Allgemein Filmszene Aktuell

Die Online-Edition des 14. Kurzfilmfestival Köln

Ein kleiner Trost für Kölner Filmfans: Das Kurzfilmfestival Köln (KFFK) findet statt, wenn auch in reduzierter Form. Nachdem das eigentliche Festival wegen neuer Covid19-Verordnungen abgesagt werden musste, haben die VeranstalterInnen kurzfristig eine Online-Ausgabe mit ausgewählten Kurzfilmen vorbereitet, die vom 18.-22.11. stattfindet. Die Programmauswahl – auf der Homepage zu finden – ist überzeugend und spannend, und in diesem Jahr sogar kostenlos. Ab sofort kann man sich für die Online-Edition registrieren.

Für ein Festival, das sich sonst um thematische Auseinandersetzung über das Filmprogramm hinaus bemüht, ist ein Online-Event freilich eine Herausforderung. Doch das KFFK reagiert und leitet die Ausgabe mit einem Special in der Schiene New Aesthetic ein. Heute, am 11. November, geht eine Paneldiskussion online, in der die französischen Regisseurinnen Gabrielle Stemmer und Chloé Galbertin über Netnographie, also die filmische Arbeit mit etnographischem Material aus dem Internet, sprechen. Beide Speakers arbeiten selbst in diesem relativ jungen Genre: Clean with me (After Dark) von Gabrielle Stemmer forscht an und mit Youtube-Videos von Frauen, die sich beim Putzen filmen, während Chloé Galbertin in Watching the Pain of others einen Film einer anderen Regisseurin über Hautkrankheiten diskursiv dekonstruiert. Beide Werke und die Paneldiskussion sind von 11.-22.11. auf der Festivalhomepage verfügbar.

Ab dem 18. November geht es dann weiter mit den Wettbewerbsprogrammen. Aus dem Deutschen Wettbewerb werden alle Filme gezeigt. Hier erwarten das Publikum Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme, welche in fünf thematisch kuratierten Programmen die Vielseitigkeit des zeitgenössischen deutschen Kurzfilms illustrieren. Die Blöcke setzen sich unter anderem mit dem Spannungsverhältnis von Leere und Material, mit dem Eingesperrtsein, mit Identität und Realität auseinander und zeigen unter anderem einige Werke, die für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert sind.

Auch das Kölner Fenster mit aktuellen Arbeiten von Filmschaffenden aus der Stadt wird erfreulicherweise in seiner Gänze präsentiert.

Die übrigen Programmschienen möchte das KFFK-Team erst 2021 präsentieren, wenn das wieder physisch geht. Aus den Sektionen Fokus, Spotlight, Best of Festivals, aus den Gastprogrammen der SK-Stiftung Kultur und des Internationalen Frauenfilmfestivals und aus dem turkodeutschen Programm werden aber je ein Film online gescreent – als Ausblick auf das kommende Jahr. 

Wie schnell die VeranstalterInnen des Festivals auf die mit 2. November in Kraft getretenen Einschränkungen reagiert haben, ist bemerkenswert. Dennoch stellt Festivalchef Johannes Duncker in einer Stellungnahme auf der Homepage klar, dass das KFFK N°14 ein Kompromiss ist. Selbst wenn die Onlineausgabe Potenzial berge, ZuseherInnen auf neuen Wegen zu erreichen, macht Duncker deutlich, dass ihm die kollektive Kinoerfahrung und der gemeinsame Austausch heuer “bitterlich fehlen” werden. Er kündigt an, die ausgefallenen Programme im nächsten Jahr festivalunabhängig als KFFK Unlocked zu präsentieren. Wir bleiben gespannt, bis die Kinos endlich wieder ihre Pforten öffnen.

Um Filme schauen zu können, können sich ZuschauerInnen ab dem 11. November online registrieren

Timothy Bidwell

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