Vor 20 Jahren wurde im Museum Ludwig ein Kinosaal aus dem Dornröschenschlaf geholt – und aus einer jahrelang leer gebliebenen Leinwand wurde wieder ein Ort, an dem Köln Kino als Stadtgespräch erleben kann. Seit der Gründung des Filmforum NRW im Jahr 2006 steht hier ein Programm, das aus vielen Köpfen und Initiativen gespeist wird – und das zugleich einen zentralen Festivalstandort im Herzen der Stadt gesichert hat. Jetzt wird’s passend zum Jubiläum selbst zum Thema: Am 15. April startet die Filmgeschichten-Reihe „Das Fest – Feiern im Film“ mit Empfang und Auftaktfilm.
Von Frank Olbert.
Vor 20 Jahren beendete das Filmforum NRW einen Zustand, der nichts weniger als ein filmpolitischer Skandal war. Es war die Zeit, in der das große Kinosterben auch Köln und seiner Umgebung zusetzte: Repräsentative Kinos am Ring wie das Capitol gab es nicht mehr, das Residenz wurde gerade in ein Möbelhaus umgewandelt, in Bonn musste das Metropol am Marktplatz, eines der letzten bedeutenden deutschen Kinos im Art-Déco-Stil, einer Einkaufspassage weichen. In Köln stand derweil ein Saal in bester Lage und mit großer Tradition einfach leer. Das Kino im Museum Ludwig diente als Vortragsaal oder auch schon mal als Ort, an dem die MitarbeiterInnen des Museums ihre Betriebsversammlungen abhielten. Die Leinwand blieb an den allermeisten Tagen leer.
Das änderte sich an einem Freitagabend Ende Januar im Jahr 2006. Mit Reden, Klaviermusik und Phil Grabskys Film „In Search of Mozart“ öffnete das „Filmforum NRW“, das im Dezember 2005 im Sinne eines „Kiosk-Modells“ gegründet worden war: Die Mitglieder des Forum-Vereins, die Filmstiftung NRW, der WDR, die SK Stiftung Kultur, die Internationale Filmschule ifs, die Kunsthochschule für Medien, der Film- und Fernsehproduzenten-Verband NRW, KölnMusik, das Museum Ludwig und nicht zuletzt KinoAktiv als Zusammenschluss freier Kölner Filmgruppen, waren zugleich die Zuträger zum Programm. Auch Einzelinitiativen wie eine von dem Filmkritiker Daniel Kothenschulte initiierte und selbst am Klavier begleitete Stummfilmreihe gehörten dazu. Zusammengehalten wurde das Ganze von der ehemaligen Mitarbeiterin des Kölner Filmhauses Ester Rossenbach als „Projektkoordinatorin“, der 2020 Robert Birkel nachfolgte.
Die zuvor seit 2001 andauernde Filmpause im Ludwig hatte diverse Ursachen: Zum einen lief ein Nutzungsvertrag aus, den die bis dahin bestehende Cinemathek mit der Stadt Köln geschlossen hatte. Dieser Vertrag gestand dem Verein der Cinemathek bereits am alten Standort des Museums Ludwig An der Rechtsschule einen Saal zu, den sie auch beim Umzug des Hauses an den Dom wieder erhielt – die Vereinbarung war mehr oder weniger ein fauler Kompromiss, der kompensieren sollte, dass Köln über kein Kommunales Kino mit Etatsicherheit verfügt.
Mit dem Auslaufen des Vertrags gab der Verein der Cinemathek auf; im Anschluss konnten sich Stadt und Museum unter der Leitung seines damaligen Direktors Kasper König nicht einigen, wie der Saal mit 200 Plätzen weitergeführt werden sollte. Die Stadt fror ihren Zuschuss von 70 000 Deutschen Mark ein. Köln hatte sein filmhistorisches Gedächtnis verloren, das von der Cinemathek gepflegt worden war.
Es ist nicht zuletzt der politischen Initiative des einstigen Medienexperten der Landes-SPD, Marc Jan Eumann, im Verein mit dem damaligen Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach, zu verdanken, das nach Jahren des Stillstands die neuen Vereinsmitglieder zusammengetrommelt wurden, die bis heute das Filmforum NRW mit beachtlichem Erfolg betreiben. Seither gibt es nicht allein ein kontinuierliches Filmprogramm im Kino im Museum Ludwig – Köln besitzt mit der Wiederaufnahme seines Betriebs auch einen markanten Festival-Standort im Zentrum der Stadt. Jahr um Jahr finden hier wichtige Veranstaltungen wie das Afrika Film Festival oder Edimotion als Festival zur Würdigung für Filmschnitt und Montage statt. Grund genug also, dass das Filmforum NRW seiner Reihe Filmgeschichten in diesem Jahr den Titel „Das Fest – Feiern im Film“ verleiht.
Große Feier am 15. April
Jubiläumsabend und Empfang: Beim Hauptveranstaltungstag am 15. April findet ab 18 Uhr ein öffentlicher Empfang im Kinofoyer statt.
Anschließend ist um 19 Uhr zum Auftakt der Filmreihe die Screwball-Comedy „Die Schwester der Braut“ („Holiday“, 1938) zu sehen.
Begleitend zum Jubiläum präsentieren in diesem Jahr die Mitgliedsorganisationen des Filmforums eine eigene Filmreihe.
