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Schnitte in Bewegung und ein bewegtes Festival: Edimotion 2020

Für die Macher der diesjährigen Ausgabe von Edimotion war es ein ganz besonders bewegtes Festival. Stark steigende Covid-19-Infektionszahlen kurz vor Festivalbeginn, verschärfte Regeln für den Kinobesuch, eine kurzzeitig im Raum stehende Begrenzung der Zuschauerzahl auf 20% der Sitze, die aber kurz vor dem Festival gekippt wurde – das Team rund um Dietmar Kraus (Sektion Spielfilm, International Film Editors Forum und Gastlandabend), Kyra Scheurer (Künstlerische Leiterin) und Jenny Krüger (Geschäftsführung und Organisatorische Leitung) musste einiges im Vorfeld der Jubiläumsausgabe mitmachen, bei welcher der 20. Festivalgeburtstag angesichts der aktuellen Lage nur eingeschränkt gefeiert werden konnte.

Doch all die Mühen haben sich gelohnt, denn die diesjährige Ausgabe war immer noch ein Erfolg. Einige Veranstaltungen, darunter der Kurzfilmabend, an dem alle fünf nominierten Werke der Sparte gezeigt wurden und die jeweiligen Editor*innen in einem Werkstattgespräch Rede und Antwort standen, waren trotz steigender Coronazahlen ausverkauft. Zudem fand die diesjährige Ausgabe hybrid statt, weshalb es neben den Präsenzveranstaltungen auch deren virtuelle Pendants gibt. Noch bis 30. Oktober können die Programmpunkte gestreamt werden, darunter alle nominierten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme inklusive des jeweiligen Werkstattgespräch. Alle Informationen, Preise und Möglichkeiten zu Akkreditierung für das Online-Festival finden sich auf der Homepage edimotion.de

Eine Gewinnerin stand von Anfang an fest: Ehrenpreisträgerin Karin Schöning. Die Laudatio auf die Dokumentarfilm-Editorin hielt Regisseur Gerd Kroske, mit dem Schöning so oft wie mit keinem anderen Filmemacher zusammengearbeitet hat. „Legendär sind ihre Ordnungsregime im Material – egal ob analog oder digital. Mit somnambuler Leichtigkeit findet sie aus dem Chaos an Material im richtigen Moment genau diejenige Einstellung, an die man sich nur noch schemenhaft erinnerte“, beschrieb er das Talent der Schnittmeisterin seiner Laudatio. Eine Zusammenarbeit von Schöning und Kroske waren dann auch für den Eröffnungsabend ausgewählt worden: Es lief Der Boxprinz (2002), das Portrait Norbert Grupes, der erst als Boxer unter den Kampfnamen Prinz Wilhelm von Homburg Karriere machte, später als Strippenzieher im Rotlichtmilieu von Hamburg. Bekannter als der „Hast du ein Problem?“-Clip aus der Dokumentation ist allenfalls noch Grupes Rolle als Vigo, der Karpatenfürst, in Ghostbusters 2 (1989).

Passend zum Eröffnungsfilm war auch der Vortrag von George Seeßlen zum Thema „Schnitt und Schlag – Modellmontage Boxkampf“. Der Kulturjournalist und Filmwissenschaftler ging der Frage auf den Grund, wie Boxkämpfe einerseits durch den Filmschnitt nicht nur gezeigt, sondern auch erleb- und erfahrbar gemacht werden, andrerseits welche ideologischen Konnotationen durch die Montage des Faustkampfes entstehen können – man denke an den Kalten Stellvertreterkrieg in Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts (1986). Das zweite Panel zum Themenschwerpunkt „Edi-Motion – Schnitte in Bewegung“ bestritten die Fachleute Andrew Bird und Janine Dauterich. In „Moves montieren – Film-Tanz oder Tanzfilm?“ brachten sie ihre praktischen Erfahrungen mit der Montage von Tanzszenen ein, um das Spannungsfeld von Körper, Zeit, Raum und Bewegung beim Schnitt entsprechender Szenen zu ergründen.

Julia Kovalenko

Bei der Preisverleihung am Abschlussabend setzten sich in den Kategorien Spiel- und Dokumentarfilm die Favoriten durch. Wie schon bei der diesjährigen Lola-Verleihung gab es keinen Weg an Systemsprenger (2019) vorbei: Die Geschichte des „Problemkinds“ Benni, das mit nur neun Jahren als „Systemsprenger“ gilt und aufgrund seiner Aggressionen die Jugendhilfe-Einrichtungen zu überfordern droht, überzeugte auch die Edimotion-Jury. Julia Kovalenko nahm den Preis entgegen und schaltete ihren Co-Editor Stephan Bechinger via Smartphone hinzu.

Yana Höhnerbach

Den Schnitt-Preis Dokumentarfilm konnte eine Absolventin der internationalen filmschule köln entgegennehmen: Yana Höhnerbach wurde für Searching Eva (2019) prämiert. Ebenso faszinierend wie das filmische Portrait der titelgebenden Influencerin, die gleichzeitig Sexarbeiterin, Bloggerin und queere Feministin ist, waren Höhnerbachs Einblicke im Werkstattgespräch zum Film. In Abwesenheit erhielt Sianne Gevatter, Studentin an der Filmuniversität Konrad Wolf, den The Edit Schnittpreis für den Kurzfilm Nacht ueber Kepler 452b (2019), ein Kurzdokumentarfilm rund um einen Berliner Kältebus, der nachts Obdachlose aufsammelt. Aber die Preisträgerin sendete eine kurze Rede per Video ans Plenum. Abgerundet wurde der Abschlussabend durch eine fulminante Laudatio von Thomas Heise und die Musik der Band Los Mosquitos. Außerdem gilt das Versprechen der Veranstalter: Bei Edimotion 2021, vom 15. bis 18. Oktober nächsten Jahres, wird die ausgelassene Feierei, die dieses Jahr entfallen musste, nachgeholt.

Nils Bothmann

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