Am 30. April startet mit „American Sweatshop“ ein Thriller, der in Florida spielt – aber komplett in Köln gedreht wurde und dabei erstaunlich „USA“ aussieht. Im Mittelpunkt: eine Content-Cleanerin, die nach einem verstörenden Video nicht mehr loslassen kann – und damit eine Frage aufmacht, die weit über den Bildschirm hinausgeht.
Von Andreas Füser.
Im kurzen Abstand starten zwei interessante, international ausgerichtete Spielfilme, die am Standort Köln entstanden sind – mit Unterstützung der Film- und Medienstiftung NRW und unter Beteiligung der MMC. Im Mai folgt „Mother Mary“ (produziert von Augenschein Filmproduktion), am 30. April startet bereits „American Sweatshop“, produziert von Anita Elsani.
Wer den Film beim Film Festival Cologne verpasst hat, bekommt nun die Gelegenheit, ihn im Kino nachzuholen. Obwohl die Geschichte in Florida spielt, wurde „American Sweatshop“ komplett in Köln gedreht – und dass große Teile der Produktion bei der MMC entstanden sind, ist dem Film nicht anzusehen. Die Eingangshalle der Studios wurde zum Großraumbüro, in dem Daisy und die anderen „Cleaner“ Videos sichten. Selbst ein Studio-Teich wird mithilfe von Palmen und einer Alligator-Attrappe zur glaubhaften Florida-Location.
„American Sweatshop“ ist das Spielfilmdebüt der in Leverkusen geborenen und in den USA lebenden Kamerafrau und Regisseurin Uta Briesewitz. Sie hat unter anderem Episoden von „Stranger Things“, „Westworld“, „Orange Is the New Black“, „Black Mirror“ und aktuell „The Pitt“ inszeniert – und dreht nun ihren ersten Spielfilm in der Heimat.
Im Zentrum steht die 25-jährige Daisy (Lili Reinhart), die als Content-Cleanerin in einem Team junger Menschen arbeitet. Ihr Job: problematische Videos im Netz anschauen und löschen. Viele stumpfen dabei ab und entwickeln Strategien, um das Gesehene zu verdrängen. Eines Tages stößt Daisy auf ein besonders verstörendes Video, das sie nicht mehr loslässt. Sie entwickelt eine Obsession: Sie will herausfinden, wer dahintersteckt – und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Doch wonach sucht sie wirklich? Wie sehr hat die Arbeit sie verändert – und wozu ist sie inzwischen fähig? Bei der Polizei läuft sie ins Leere, und auch ihre Chefin (Christiane Paul) hält Daisys Engagement eher für übergriffig. Daisy aber lässt nicht locker.
Als Thriller erzählt „American Sweatshop“ von den Schattenseiten des Internets und stellt Fragen nach Recht, Verantwortung und moralischer Zumutbarkeit in der digitalen Welt. Lili Reinhart ist dabei hervorragend besetzt: Sie trägt den Film, weil sie glaubhaft eine junge Frau verkörpert, die komplett in einer Online-Realität sozialisiert wurde – und zugleich die Mischung aus Toughness und Verletzlichkeit mitbringt, die dieser Job vermutlich erfordert. Trotz kleinem Budget eröffnet der Film einen seltenen Blick in eine Arbeitswelt, die sonst unsichtbar bleibt, und verbindet Thriller-Tempo mit psychologischem Druck.
Ganz ohne Schwächen ist das nicht: Dramaturgisch bleiben einige Fragen offen, und an manchen Stellen hätte der Film noch konsequenter zuspitzen können. Dennoch ist „American Sweatshop“ sehenswert – nicht nur wegen seines Themas, sondern auch als Beispiel dafür, was mit Mut, einem guten Stoff und kluger Produktion am Standort Köln für internationale Kinoprojekte möglich ist.
„American Sweatshop“ (100 Min., FSK 16) startet am 30. April im Kino.
In Köln läuft er im Rex in der OmU-Fassung; die deutsche Fassung ist im Cinedom und im Filmpalast zu sehen.
