Elfriede Jelinek ist auf der aktuellen Berlinale gleich mehrfach präsent: als literarische Ideengeberin und als Koautorin. Caroline Kox aktualisiert in „Liebhaberinnen“ Jelineks bitter-sarkastische Geschlechter- und Klassenanalyse fürs Kino und bringt den Film mit starker Kölner Beteiligung ins Forum. Und Ulrike Ottinger verleiht der Autorin in „Die Blutgräfin“ eine neue, überraschend komische Stimme – flankiert von weiteren Berlinale-Beiträgen mit Kölner Duftnote und einer historisch spannenden Restaurierung im Forum Expanded.
Von Frank Olbert.
Elfriede Jelinek, die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2004, spielt auf der aktuellen Berlinale auch im Alter von fast 80 Jahren noch als Ideengeberin für den Film eine wichtige Rolle. Das ist kein Wunder, denn dem Medium hat sich Jelinek bereits in frühen Jahren genähert, etwa mit dem Drehbuchprojekt zu „Die Ausgesperrten“. Als Theaterautorin ist sie ohnehin eine der meistgespielten Dramatikerinnen der Gegenwart, und auch das Hörspiel hat ihr viel zu verdanken – lauter Dienste an den darstellenden Gattungen mithin, die im Februar also in Berlin eine Fortsetzung finden.
„Die Liebhaberinnen“
Mit „Die Liebhaberinnen“ hat sich die Kölner Filmemacherin Caroline Kox einen kompletten Roman zur Vorlage genommen, um die Geschichte um Brigitte und Paula mit Johanna Wokalek und Hannah Schiller in den Hauptrollen fürs Kino zu realisieren und zu aktualisieren. Coin-Film aus Köln hat den Film produziert, beteiligt waren ebenfalls die bildundtonfbarik sowie die MMC-Studios; ifs-Alumnus Jascha Viel war als Mischtonmeister Teil des Teams.
Es geht um den Marktwert des Weiblichen und darum, wie er zum Aufstieg in der Gesellschaft genutzt wird, sofern er nicht rapide schwindet. Nicht allein die Frauen sind in dieser ebenso sarkastischen wie tieftraurigen Satire befangen in einer Geschlechterökonomie, die sich immer zu ihren Ungunsten auswirkt – auch die Männer agieren als Mischung aus Potenzprotz und armem Würstchen als Diener des gesellschaftlichen Nutzens, selbst wenn sie auf der Gewinnerseite stehen: „wenn einer ein schicksal hat, ist es ein mann. wenn einer eine schicksal bekommt, ist es eine frau.“ „Liebhaberinnen“ – der Film verzichtet auf den bestimmten Artikel im Gegensatz zum Roman – läuft im Berlinale Forum.
„Die Blutgräfin“
In Ulrike Ottingers neuem Film wirkte Elfriede Jelinek gleich als Koautorin beim Drehbuch mit. „Die Blutgräfin“ ist genau das, was der Titel verspricht, nämlich eine Vampirgeschichte, deren Titelheldin in Wien erwacht und nicht allein von der Polizei, sondern auch von einem aus der Art geschlagenen Familienmitglied verfolgt wird – einem vegetarischen Neffen. Elfriede Jelinek hat die Dialoge für diese Komödie der renommierten Filmemacherin beigesteuert, die von der Kölner Heimatfilm mitproduziert wurde. Vorbild für den Film ist die verbürgte Biografie der ungarischen Adligen Elisabeth Bárthory, die 1611 als Mörderin und „Blutgräfin“ hingerichtet wurde und bereits des Öfteren als Vorbild für künstlerische Weiterverarbeitungen diente – zum Beispiel für eine Novelle von Leopold von Sacher-Masoch. Ottingers „Die Blutgräfin“ läuft in der Berlinale Special Gala.
Weitere „Köln-Filme“ in Berlin
Es laufen weitere Filme mit Kölner Duftnote auf der Berlinale, ebenfalls in der Special Gala die augenschein-Produktion „The Weight“ von Padraic McKinley. An diesem Film war ifs-Alumnus Jan Pfitzner als DI Digital Intermediate Supervisor beteiligt, ebenso wie ifs-Alumna Cora Pratz für das Szenenbild. Cora Pratz ist darüber hinaus Gesprächsgast des Panels „Controlled Chaos: The Production Design Process“ der Reihe Berlinale Talents Talk. Bettina Brokempers Heimatfilm hat außerdem „The Education of Jane Cumming“ von Sophie Heldman produziert und zeigt den Film im Panorama. In dieser Sektion laufen auch der Dokumentarfilm „Two Mountains Weighing Down My Chest“ von Viv Li (Corso Film) unter Beteilung des ifs-Alumnus Christoph Bargfrede (Montage) sowie „Narciso“ von Marcello Martinessi (Pandora Film).
Historisch bedeutsam ist die Vorführung einer restaurierten Fassung von „Exprmntl 4 Knokke“ von Claudia von Alemann und Reinold E. Thiel. Der Dokumentarfilm entstand 1968 im Zusammenhang mit dem vierten Experimentalfilmfestival im belgischen Seebad Knokke, wobei Alemann und Thiel nicht allein Ausschnitte aus den Beiträgen zeigen, sondern auch jenseits der Leinwand dem Zeitgeist auf der Spur sind. Ein großartiger, wilder Ritt durch den 68er-Wahnsinn mit jeder Menge Happenings und Protestaktionen, der in einer digitalen Restaurierung des Arsenal Filminstitut gezeigt wird. „Exprmntl 4 Knokke“ läuft im Forum Expanded.
