Allgemein Festival Filmszene Aktuell

Kino-Lockdown und Festivalausfälle im November

Zu den Ende Oktober beschlossenen Maßnahmen gegen steigende Covid-19-Infektionszahlen gehört ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens für rund vier Wochen, darunter auch eine Einstellung des Kinobetriebs. Für die betroffenen Betriebe wurde bereits ein Hilfspaket geschnürt, während der eh schon karge Kinokalender weiter ausgedünnt wird. Robert Zemeckis‘ Ende Oktober gestartete Neuverfilmung Hexen hexen (2020) wandert nun nach kurzem Kinoeinsatz ins Pay-TV zu Sky, andere Produktionen sind aus den Startlisten verschwunden, etwa Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht (2019), Karen Maines Abrechnung mit religiöser (Doppel-)Moral mit Stranger Things-Star Natalia Dyer in den Hauptrolle. Andere Filme haben ihre Termine für Ende November/Anfang Dezember behalten, darunter Nicola Graefs Dokumentation Eine einsame Stadt (2020) über Einsamkeit in Berlin, die schwarze Weihnachtskomödie Fatman (2020), Viggo Mortensens Regiedebüt Falling (2020) und der 60 Millionen Dollar teure Fantasy-Actionfilm Monster Hunter (2020), mit dem Constantin Film von der Lücke profitieren will, welche die Verschiebung diverser Blockbuster im Kinokalender hinterlässt.

Yes, God, Yes – Böse Mädchen beichten nicht

Für die Kinobetreiber, die mit viel Aufwand Hygiene- und Sicherheitskonzepte entwickelt haben, ist dies – trotz des Hilfspakets – ein Ärgernis. Wichtige Organe gaben Stellungnahmen ab, darunter der HDF Kino. „Die Kinos haben von Beginn an bewiesen, dass sie mit höchster Verantwortung und umfangreichen Schutzmaßnahmen für die Sicherheit von Gästen und Mitarbeitern sorgen. Weltweit ist keine einzige Covid-Infektion in Verbindung mit einem Kinobesuch bekannt. Die geringe Aerosol-Belastung im Kinosaal wurde von der TU Berlin sogar wissenschaftlich belegt“, sagte HDF-Vorstand Christine Berg. Sie warnte: „Es steht ein 125 Jahre altes Kulturgut auf dem Spiel!“

„Sicherheit und Gesundheit gehen vor und als sozialer Ort sind wir uns unserer Verantwortung voll und ganz bewusst. Allerdings haben sich die Kinos mit konsequent umgesetzten Hygienekonzepten als besonders sichere Orte bewiesen,“ erklärte Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater. „Wir appellieren daher eindringlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sowie die politisch Verantwortlichen, bei allen berechtigten Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus Augenmaß zu bewahren.“

Eine Analyse des Webmagazins Celluloid Junkie ergab, dass es bisher noch keine bestätigte Covid-19-Übertragung in einem Kino gab, wobei die Webseite unter anderem Bezug auf eine Studie des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin nimmt, die sich im Auftrag der HDF Kino mit der Aerosol-Verbreitung in Kinos beschäftigte und zu dem Schluss kommt, dass diese geringer als in einem Großraumbüro ist.

Vom aktuellen Veranstaltungsverbot sind auch mehrere für den November geplante Festivals betroffen, die unterschiedlich auf die Ankündigung reagierten. Das traditionsreiche Kinder- und Jugendfilmfestival Cinepänz, das 2019 sein 30-jähriges Jubiläum feiern konnte, fällt aus. Die Veranstalter arbeiten an einem Nachholtermin und hoffen darauf, die 31. Ausgabe des Festivals im März nächsten Jahres anbieten zu können.

Die geplanten Festivals im November

Das Kurzfilmfestival Köln, das dieses Jahr in die 14. Ausgabe geht, weicht dagegen ins Netz aus. Ab dem geplanten Festivalstart am 18. November wird es eine Online-Ausgabe des Festivals geben. Bis zum 22. November präsentiert das KFFK eine Auswahl an Filmen aus den Sektionen Deutscher Wettbewerb und Kölner Fenster in einer Online-Edition. Für jeden Film aus den Wettbewerben sind 500 kostenfreie virtuelle Sitzplätze für jeweils 48 Stunden verfügbar. Bereits ab dem 11. November werden außerdem zwei Filme aus dem New Aesthetic Programm bis zum Ende des Festivals bereitgestellt. Die Filme werden begleitet von einem Panel mit den Filmemacherinnen, in dem sie über ihre Filme, das Genre Netnographie und Genderfragen in sozialen Netzwerken diskutieren. Die anderen Programme, die in diesem Jahr entfallen müssen, werden im nächsten Jahr nachgeholt.

Die achte Ausgabe der VIDEONALE.scope-Reihe, welche das Programm der Videonale Bonn ergänzt, ist für dieses Jahr ebenfalls abgesagt. Die von Karin Mundt kuratierte Kurzfilmreihe, die eigentlich im Filmforum NRW und im Filmclub 813 stattfinden sollte, hat jedoch bereits einen Ausweichtermin fürs nächste Jahr bekanntgegeben: 10. bis 12. Juni 2021.

Deutlich näher liegt der Ausweichtermin, den Kino Latino Köln wählt. Das Festival, das eigentlich vom 10. bis 15. November gehen sollte, wird vermutlich vom 18. bis zum 24. Januar nächsten Jahres stattfinden. Als Eröffnungsfilm zeigt das in der Filmpalette stattfindende Festival die Dokumentation Once upon a Time in Venezuela (2020), die sich mit dem Thema der Umweltverschmutzung und Korruption in dem krisengebeutelten Land befasst.

Für die Zeit vom 27. bis zum 29. November ist außerdem Visions of Iran, das iranische Filmfestival in Köln, terminiert. Auf der Homepage finden sich noch keine Infos zu einer Absage oder Verschiebung, das letzte Update ist jedoch auf den 15. Juni datiert.

Wie es mit der Kinolandschaft im Dezember nach Ende des Lockdowns weitergeht, steht in den Sternen – aktuell wurden wieder Verschiebungen von für den Dezember geplanten Titeln wie Free Guy und Tod auf dem Nil vermeldet. Durch derartige Entscheidungen verschärft sich das Henne-Ei-Problem, vor dem die Kinos derzeit auch abseits eventueller Lockdown-Maßnahmen stehen: Ohne entsprechende Filmstarts wird es noch schwerer Zuschauerinteresse zu generieren, angesichts niedriger Besucherzahlen sind aber auch die Verleiher zunehmend unwillig Filme zu starten. Kinoschließungen gießen dabei allerdings noch Öl ins Feuer, weshalb auf eine Wiedereröffnung der Lichtspielhäuser im Dezember zu hoffen ist. Wir informieren euch, sobald wir mehr wissen.

Nils Bothmann

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