Wie weit würdest du gehen, um berühmt zu werden? Mit Scorseses „The King of Comedy“ startet der Cologne Film Club seine neue, öffentliche Kinoreihe in den Lichtspielen Kalk – und bringt damit eine internationale, englischsprachige Film-Community ins Programm des Kölner Arthouse-Kinos. Formiert hat sich der Club in den letzten Monaten mit Privatscreenings in der Traumathek, die auch weitergehen. Ein Porträt.
Von Werner Busch.
Ab und zu mietet der Autor dieser Zeilen das Studio Argento in der Traumathek, um mit seinen Freunden Filme zu schauen. Was bei der Terminfindung in den letzten Monaten zunehmend auffiel: Ein gewisser Cologne Film Club hatte sich bereits einige der begehrten Termine gesichert und veranstaltet nun auch erstmals öffentliche Filmvorführungen in den Lichtspielen Kalk. Wir fragten uns: Wer sind die Neuen in der Filmszene Köln und haben die beiden Gründer des Cologne Film Club getroffen.
Alex Griffith & Raphael Semmet, Foto: David Königsman
Was als kleiner Kreis begonnen hat, soll jetzt auch im Kino sichtbar werden: Der 𝐂𝐨𝐥𝐨𝐠𝐧𝐞 𝐅𝐢𝐥𝐦 𝐂𝐥𝐮𝐛 – gegründet und moderiert von Alex Griffith und Raphael Semmet – wächst aus dem Privaten ins Öffentliche. „Alex hat 2021 angefangen, Kinoabende auf englisch bei sich zu organisieren“, erzählen die beiden. „Am Anfang fanden diese in Alex’ Wohnzimmer statt – nur mit seinem Beamer und sechs bis sieben Leuten.“ Unter den ersten Gästen: Raphael und Menschen, die bis heute aktiv dabei sind. Mit dem Ende der Pandemie-Beschränkungen sei das Interesse stark angestiegen – und das Grundbedürfnis, wieder unter Leute zu kommen, habe die Treffen zu einem sozialen Fixpunkt gemacht. Wodurch ganz neue, cinephile Freundschaften entstanden sind und sich der Filmclub langsam formierte.
2023 wurde Raphael offiziell „Co-Host“ – und mit dem Wachstum kam der nächste Schritt. „Durch die gestiegene Nachfrage haben wir im September 2022 angefangen, uns in der Traumathek zu treffen, die in ihrem kleinen Ladenkino, dem Studio Argento, immerhin schon Platz für bis zu 30 Film-Enthusiast:innen bot. Der Ort ermöglicht eine heimelige Atmosphäre zum Filmeschauen und auch Gelegenheit, danach zu diskutieren.
Nun kommt eine neue Ebene dazu: 𝐞𝐢𝐧𝐦𝐚𝐥 𝐢𝐦 𝐌𝐨𝐧𝐚𝐭 𝐫𝐚𝐮𝐬 𝐚𝐮𝐟 𝐝𝐢𝐞 𝐠𝐫𝐨ß𝐞 𝐋𝐞𝐢𝐧𝐰𝐚𝐧𝐝 – mit öffentlichen Screenings in den Lichtspielen Kalk. Den Auftakt setzt ein Film, der heute fast unheimlich aktuell wirkt: „The King of Comedy“ von Martin Scorsese. In der bitterkomischen Geschichte will Rupert Pupkin (Robert De Niro) unbedingt berühmt werden – und klammert sich an sein Ziel mit einer Mischung aus Größenwahn, Verzweiflung und erschreckender Konsequenz. Der Club nennt den Film „an underrated gem“: scharf beobachtet, witzig, traurig – und „prescient about our celebrity-obsessed culture“.
