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Regisseur Johannes Holzhausen zu Besuch in Köln

Den Abschluss des 22. Dokumentarfilmfest Stranger Than Fiction in Köln bildete die Kino-Premiere von „The Royal Train“ in der Filmpalette Köln – ein skurriler Dokumentarfilm über Prinzessin Margareta von Rumänien, die sich als „Hüterin der Krone“ einer Monarchie versteht, die es längst nicht mehr gibt.

Feinfühlig und zugleich verschmitzt porträtiert der Regisseur Johannes Holzhausen die nahezu grotesken Anstrengungen der Königsfamilie für eine Rückkehr ihres Hauses an die Staatsspitze zu werben. Mit dieser Mission und nach historischem Vorbild machen sich Margareta, ihr Ehemann Radu und die Entourage auf den Weg und fahren mit dem „Royal Train“ durchs Land, auf derselben königlichen Strecke, in dem auch schon Margaretas Vater König Michael I. den Kontakt zu seinen Untertanen suchte und pflegte.

Filmszene Köln: Johannes, ich habe gehört du bist mit Prinzessin Margareta verwandt?
Johannes Holzhausen: Ja das stimmt, ich bin ein Cousin zweiten Grades von ihr. Meine Mutter war diejenige, die vor einigen Jahren den Kontakt zu Prinzessin Margareta aufnahm. Sie und mein Vater waren 2014 eingeladen, Margareta und ihren Mann Radu bei der Fahrt im „Royal Train“ zu begleiten. Sie zeigten mir anschließend Fotos von der Reise. Ich hatte noch nie von dieser traditionellen, königlichen Zugfahrt gehört und fragte mich: Ist das nur Volksbespaßung oder was steckt dahinter?

Filmszene Köln: Der Verwandtschaftsgrad war also deine Eintrittskarte. JH: Ja, es gab aber noch einen weiteren Faktor: Radu war früher ein mehr oder weniger bekannter Schauspieler und hat daher eine große Affinität zum Kino. Er kannte meinen Film „Das große Museum“ (2014) und ihm gefiel meine Arbeit sehr.

Filmszene Köln: Seine Schauspielkarriere hat er an den Nagel gehangen?
JH: Er hat nach seiner Heirat 1996 alle Kontakte in die Schauspielkreise abgebrochen. Ich würde es so formulieren: Er hatte ja die Rolle seines Lebens gefunden! Im Gegensatz zu Margareta fühlt er sich in seiner Rolle als Royal pudelwohl. Rumänien sieht er als seine Bühne, aufgeführt wird die Monarchie und die Drehbücher dazu findet man in den historischen Archiven.

Filmszene Köln: In der Tat wirkt das ganze Bestreben hochinszeniert. JH: Das ist es durch und durch. Sobald die Kamera läuft sprechen Margareta und Radu rumänisch miteinander, obwohl sie eigentlich Englisch sprechen. Das Königshaus ist ein Schein-Betrieb, der von gerade mal zehn Leuten am Laufen gehalten wird. In manchen Momenten entlarvt sich ein peinlicher Dilettantismus und man merkt wie handgestrickt die Maschinerie ist.

Filmszene Köln: ..diese Momenten wirken sehr zwanghaft und grotesk.
JH: Tatsächlich ist jede Szene mit Margareta und Radu mühsam erkämpft. Sie hatten ständig Angst um ihr Image – Angst, dass die Filmaufnahmen ihrem Status schaden könnten. Ein völliger Tunnelblick und die Distanz zwischen uns wurde im Laufe des Drehs immer größer.

Filmszene Köln: Es gibt dennoch auch einige Fans und Menschen, die sich die Monarchie in Rumänien zurückwünschen.
JH: Trotz der dilettantischen Momente schaffen sie es, königliche Auftritte wie die Zugfahrt durchs Land, als einen staatlichen Akt erscheinen zu lassen. Das ist z.B. der Grund warum sie die Zugfahrt am rumänischen Nationalfeiertag machen.
Fimszene Köln: Dabei ist es eine rein private Initiative.
JH: Genau. Es ist als würde sich ein royaler Nebel über alles legen. Die Verschleierung, die sie betreiben wirkt – sie wirkt auf uns alle, auf mich als Regisseur, auf die ZuschauerInnen, aber auch auf die Bürgermeister in den jeweiligen Städten, die dann tatsächlich zum Händeschütteln am Bahnhof antreten. Für diese kurzen Momente entsteht etwas Wahrhaftiges und man fühlt sich zutiefst verbunden mit den Emotionen der Menschen.

Filmszene Köln: Bist du Menschen begegnet, die die betriebenen royale „Kampagne“ kritisieren?
JH: Die einzig wirklich kritische Stimme war die der Banhofsangestellten, die im Film auch zu Wort kommt. Darüberhinaus belief sich die Kritik weniger auf politischer Ebene, als vielmehr auf snobistische Weise. So nach dem Motto:„Margareta kann nicht mal richtig rumänisch und Radu ist kein echter Royal“. Man muss sagen die Tristesse aus Hinterweltlertum und Korruption im Land schürt die Sehnsucht nach „einem besseren Rumänien“. Diese Sehnsucht kann das Königshaus bedienen.

Filmszene Köln: Gibt es da regionale Unterschiede?
JH: Ja, in Bukarest interessiert die Königsfamilie niemanden – aber auf dem Land mehr und mehr. Die Royals stehen für etwas weltliches, was mit Neugierde und Bewunderung aufgefasst wird. Im Gegensatz zu dem ganzen Inszenierten, sind das auch genau die Menschen, die mich interessieren. Ihr Idealismus, ihre Überzeugung von etwas und die damit verbundenen Emotionen. Da schwingt auch eine orthodoxe Mentalität mit, der ich vor allem auf dem Land begegnet bin.

Filmszene Köln: In deinem Film gibt es die zentrale Figur des Kunsthistorikers, der akribisch nach Relikten aus der Zeit der Monarchie sucht. Er passt auch sehr gut zu der beschriebenen Mentalität.
JH: Ja Adrian Buga – er ist ein Idealist durch und durch und beseelt von der Vorstellung er trage zu einem „besseren Rumäniens“ bei, in dem er die königliche Kunstsammlung wiederbelebt.

Filmszene Köln: Vielen Dank für das Interview.

Text: LN

THE ROYAL TRAIN (Österreich, Rumänien 2020)

Ein Film von Johannes Holzhausen

Kinostart: 13. Februar 2020

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