Filmszene Aktuell

Japan abseits der Metropolen: Filmreihe mit freiem Eintritt

Hokkaido ist mehr als Postkartenwinter und spektakuläre Natur: In einer Filmreihe zeigt das Japanisches Kulturinstitut Köln Geschichten, die in Japans nördlichster Region verwurzelt sind – mit Blick auf Beziehungen, soziale Realität und kulturelle Kontinuität.

Von Werner Busch


Wer sich für Japan interessiert, landet im Kino schnell in Tokio, Osaka oder Kyoto – die neue Filmreihe im Japanischen Kulturinstitut lenkt den Blick bewusst an einen anderen Ort: nach Hokkaido. Die nördlichste Präfektur Japans – berühmt für weite Ebenen, Küsten, Schnee und eine spektakuläre Tier- und Pflanzenwelt. Genau diese Mischung aus Topografie, Klima und kultureller Eigenart macht die Insel seit Jahrzehnten zu einem besonderen Drehort: Filme wirken hier oft „erdiger“, offener, manchmal auch rauer als im urbanen Honshu-Kino. Die Reihe setzt nicht auf touristische Postkartenmotive, sondern auf Figuren und Beziehungen, die eng mit ihrem Umfeld verwoben sind.

Den Auftakt macht „Die Kameliendame (Tsubakihime)“, gedreht auf 16mm: Eine Liebesgeschichte, die sich bewusst an Oper und Melodram anlehnt, aber in Hokkaidos Alltagsräumen verankert ist – zwischen Taxi, Gesang und einer Sehnsucht, die viel mit Projektionen zu tun hat. Dass der Film auf analogem Material gezeigt wird, ist hier mehr als Nostalgie: Korn, Licht und Körperlichkeit passen erstaunlich gut zu diesem emotionalen Kino, das seine Figuren nicht ironisiert, sondern ernst nimmt.

Ganz anders „Schule II (Gakkô II)“: ein Film über eine Gemeinschaft, die sich über Jahre bildet, über Nähe und Distanz, über Verantwortung – und darüber, wie sich Beziehungen verändern, wenn Menschen (und Generationen) miteinander „lernen“, ohne dass es dafür einfache Formeln gibt. Als Kontrastprogramm zum Melodram ist das ein präziser Blick auf soziale Räume: Das Klassenzimmer wird zur Welt im Kleinen.

Mit „Ainu Puri“ kommt die Gegenwart ins Spiel – und ein Thema, das Hokkaido unverwechselbar macht: die Kultur der Ainu. Die Dokumentation begleitet Menschen, die Traditionen im Alltag bewahren, weitergeben und neu verhandeln. Der Film schaut dabei weniger „von außen“ auf Folklore, sondern auf Praxis: Wie leben Menschen heute mit ihren Wurzeln, und wie wird Identität im Alltag sichtbar? So entsteht ein leiser, konzentrierter Film, der Hokkaido nicht als Kulisse benutzt, sondern als Raum, in dem Geschichte und Gegenwart gleichzeitig spürbar sind.

Alle Termine sind bei freiem Eintritt im Japanischen Kulturinstitut Köln zu sehen.

Programmübersicht

  • Mo, 02.02.2026 · 18:30 — Die Kameliendame (椿姫 Tsubakihime)
  • Do, 05.02.2026 · 18:30 — Schule II (学校Ⅱ Gakkô ni)
  • Mo, 09.02.2026 · 18:30 — Ainu Puri (アイヌプリ Ainu Puri)
  • Di, 10.02.2026 · 18:30 — Kapiw and Apappo – A Tale of Ainu Sisters (kapiwとapappo ― アイヌの姉妹の物語)
  • Do, 19.02.2026 · 18:30 — Die Kameliendame (椿姫 Tsubakihime)
  • Sa, 21.02.2026 · 14:30 — Schule II (学校Ⅱ Gakkô ni)
  • Sa, 28.02.2026 · 14:30 — Ainu Puri (アイヌプリ Ainu Puri)

Ort: Japanisches Kulturinstitut Köln, Universitätsstraße 98, 50674 Köln – Eintritt frei

Foto: Schule II (学校Ⅱ). © SHOCHIKU

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