Dass sich der Cologne Film Club in seiner Filmauswahl nicht in eine Schublade bringen lässt, gehört zur Programmidee. „Wir setzen uns wenig Grenzen“, sagen Alex und Raphael. Das Spektrum reicht „von Klassikern über Arthouse-Perlen bis hin zu kultigen Trashfilmen“. Dazu kommen kuratierte Reihen als Spielwiese: „World Cinema“, „Director’s Origin“ – und besonders beliebt: „𝐓𝐡𝐞 𝐎𝐯𝐞𝐫𝐥𝐨𝐨𝐤𝐞𝐝 𝐇𝐨𝐭𝐞𝐥“, in dem „in Ungnade gefallene Filme“ auf den Prüfstand kommen: „…in oft hitzigen Diskussionen sprechen wir darüber, ob der Film bleiben darf oder rausgeschmissen wird.“ Wichtig ist ihnen aber auch der Blick hinter die Faszination: „Neben all dem Spaß gehört es bei uns aber auch dazu über politische Themen und die Schattenseiten der Filmindustrie zu sprechen.“
Diese Mischung passt zu einer Community, die sich bewusst international versteht. Weil die Veranstaltungen auf Englisch laufen, kommen Mitglieder aus vielen unterschiedlichen Ländern, wie z. B. Brasilien und Indien – und die Filmauswahl wird dadurch breiter, überraschender, weniger erwartbar. Manchmal entscheidet sogar die Gruppe: „Zu Halloween durfte jedes Mitglied einen Horrorfilm einreichen, anschließend haben wir alle abgestimmt.“ Und im März soll es eine eigene Oscar-Spielwiese geben, bei der Mitglieder ihre Kandidaten für „Best Picture“ vorschlagen.
Auch die Hintergründe der beiden Hosts erklären den Drive: Alex kommt aus Kanada, hat Regie an der NYU Tisch School of the Arts studiert und arbeitet seit Jahren als Editor in Deutschland. Raphael beschreibt sich als „richtiges TV-Kind“ – die Liebe zum Kino sei im Studium gewachsen; später habe er im Kino als Vorführer und in der Öffentlichkeitsarbeit gelernt, wichtige Erfahrungen als Moderator und Organisator mitzunehmen.
Kurz: Beim Cologne Film Club treffen filmische Praxis, Gastgeberlust und kuratorischer Spieltrieb aufeinander. Und ihr könnt dabei sein!
Kommende Screenings:
„𝐓𝐡𝐞 𝐊𝐢𝐧𝐠 𝐨𝐟 𝐂𝐨𝐦𝐞𝐝𝐲“ (1982, R: Martin Scorsese) Di, 24. Februar | 19 Uhr | Lichtspiele Kalk
„𝐒𝐩𝐞𝐞𝐝 𝐑𝐚𝐜𝐞𝐫“ (2008, R: The Wachowskis) Di, 24. März | 19 Uhr
Wie weit würdest du gehen, um berühmt zu werden? Mit Scorseses „The King of Comedy“ startet der Cologne Film Club seine neue, öffentliche Kinoreihe in den Lichtspielen Kalk – und bringt damit eine internationale, englischsprachige Film-Community ins Programm des Kölner Arthouse-Kinos. Formiert hat sich der Club in den letzten Monaten mit Privatscreenings in der Traumathek, die auch weitergehen. Ein Porträt.
Von Werner Busch.
Ab und zu mietet der Autor dieser Zeilen das Studio Argento in der Traumathek, um mit seinen Freunden Filme zu schauen. Was bei der Terminfindung in den letzten Monaten zunehmend auffiel: Ein gewisser Cologne Film Club hatte sich bereits einige der begehrten Termine gesichert und veranstaltet nun auch erstmals öffentliche Filmvorführungen in den Lichtspielen Kalk. Wir fragten uns: Wer sind die Neuen in der Filmszene Köln und haben die beiden Gründer des Cologne Film Club getroffen.
Foto: David Königsman
Was als kleiner Kreis begonnen hat, soll jetzt auch im Kino sichtbar werden: Der 𝐂𝐨𝐥𝐨𝐠𝐧𝐞 𝐅𝐢𝐥𝐦 𝐂𝐥𝐮𝐛 – gegründet und moderiert von Alex Griffith und Raphael Semmet – wächst aus dem Privaten ins Öffentliche. „Alex hat 2021 angefangen, Kinoabende auf englisch bei sich zu organisieren“, erzählen die beiden. „Am Anfang fanden diese in Alex’ Wohnzimmer statt – nur mit seinem Beamer und sechs bis sieben Leuten.“ Unter den ersten Gästen: Raphael und Menschen, die bis heute aktiv dabei sind. Mit dem Ende der Pandemie-Beschränkungen sei das Interesse stark angestiegen – und das Grundbedürfnis, wieder unter Leute zu kommen, habe die Treffen zu einem sozialen Fixpunkt gemacht. Wodurch ganz neue, cinephile Freundschaften entstanden sind und sich der Filmclub langsam formierte.
