Gianluca Pistoia, Luca Liffers, Rami Eiserfey (Redaktion/Social Media), Laura Sternberg (Artikel/Reviews), Leon Schumacher (Programmleitung) und Julian Heßler (Moderation/Kommunikation/Animesektion). Die Rollen, sagen sie, seien in der Praxis bewusst durchlässig: Je nach Kapazitäten übernimmt jede*r mal Kuration – Hauptsache, die Leidenschaft fürs monatliche Thema ist spürbar. Und die sind immer angenehm überraschend.

Vielleicht erklärt sich der Erfolg genau darüber: Die Gruppe beschreibt sich selbst als „ein Sammelsurium an Filmjecken“. Und der Name Heimkino ist nicht Ironie, sondern Programm: Die Idee entstand im tatsächlichen Heimkino, im Freundeskreis. Dieses Familiäre wollen sie in den Kinosaal übertragen – gleichzeitig mögen sie den Widerspruch, den der Titel in sich trägt, denn „Filme gehören einfach ins Kino und das kann kein Projektor und Soundsystem fürs Wohnzimmer ausgleichen“.

Kuratiert wird monatlich – und zwar so, dass jede*r im Team mit einer eigenen Vision einen Monat verantwortet. Manchmal ist es ein bestimmter Film, manchmal ein beobachtetes Motiv, das den Anstoß gibt. Wichtig ist nur: nicht monoton werden, unterschiedliche Länder, Sprachen und Produktionszeiten mischen – und pro Monat gern auch einen „großen“ Titel als Türöffner, damit Menschen kommen, „die nicht jede Woche ins Kino rennen“. Heimkino will eben nicht nur die Kenner:innen bedienen, sondern ein Angebot „für das gesamte Publikum“ sein.

Im März heißt das Thema „Journey Into Darkness“ – und die Auswahl ist entsprechend düster bis wuchtig: Apocalypse Now (Final Cut), Stalker, Fitzcarraldo und William Friedkins Sorcerer. Vier Filme, die Kino als Grenzerfahrung auslosten: als Rausch, als Idee, als Paranoia, als Obsession.

Und wer ist im Heimkino-Publikum heute? Genau was man sich wünscht: „Bei uns sitzen junge Filmbegeisterte neben Menschen, die die Filme vor 40 Jahren beim offiziellen Start schon im Kino gesehen haben. Und natürlich kommen auch viele Besucher:innen, die selbst Filmschaffende aus den verschiedensten Bereichen sind. Es ist eine total bunte Mischung, die ehrlicherweise auch in den Gesprächen nach dem Film im Kinofoyer total Spaß macht und bereichernd ist. Tendenziell sind es aber schon eher jüngere Leute“.

Das schönste Kompliment aus dem Publikum war die Erkenntnis, dass viele „durch uns das Kino zum festen Bestandteil ihrer Freizeitplanung gemacht haben“. Die überaus sympathische Crew hinter Heimkino wird sicher so schnell nicht müde werden und eine wichtige Konstante im Kölner Kinokalender bleiben. Wir werden von diesen verrückten Jungen Leuten noch viel hören und es wird sicher mehr als ‘ne Postkarte sein.


Kommende Heimkino-Screenings (Cinenova)

Mi, 11.03.2026 · 20:00
STALKER (OmU)
Unter der Führung des „Stalkers“, eines Pfadfinders und Ortskundigen, begeben sich ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller in die mysteriöse „Zone“, wo es angeblich einen Ort geben soll, an dem die geheimsten Wünsche in Erfüllung gehen.

Do, 19.03.2026 · 20:30
FITZCARRALDO (OmU)
Der exzentrische Brian Sweeney Fitzcarraldo ist von der Idee besessen, mitten im unberührten Amazonas-Dschungel ein großes Opernhaus zu bauen. Um gefährliche Stromschnellen zu umgehen, entwickelt er einen waghalsigen Plan: Ein alter Flussdampfer soll von Hunderten Indigenen über einen Urwaldhügel transportiert werden.

So, 22.03.2026 · 16:00 / 20:00
2 Jahre Heimkino – Jubiläums-Special (OV)
16:00 SUPERBAD (OV)
20:00 PULP FICTION (OV)
Zwischen den Filmen gibt’s vergünstigte Burger von Freddy Schilling direkt am Kino: Big Kahuna oder Royal mit Käse – als Tarantino-Warm-up vor dem Abendfilm.

Mi, 25.03.2026 · 20:00
SORCERER (OmU)
Nach einem Brand auf einem südamerikanischen Ölfeld wird Nitroglyzerin benötigt. Vier Männer wittern ihre Chance auf einen Neuanfang und übernehmen den Transport – eine lange Fahrt durch den Dschungel, die sich in einen gnadenlosen Überlebenskampf verwandelt.


Titelbild: (c) Werner Busch
Galeriebilder: (c) Heimkino

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