Vor 20 Jahren wurde im Museum Ludwig ein Kinosaal aus dem Dornröschenschlaf geholt – und aus einer jahrelang leer gebliebenen Leinwand wurde wieder ein Ort, an dem Köln Kino als Stadtgespräch erleben kann. Seit der Gründung des Filmforum NRW im Jahr 2006 steht hier ein Programm, das aus vielen Köpfen und Initiativen gespeist wird – und das zugleich einen zentralen Festivalstandort im Herzen der Stadt gesichert hat. Jetzt wird’s passend zum Jubiläum selbst zum Thema: Am 15. April startet die Filmgeschichten-Reihe „Das Fest – Feiern im Film“ mit Empfang und Auftaktfilm.
Von Frank Olbert.
Vor 20 Jahren beendete das Filmforum NRW einen Zustand, der nichts weniger als ein filmpolitischer Skandal war. Es war die Zeit, in der das große Kinosterben auch Köln und seiner Umgebung zusetzte: Repräsentative Kinos am Ring wie das Capitol gab es nicht mehr, das Residenz wurde gerade in ein Möbelhaus umgewandelt, in Bonn musste das Metropol am Marktplatz, eines der letzten bedeutenden deutschen Kinos im Art-Déco-Stil, einer Einkaufspassage weichen. In Köln stand derweil ein Saal in bester Lage und mit großer Tradition einfach leer. Das Kino im Museum Ludwig diente als Vortragsaal oder auch schon mal als Ort, an dem die MitarbeiterInnen des Museums ihre Betriebsversammlungen abhielten. Die Leinwand blieb an den allermeisten Tagen leer.
Das änderte sich an einem Freitagabend Ende Januar im Jahr 2006. Mit Reden, Klaviermusik und Phil Grabskys Film „In Search of Mozart“ öffnete das „Filmforum NRW“, das im Dezember 2005 im Sinne eines „Kiosk-Modells“ gegründet worden war: Die Mitglieder des Forum-Vereins, die Filmstiftung NRW, der WDR, die SK Stiftung Kultur, die Internationale Filmschule ifs, die Kunsthochschule für Medien, der Film- und Fernsehproduzenten-Verband NRW, KölnMusik, das Museum Ludwig und nicht zuletzt KinoAktiv als Zusammenschluss freier Kölner Filmgruppen, waren zugleich die Zuträger zum Programm. Auch Einzelinitiativen wie eine von dem Filmkritiker Daniel Kothenschulte initiierte und selbst am Klavier begleitete Stummfilmreihe gehörten dazu. Zusammengehalten wurde das Ganze von der ehemaligen Mitarbeiterin des Kölner Filmhauses Ester Rossenbach als „Projektkoordinatorin“, der 2020 Robert Birkel nachfolgte.
Die zuvor seit 2001 andauernde Filmpause im Ludwig hatte diverse Ursachen: Zum einen lief ein Nutzungsvertrag aus, den die bis dahin bestehende Cinemathek mit der Stadt Köln geschlossen hatte. Dieser Vertrag gestand dem Verein der Cinemathek bereits am alten Standort des Museums Ludwig An der Rechtsschule einen Saal zu, den sie auch beim Umzug des Hauses an den Dom wieder erhielt – die Vereinbarung war mehr oder weniger ein fauler Kompromiss, der kompensieren sollte, dass Köln über kein Kommunales Kino mit Etatsicherheit verfügt.
Mit dem Auslaufen des Vertrags gab der Verein der Cinemathek auf; im Anschluss konnten sich Stadt und Museum unter der Leitung seines damaligen Direktors Kasper König nicht einigen, wie der Saal mit 200 Plätzen weitergeführt werden sollte. Die Stadt fror ihren Zuschuss von 70 000 Deutschen Mark ein. Köln hatte sein filmhistorisches Gedächtnis verloren, das von der Cinemathek gepflegt worden war.
Es ist nicht zuletzt der politischen Initiative des einstigen Medienexperten der Landes-SPD, Marc Jan Eumann, im Verein mit dem damaligen Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach, zu verdanken, das nach Jahren des Stillstands die neuen Vereinsmitglieder zusammengetrommelt wurden, die bis heute das Filmforum NRW mit beachtlichem Erfolg betreiben. Seither gibt es nicht allein ein kontinuierliches Filmprogramm im Kino im Museum Ludwig – Köln besitzt mit der Wiederaufnahme seines Betriebs auch einen markanten Festival-Standort im Zentrum der Stadt. Jahr um Jahr finden hier wichtige Veranstaltungen wie das Afrika Film Festival oder Edimotion als Festival zur Würdigung für Filmschnitt und Montage statt. Grund genug also, dass das Filmforum NRW seiner Reihe Filmgeschichten in diesem Jahr den Titel „Das Fest – Feiern im Film“ verleiht.
Große Feier am 15. April
Jubiläumsabend und Empfang: Beim Hauptveranstaltungstag am 15. April findet ab 18 Uhr ein öffentlicher Empfang im Kinofoyer statt.
Anschließend ist um 19 Uhr zum Auftakt der Filmreihe die Screwball-Comedy „Die Schwester der Braut“ („Holiday“, 1938) zu sehen.
Begleitend zum Jubiläum präsentieren in diesem Jahr die Mitgliedsorganisationen des Filmforums eine eigene Filmreihe.
Fotos: Filmforum NRW / Dörthe Boxberg