2023 wurde Raphael offiziell „Co-Host“ – und mit dem Wachstum kam der nächste Schritt. „Durch die gestiegene Nachfrage haben wir im September 2022 angefangen, uns in der Traumathek zu treffen, die in ihrem kleinen Ladenkino, dem Studio Argento, immerhin schon Platz für bis zu 30 Film-Enthusiast:innen bot. Der Ort ermöglicht eine heimelige Atmosphäre zum Filmeschauen und auch Gelegenheit, danach zu diskutieren.
Nun kommt eine neue Ebene dazu: 𝐞𝐢𝐧𝐦𝐚𝐥 𝐢𝐦 𝐌𝐨𝐧𝐚𝐭 𝐫𝐚𝐮𝐬 𝐚𝐮𝐟 𝐝𝐢𝐞 𝐠𝐫𝐨ß𝐞 𝐋𝐞𝐢𝐧𝐰𝐚𝐧𝐝 – mit öffentlichen Screenings in den Lichtspielen Kalk. Den Auftakt setzt ein Film, der heute fast unheimlich aktuell wirkt: „The King of Comedy“ von Martin Scorsese. In der bitterkomischen Geschichte will Rupert Pupkin (Robert De Niro) unbedingt berühmt werden – und klammert sich an sein Ziel mit einer Mischung aus Größenwahn, Verzweiflung und erschreckender Konsequenz. Der Club nennt den Film „an underrated gem“: scharf beobachtet, witzig, traurig – und „prescient about our celebrity-obsessed culture“.
Dass sich der Cologne Film Club in seiner Filmauswahl nicht in eine Schublade bringen lässt, gehört zur Programmidee. „Wir setzen uns wenig Grenzen“, sagen Alex und Raphael. Das Spektrum reicht „von Klassikern über Arthouse-Perlen bis hin zu kultigen Trashfilmen“. Dazu kommen kuratierte Reihen als Spielwiese: „World Cinema“, „Director’s Origin“ – und besonders beliebt: „𝐓𝐡𝐞 𝐎𝐯𝐞𝐫𝐥𝐨𝐨𝐤𝐞𝐝 𝐇𝐨𝐭𝐞𝐥“, in dem „in Ungnade gefallene Filme“ auf den Prüfstand kommen: „…in oft hitzigen Diskussionen sprechen wir darüber, ob der Film bleiben darf oder rausgeschmissen wird.“ Wichtig ist ihnen aber auch der Blick hinter die Faszination: „Neben all dem Spaß gehört es bei uns aber auch dazu über politische Themen und die Schattenseiten der Filmindustrie zu sprechen.“
Diese Mischung passt zu einer Community, die sich bewusst international versteht. Weil die Veranstaltungen auf Englisch laufen, kommen Mitglieder aus vielen unterschiedlichen Ländern, wie z. B. Brasilien und Indien – und die Filmauswahl wird dadurch breiter, überraschender, weniger erwartbar. Manchmal entscheidet sogar die Gruppe: „Zu Halloween durfte jedes Mitglied einen Horrorfilm einreichen, anschließend haben wir alle abgestimmt.“ Und im März soll es eine eigene Oscar-Spielwiese geben, bei der Mitglieder ihre Kandidaten für „Best Picture“ vorschlagen.
Auch die Hintergründe der beiden Hosts erklären den Drive: Alex kommt aus Kanada, hat Regie an der NYU Tisch School of the Arts studiert und arbeitet seit Jahren als Editor in Deutschland. Raphael beschreibt sich als „richtiges TV-Kind“ – die Liebe zum Kino sei im Studium gewachsen; später habe er im Kino als Vorführer und in der Öffentlichkeitsarbeit gelernt, wichtige Erfahrungen als Moderator und Organisator mitzunehmen.
Kurz: Beim Cologne Film Club treffen filmische Praxis, Gastgeberlust und kuratorischer Spieltrieb aufeinander. Und ihr könnt dabei sein!
Kommende Screenings:
„𝐓𝐡𝐞 𝐊𝐢𝐧𝐠 𝐨𝐟 𝐂𝐨𝐦𝐞𝐝𝐲“ (1982, R: Martin Scorsese)
Di, 24. Februar | 19 Uhr | Lichtspiele Kalk
„𝐒𝐩𝐞𝐞𝐝 𝐑𝐚𝐜𝐞𝐫“ (2008, R: The Wachowskis)
Di, 24. März | 19 Uhr
Tickets & Kontakt:
Tickets Lichtspiele Kalk
Cologne Film Club (Instagram)
Fotos: David Königsman / Cologne Film Club