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Tüpisch Türkisch Nr. 20: Köln schaut auf das neue unabhängige Kino aus der Türkei

In ihrer 20. Ausgabe präsentiert die Filmreihe Tüpisch Türkisch vom 26. bis 29. März aktuelles unabhängiges Kino aus der Türkei – mit international ausgezeichneten Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Gesprächen mit Filmschaffenden. Viele Werke kreisen um komplexe Vater-Sohn-Beziehungen und schwierige Lebensrealitäten; kurdische und armenische Perspektiven prägen das Programm zusätzlich.

Von Werner Busch.


Seit 2006 ist „Tüpisch Türkisch“ eine verlässliche Adresse für alle, die das türkische Kino nicht auf die großen, ohnehin sichtbaren Titel reduzieren wollen. Die 20. Ausgabe setzt genau hier an: Sie bündelt Festivalentdeckungen, unabhängige Produktionen und auch Arbeiten aus der Diaspora – und zeigt ein Kino, das Gegenwart nicht erklärt, sondern erfahrbar macht. Das wirkt manchmal unspektakulär in den Gesten, aber hartnäckig in den Themen: Familie, Fürsorge, Schuld, sozialer Druck, politische Schikanen, Identität.

Auffällig ist diesmal die Häufung von Vater-Sohn-Konstellationen – weniger als klassisches Familiendrama, eher als Brennglas für Lebensrealitäten, in denen Verantwortung schnell zur Überforderung wird. In „Empire of the Rabbits“ (Seyfettin Tokmak) kippt eine prekäre Alltagssituation ins Märchenhaft-Poetische: Ein Vater versucht, mit einem Gutachten für den Sohn über die Runden zu kommen – der Nachwuchs soll die körperliche Behinderung eines gleichaltrigen nachahmen. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft. In „When the Walnut Leaves Turn Yellow“ (Mehmet Ali Konar) wird ein kurdischer Dorfvorsteher zwischen Pflicht, Krankheit und äußeren Zumutungen sichtbar; der Sohn ist stets an seiner Seite, ohne zu wissen, wie knapp die Zeit wirklich geworden ist.

Daneben stehen Filme, die den inneren Zustand einer Gesellschaft über Räume und Stimmungen erzählen. „New Dawn Fades“ (Gürcan Keltek) wirkt wie ein hypnotischer Gang durch Geschichte, Mythologie und Gegenwart: eine Großstadt als Trance, in der sich religiöse Architektur, alte Kultstätten und dunkle Einflüsterungen ineinanderschieben. Und „One of Those Days When Hemme Dies“ (Murat Fıratoğlu) beginnt als harte Arbeit in der Hitze und entwickelt sich – über einen Tag voller Pannen, Frust und Entscheidungen – zu einem kleinen, bitteren Porträt von Würde und Wut.

Tüpisch Türkisch denkt das Kino aber nicht nur als „Programm“, sondern auch als Gesprächsanlass. In einzelnen Veranstaltungen sind Begegnungen mit Gästen bzw. ein Gesprächsformat vorgesehen – sinnvoll gerade bei Filmen, die von Regionen, Sprachen und Erfahrungen erzählen, die im Kölner Alltag nicht selbstverständlich präsent sind. So wird aus der Reihe mehr als eine Werkschau: ein zeitlich verdichteter Blick auf ein Land, seine Diaspora und die Bilder, die daraus entstehen.

Kurzüberblick Termine und Filme

Do, 26.03.2026 | 19 Uhr
One of Those Days When Hemme Dies (Hemme’nin öldüğü günlerden biri)

Fr, 27.03.2026
19 Uhr | Empire of the Rabbits (Tavşan İmparatorluğu)
21 Uhr | New Dawn Fades (Yeni Şafak Solarken)

Sa, 28.03.2026
18 Uhr | When the Walnut Leaves Turn Yellow (Demo ke pelê gozan benî zer)

So, 29.03.2026
14.30 Uhr | Spurensuche – Zwei Dokumentarfilme
17.30 Uhr | Sound Dreams of Istanbul (mit Gespräch/Zoom-Gespräch)
19.30 Uhr | The Things You Kill (Öldürdüğün Şeyler)


Tickets

www.tuepisch-tuerkisch.de

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