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Filmkritik: Köln 75

Ein ungewöhnlicher und sehenswerter Film über das legendäre „The Köln Concert“ von Keith Jarrett mit einer herausragenden Mala Emde in der Hauptrolle. Aber eigentlich ist es das schon nicht richtig, denn weder wird das Konzert gezeigt, noch ist es Teil des Soundtracks. Hervorragende Musik gibt es trotzdem.

Von Andreas Füser


Köln 75 erzählt die Geschichte der Frau, die das Konzert möglich gemacht hat: Vera Brandes, gespielt von Mala Ende. Sie fängt 1973 als 16-Jährige an, Jazz-Konzerte zu organisieren und hat die Idee, die Kölner Oper anzumieten, um dort Keith Jarrett spielen zu lasen, nachdem sie ihn in Berlin gesehen hat. Wir wissen alle, wie die Geschichte ausgeht, das Doppelalbum „The Köln Concert“ ist das bis heute meistverkaufte Jazz-Soloalbum aller Zeit und das, obwohl Keith Jarrett den Mitschnitt eigentlich nicht wollte und auch nur schwer dazu gebracht wurde, überhaupt an dem Abend zu spielen.

So bringt der Film einem vor allem Vera Brandes und die Zeit der frühen 70er-Jahre näher, zunächst ausgehend von ihrem 50. Geburtstag. Der Anfang des Film ist überraschend und innovativ, der Geburtstag, Konfrontation mit dem autoritären Vater (Ulrich Tukur) – dann Stop und Schnitt – Neuer Anfang – wieder ein Schnitt – ein anderer Anfang, kurze Infos zu (gescheiterten) Aufnahmen, zu Jazzkonzerten und dann neuer Anfang. Wir erleben die 16-jährige Vera Brandes mit ihren ersten Versuchen, eine Jazz-Tour zu organisieren und das in einem 1973, geprägt durch die kleinbürgerliche Gesellschaft und die Auflehnung der jungen Generation – verkörpert durch den Konflikt zwischen Vera Brandes und ihrem Vater.

Das in dem Film keine Musik des Köln-Concert vorkommt – geschenkt. Es gibt jede Menge hervorragende Musik, u. a. von Bands wie Can, Neu! oder Floh de Cologne. Der Film scheint auch tatsächlich in der Kölner Oper gedreht worden zu sein, aber das ist ein Verdienst des Filmteams. Die Oper hat man in Lodz gefunden.

Erst spät im Film taucht Keith Jarrett auf. Obwohl man ja weiß, dass er letztendlich gespielt hat, ist die Geschichte, wie Vera Brandes als jetzt 18-Jährige ihn trotz aller Hindernisse dazu überzeugt, spannend erzählt und keine Sekunde langweilig. Als Erzähler dient in dem Film ein fiktiver Journalist (Michael Chernus), der für ein (amerikanisches) Jazzmagazin Keith Jarrett interviewen will. Diese Figur erklärt, verdeutlicht und hält den Film mit seinen vielfältigen Aspekten, Nebengeschichten und puzzleartigen Elementen zusammen.

Schlussendlich hat Vera Brandes Erfolg gehabt und der Abend ist der Startschuss ihrer Karriere als Konzertmanagerin.

Hat man dann die wahre Geschichte erfahren? Vera Brandes, die beim Film involviert war, sagte anlässlich der Premiere in Köln, dass es die bessere Variante der Wahrheit sei. Es ist eben eine Interpretation der Geschehnisse.

Und wer sich noch mehr für das Köln Concert interessiert: Das „Keith Jarrett Tribute Konzert“ des WDR wird am 9. Mai auf WDR 3 ausgestrahlt und dort gibt es bereits jetzt ein Feature über Keith Jarretts „Köln Concert“.

Köln 75 startet am Donnerstag, 13. März 2025 in den Kinos und wird in Köln zunächst in folgenden Kinos zu sehen sein:

  • Cinenova
  • Filmpalette
  • Odeon
  • Rex am Ring
  • Weisshaus

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