Allgemein Filmszene Aktuell

Ausgezeichnete Kinos!

Kinobetreiber sind es in der Regel nicht gewohnt, im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Selbst eifrige Kinogänger kriegen sie mitunter nur selten zu Gesicht, und wenn, dann ist ihnen das Gesicht meist unbekannt. Dabei tragen die Kinobetreiber, die anspruchsvolle, andersartige Filme auf die Leinwand bringen, entscheidend dazu bei, pluralistische Weltsichten, Kunst und Verstehen, in die Gesellschaft zu tragen.

Die Film- und Medienstiftung NRW zeichnet darum in jedem Jahr die Betreiber von Kinos aus, die die Leinwände ihrer Häuser mit einem besonderen, herausragenden Programm bespielen und bringt die „unsichtbaren Macher“ ins Rampenlicht. Gestern Abend wurden erneut die Kinoprogrammpreise im Capitol-Theater verliehen und auch viele Kölner Kinos konnten sich in den mehrstufigen Preiskategorien über Gewinne freuen.

Unter den Gästen weilte auch Schauspiellegende Mario Adorf, der bei der Veranstaltung mit dem Herbert Strate-Preis ausgezeichnet wurde. Eine Ehrung, die herausragende Persönlichkeiten feiert, die sich um den deutschen Film verdient gemacht haben.

Christine Berg (HDF Kino), Preisträger Mario Adorf, Petra Müller (Film- und Medienstiftung NRW), Jurymitglied Kinobetreiberin Margarete Papenhoff. Die Laudatio hielt Sunnyi Melles (nicht auf diesem Foto). © Hojabr Riahi/Film- und Medienstiftung NRW

In seiner Dankesrede zeigte sich der 89-jährige Preisträger dankbar und glücklich, aber auch bekümmert. Denn die aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland sieht er mit großer Sorge. Er gehört zu einer Generation, die die verheerenden Auswirkungen von Rassismus, Hass und allgegenwärtigen Verschwörungstheorien in der Zeit der NS-Diktatur hautnah miterlebt hat. Und sich auch nach dem Krieg als Halbitaliener mit Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit immer wieder konfrontiert sah. Dem aufkeimende Rassismus und offener Hassrede, die durch das Internet multipliziert werden, stellte er in seiner Rede gekonnt der Bedeutung von anspruchsvollen und andersartigen Filmen entgegen und forderte besonders die junge Generation auf, wieder mehr ins Kino zu gehen.

Welche Kinos das sein könnten, zeigte der Rest des Abends, bei dem 65 Filmtheater aus 39 Städten Nordrhein-Westfalens ausgezeichnet wurden. Einer von drei Hauptpreisen ging dabei an die Filmpalette von Joachim Kühn und Dirk Steinkühler, die sich auch in den vergangenen Jahren mit ihrem Programm immer wieder eine der wenigen Spitzenpositionen sichern konnten. Erstmals prämiert wurden die neu eröffneten Lichtspiele Kalk von Jennifer Schlieper und Felix Seifert, die in ihrem ersten Jahr, dem Super-Sommer-Jahr 2018, einen denkbar schweren Start hatten, aber nun fest im Sattel der Kölner Kinolandschaft sitzen. Weitere Kölner Preisträger sind das Odeon, OFF Broadway, Theater am Weisshaus, Cinenova, Metropolis und das Rex am Ring.
und Rex am Ring.

Erstmals unter den Gewinnern waren auch die Betreiber des neuen Kinos Lichtspiele Kalk, Jennifer Schlieper und Felix Seifert (2. v.l. in der 1. & 2. Reihe) © Hojabr Riahi/Film- und Medienstiftung NRW

Die drei Spitzenprämien bis 17.000 Euro gingen an das Endstation Kino Bochum (15.000 Euro Serbay Demir und Patrick Ritter), das Kino in der Brotfabrik Bonn ( 17.000 Euro Sigrid Limprecht und Ulli Klinkertz) und die Filmpalette Köln (16.000 Euro Joachim Kühn und Dirk Steinkühler).

Werner Busch

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