Elfriede Jelinek ist auf der aktuellen Berlinale gleich mehrfach präsent: als literarische Ideengeberin und als Koautorin. Caroline Kox aktualisiert in „Liebhaberinnen“ Jelineks bitter-sarkastische Geschlechter- und Klassenanalyse fürs Kino und bringt den Film mit starker Kölner Beteiligung ins Forum. Und Ulrike Ottinger verleiht der Autorin in „Die Blutgräfin“ eine neue, überraschend komische Stimme – flankiert von weiteren Berlinale-Beiträgen mit Kölner Duftnote und einer historisch spannenden Restaurierung im Forum Expanded.
Von Frank Olbert.
Elfriede Jelinek, die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2004, spielt auf der aktuellen Berlinale auch im Alter von fast 80 Jahren noch als Ideengeberin für den Film eine wichtige Rolle. Das ist kein Wunder, denn dem Medium hat sich Jelinek bereits in frühen Jahren genähert, etwa mit dem Drehbuchprojekt zu „Die Ausgesperrten“. Als Theaterautorin ist sie ohnehin eine der meistgespielten Dramatikerinnen der Gegenwart, und auch das Hörspiel hat ihr viel zu verdanken – lauter Dienste an den darstellenden Gattungen mithin, die im Februar also in Berlin eine Fortsetzung finden.
„Die Liebhaberinnen“
Mit „Die Liebhaberinnen“ hat sich die Kölner Filmemacherin Caroline Kox einen kompletten Roman zur Vorlage genommen, um die Geschichte um Brigitte und Paula mit Johanna Wokalek und Hannah Schiller in den Hauptrollen fürs Kino zu realisieren und zu aktualisieren. Coin-Film aus Köln hat den Film produziert, beteiligt waren ebenfalls die bildundtonfbarik sowie die MMC-Studios; ifs-Alumnus Jascha Viel war als Mischtonmeister Teil des Teams.
Es geht um den Marktwert des Weiblichen und darum, wie er zum Aufstieg in der Gesellschaft genutzt wird, sofern er nicht rapide schwindet. Nicht allein die Frauen sind in dieser ebenso sarkastischen wie tieftraurigen Satire befangen in einer Geschlechterökonomie, die sich immer zu ihren Ungunsten auswirkt – auch die Männer agieren als Mischung aus Potenzprotz und armem Würstchen als Diener des gesellschaftlichen Nutzens, selbst wenn sie auf der Gewinnerseite stehen: „wenn einer ein schicksal hat, ist es ein mann. wenn einer eine schicksal bekommt, ist es eine frau.“ „Liebhaberinnen“ – der Film verzichtet auf den bestimmten Artikel im Gegensatz zum Roman – läuft im Berlinale Forum.
„Die Blutgräfin“
In Ulrike Ottingers neuem Film wirkte Elfriede Jelinek gleich als Koautorin beim Drehbuch mit. „Die Blutgräfin“ ist genau das, was der Titel verspricht, nämlich eine Vampirgeschichte, deren Titelheldin in Wien erwacht und nicht allein von der Polizei, sondern auch von einem aus der Art geschlagenen Familienmitglied verfolgt wird – einem vegetarischen Neffen. Elfriede Jelinek hat die Dialoge für diese Komödie der renommierten Filmemacherin beigesteuert, die von der Kölner Heimatfilm mitproduziert wurde. Vorbild für den Film ist die verbürgte Biografie der ungarischen Adligen Elisabeth Bárthory, die 1611 als Mörderin und „Blutgräfin“ hingerichtet wurde und bereits des Öfteren als Vorbild für künstlerische Weiterverarbeitungen diente – zum Beispiel für eine Novelle von Leopold von Sacher-Masoch. Ottingers „Die Blutgräfin“ läuft in der Berlinale Special Gala.
Weitere „Köln-Filme“ in Berlin
Es laufen weitere Filme mit Kölner Duftnote auf der Berlinale, ebenfalls in der Special Gala die augenschein-Produktion „The Weight“ von Padraic McKinley. An diesem Film war ifs-Alumnus Jan Pfitzner als DI Digital Intermediate Supervisor beteiligt, ebenso wie ifs-Alumna Cora Pratz für das Szenenbild. Cora Pratz ist darüber hinaus Gesprächsgast des Panels „Controlled Chaos: The Production Design Process“ der Reihe Berlinale Talents Talk. Bettina Brokempers Heimatfilm hat außerdem „The Education of Jane Cumming“ von Sophie Heldman produziert und zeigt den Film im Panorama. In dieser Sektion laufen auch der Dokumentarfilm „Two Mountains Weighing Down My Chest“ von Viv Li (Corso Film) unter Beteilung des ifs-Alumnus Christoph Bargfrede (Montage) sowie „Narciso“ von Marcello Martinessi (Pandora Film).
Historisch bedeutsam ist die Vorführung einer restaurierten Fassung von „Exprmntl 4 Knokke“ von Claudia von Alemann und Reinold E. Thiel. Der Dokumentarfilm entstand 1968 im Zusammenhang mit dem vierten Experimentalfilmfestival im belgischen Seebad Knokke, wobei Alemann und Thiel nicht allein Ausschnitte aus den Beiträgen zeigen, sondern auch jenseits der Leinwand dem Zeitgeist auf der Spur sind. Ein großartiger, wilder Ritt durch den 68er-Wahnsinn mit jeder Menge Happenings und Protestaktionen, der in einer digitalen Restaurierung des Arsenal Filminstitut gezeigt wird. „Exprmntl 4 Knokke“ läuft im Forum Expanded.