Filmszene Aktuell

„Festivals sind das A und O“ – Robert Birkel leitet das Filmforum NRW

Zum 20-jährigen Jubiläum blickt Filmforum-Leiter Robert Birkel im Gespräch auf das zurück, was den Saal im Museum Ludwig heute ausmacht: ein gewachsenes Stammpublikum, kuratorische Freiheit – und vor allem Festivals, die das Haus über Wochen hinweg in einen lebendigen Treffpunkt verwandeln. Zwischen Stummfilmklavier, 35mm-Programm, internationalen Reihen und punktuell bewusst populären Events beschreibt Birkel das Filmforum als Ort, an dem Köln Filmkultur in ihrer ganzen Bandbreite erleben kann – vom Raritätenfund bis zum ausverkauften Publikumsmagneten.

Von Frank Olbert.


Robert, hat das Filmforum NRW sich im Lauf seiner 20jährigen Geschichte eine Art Stammpublikum erschlossen?

Robert Birkel: Das würde ich sagen. Wir haben zum einen unsere Mitglieder, die Film- und Medienstiftung NRW, den WDR, die Internationale Filmschule ifs und die Kunsthochschule für Medien, und die Stadt Köln selber, das Museum Ludwig, die Philharmonie und KinoAktiv, die alle das Programm des Filmforum mitgestalten, auch Festivals veranstalten oder Filmreihen wie die „ifs Begegnungen“ realisieren. Auf der anderen Seite hängt es von den Filmen oder den Veranstaltungen ab, welche Besucher und Besucherinnen kommen.

Da hast du auch selbst Gestaltungsspielraum, oder?

Ja, im vergangenen Jahr zum Beispiel haben wir ein Sommerkino veranstaltet, „Five Days Of Summer“, und da sah man deutlich, wie viele filminteressierte Leute es in Köln gibt, die alle ihre Kanäle haben und mitbekommen, wo wann was los ist. Ich habe mir schon auch Freiräume erarbeitet, weil mir die Mitglieder vertrauen, dass die Filme, die ich aussuche, das Publikum interessieren – auch in der Reihe „Filmgeschichten“, die ich mitkuratiere. In der Hauptsache aber sind wir ein Kino und ein Ort, die angemietet werden, von Festivals, von Filmveranstaltern jeder Art.

Versuchst du, auch neues, vielleicht jüngeres Publikum anzusprechen?

Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel mit den YouTubern von „Cinema Strikes Back“ zusammengearbeitet, die ich auf einem Festival kennen gelernt hatte. Das sind fünf Leute aus Köln, und als wir deren Events hier im Filmforum NRW gezeigt haben – eins davon erstreckte sich über drei Tage -, konnten wir einen deutlichen Zuwachs an jungem Publikum feststellen. Die haben halt fast 400 000 Follower und haben das auf ihrem Kanal beworben, und so kam nicht allein Publikum aus Köln, sondern aus ganz Deutschland. Ich find’s immer toll, wenn hier was los ist. In diesem Fall konnten wir kulturellen Anspruch mit kommerziellem Erfolg verbinden und haben vielleicht sogar unser Publikum dauerhaft ein bisschen vergrößert.

Darüber hinaus ist das Filmforum ein essentiell wichtiger Ort für Köln in Sachen Festivals. Welche sind das zum Beispiel?

Ich würde sogar sagen, dass Festivals das A und O des Filmforums sind. Zum Beispiel wird hier mit dem Afrika Filmfestival unser größtes Festival über elf Tage hinweg mit internationalen Gästen veranstaltet. Wir haben Edimotion, das Festival für Schnitt und Montagekunst, das sehr begehrt ist. Es gibt das Kurzfilmfestival Köln, dann das Junge Filmfestival/Cinepänz. Das alles findet zwischen September und November statt, und ich finde, das ist die schönste Zeit, wenn hier jeden Tag was los ist, nicht allein im Kinosaal, sondern auch draußen im Foyer. Ich liebe es, wenn etwa zum Afrika Film Festival das Kinofoyer zwischen den Vorstellungen ein belebter Treffpunkt mit Musik und kulinarischen Spezialitäten wird.

Das Filmforum ist Teil des Gebäudes, das auch das Museum Ludwig umfasst. Habt ihr eine Anbindung zum Museum?

Gerade läuft im Ludwig die große Ausstellung mit Werken der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama – dazu haben wir im März einen Dokumentarfilm zeigen dürfen. Wir kommen immer wieder zusammen, wenn es zu Ausstellungen begleitendes Filmmaterial gibt.

Vorläufer des Filmform war in gewisser Weise die Kölner Cinemathek, die für den Anspruch stand, besonders wertvolle Filme zu zeigen und auch die filmhistorische Bildung hochzuhalten. Würdest du sagen, dass sich dieser Anspruch im Forum fortsetzt?

Das würde ich definitiv sagen. Das hier ist ein Ort geblieben, an dem man Filme sehen kann, die man nirgendwo sonst mehr sieht. Wir haben die Abschlussfilme der Kölner Filmschulen, hinzu kommt die internationale Ausrichtung, die die Prägung des durchschnittlichen deutschen Kinogängers auf den westlichen Film erweitert: Wir haben „Visions Of Iran“, wir haben „Tüpisch Türkisch“, wir haben das Afrika Filmfestival, aber es lief mit „Your Name“ auch schon ein japanisches Anime dieses Jahr bei uns. Natürlich die Filmhistorie – da drüben steht das Klavier, auf dem Stummfilme begleitet werden, was außerordentlich begehrt beim Publikum ist. Auch das Konzept der „Filmgeschichten“ bedeutet, dass wir verschiedene Kontinente mit Filmen aus verschiedenen Jahrzehnten bereisen und zu unterschiedlichen Zeiten kennenlernen. Dabei achten wir auf Diversität, also dass beispielsweise die Filme gleichermaßen von Regisseurinnen und Regisseuren kommen.

Du hast dabei aber nichts dagegen, auch mal populär zu werden?

Ich finde, das gehört auch dazu. Zur Filmkultur gehört das Anspruchsvolle, auch das Elitäre, aber auch Mainstream, Blockbuster und sogenannte Kultfilme zählen dazu. Wir zeigen also beispielsweise auch „The Big Lebowski“ von den Coen-Brüfern, durch den Leute aber unter Umständen auf andere Filme einer Reihe aufmerksam werden und sich diese ebenfalls anschauen.

Außerdem hat man so die Chance, „The Big Lebowski“ noch mal auf der Leinwand zu sehen.

Gerade Klassiker und Kultfilme wollen viele Leute auf der Leinwand sehen, auch solche Besucherinnen und Besucher, die selten oder nie ins Kino gehen.

Könnt ihr Filme sowohl analog als auch digital zeigen, was eure Abspieltechnik angeht?

Wir haben beide Möglichkeiten. Wir können 35 und 16 mm zeigen und haben mit dem „Schönecker Archiv“ eine von Joachim Steinigeweg betreute Reihe, die ausschließlich aus analogen Filmen besteht. Zum 20jährigen Bestehen lautet das Motto der „Filmgeschichten“ Feiern und Feste im Film, und auch in dieser Reihe laufen 35-mm-Filme. Den Auftakt macht „Die Schwester Der Braut“. Auch die Mitglieder machen in diesem Jahr Programm zum Jubiläum.

Foto: Filmforum NRW / Dörthe Boxberg

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