Am 30. April startet mit „American Sweatshop“ ein Thriller, der in Florida spielt – aber komplett in Köln gedreht wurde und dabei erstaunlich „USA“ aussieht. Im Mittelpunkt: eine Content-Cleanerin, die nach einem verstörenden Video nicht mehr loslassen kann – und damit eine Frage aufmacht, die weit über den Bildschirm hinausgeht.
Von Andreas Füser.
Im kurzen Abstand starten zwei interessante, international ausgerichtete Spielfilme, die am Standort Köln entstanden sind – mit Unterstützung der Film- und Medienstiftung NRW und unter Beteiligung der MMC. Im Mai folgt „Mother Mary“ (produziert von Augenschein Filmproduktion), am 30. April startet bereits „American Sweatshop“, produziert von Anita Elsani.
Wer den Film beim Film Festival Cologne verpasst hat, bekommt nun die Gelegenheit, ihn im Kino nachzuholen. Obwohl die Geschichte in Florida spielt, wurde „American Sweatshop“ komplett in Köln gedreht – und dass große Teile der Produktion bei der MMC entstanden sind, ist dem Film nicht anzusehen. Die Eingangshalle der Studios wurde zum Großraumbüro, in dem Daisy und die anderen „Cleaner“ Videos sichten. Selbst ein Studio-Teich wird mithilfe von Palmen und einer Alligator-Attrappe zur glaubhaften Florida-Location.
„American Sweatshop“ ist das Spielfilmdebüt der in Leverkusen geborenen und in den USA lebenden Kamerafrau und Regisseurin Uta Briesewitz. Sie hat unter anderem Episoden von „Stranger Things“, „Westworld“, „Orange Is the New Black“, „Black Mirror“ und aktuell „The Pitt“ inszeniert – und dreht nun ihren ersten Spielfilm in der Heimat.
Im Zentrum steht die 25-jährige Daisy (Lili Reinhart), die als Content-Cleanerin in einem Team junger Menschen arbeitet. Ihr Job: problematische Videos im Netz anschauen und löschen. Viele stumpfen dabei ab und entwickeln Strategien, um das Gesehene zu verdrängen. Eines Tages stößt Daisy auf ein besonders verstörendes Video, das sie nicht mehr loslässt. Sie entwickelt eine Obsession: Sie will herausfinden, wer dahintersteckt – und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Doch wonach sucht sie wirklich? Wie sehr hat die Arbeit sie verändert – und wozu ist sie inzwischen fähig? Bei der Polizei läuft sie ins Leere, und auch ihre Chefin (Christiane Paul) hält Daisys Engagement eher für übergriffig. Daisy aber lässt nicht locker.
Als Thriller erzählt „American Sweatshop“ von den Schattenseiten des Internets und stellt Fragen nach Recht, Verantwortung und moralischer Zumutbarkeit in der digitalen Welt. Lili Reinhart ist dabei hervorragend besetzt: Sie trägt den Film, weil sie glaubhaft eine junge Frau verkörpert, die komplett in einer Online-Realität sozialisiert wurde – und zugleich die Mischung aus Toughness und Verletzlichkeit mitbringt, die dieser Job vermutlich erfordert. Trotz kleinem Budget eröffnet der Film einen seltenen Blick in eine Arbeitswelt, die sonst unsichtbar bleibt, und verbindet Thriller-Tempo mit psychologischem Druck.
Ganz ohne Schwächen ist das nicht: Dramaturgisch bleiben einige Fragen offen, und an manchen Stellen hätte der Film noch konsequenter zuspitzen können. Dennoch ist „American Sweatshop“ sehenswert – nicht nur wegen seines Themas, sondern auch als Beispiel dafür, was mit Mut, einem guten Stoff und kluger Produktion am Standort Köln für internationale Kinoprojekte möglich ist.
„American Sweatshop“ (100 Min., FSK 16) startet am 30. April im Kino.
In Köln läuft er im Rex in der OmU-Fassung; die deutsche Fassung ist im Cinedom und im Filmpalast zu sehen.