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Das war das KFFK 2020

Und dann, beim Schauen des Preisverleihung-Videos, kam sie doch kurz wieder: die Frustration. Hatte das Festivalteam auch kurzfristig eine hervorragende Online-Ausgabe gestemmt, so machte der Zusammenschnitt von Jurybegründungen und Dankesreden der FilmemacherInnen doch spürbar, dass der Diskurs beim Kurzfilmfestival Köln (KFFK) dieses Jahr zu kurz gekommen war. Und dass “die Begegnungen, die Filme auf der großen Leinwand, das gemeinsame Erleben” (Johannes Duncker) tatsächlich durch kein digitales Tool zu ersetzen sind.

Dennoch: auch 2020 brachte das KFFK innovatives, mutiges und vielseitiges Kurzkino nach Köln. Den OrganisatorInnen einerseits und den vertretenen FilmemacherInnen andererseits ist es zu verdanken, dass eine Vielzahl der Filme online gezeigt werden konnten und dabei sogar kostenfrei zugänglich waren.

Aus diesen Produktionen wurden am Sonntag die PreisträgerInnen gekürt. Die Jury des Deutschen Wettbewerbs – bestehend aus Regisseur Züli Aladag, Kuratorin Lisa Bosbach und Videokünstler Nicolaas Schmidt – vergab den ersten Preis überraschenderweise ex aequo an gleich zwei Filme. Nach zwei Stunden waren zehn Minuten vergangen von Steffen Goldkamp und Nacht über Kepler 452B von Ben Voit teilen sich das Preisgeld von 3.500,- Euro. Als gemeinsamen Nenner beider Dokumentarfilme könnte man den Fokus auf die Ränder der Gesellschaft bezeichnen: Nach zwei Stunden… macht in anonymen, in jedem Sinn des Wortes statischen Filmbildern das Leben junger Männer in einer Justizanstalt fühlbar. Nacht über Kepler 452B beginnt in der totalen Abstraktion und tastet sich erst schrittweise mit Gesprächen und einer einfühlsamen Kamera an Menschen, die auf der Straße leben, heran.

Den zweiten Preis erhielt die KHM-Absolventin Katharina Huber für ihren Animationsfilm Der natürliche Tod der Maus. Dieser zieht alle Register – Animationsbilder, Archivaufnahmen und kunsthistorische Verweise wechseln einander ab -, führt von Pestizidbananen zum prekären Bürojob und zu imaginären Kindern, und bildet auf eine so kreative, schrille und in Worten kaum zu beschreibende Weise Leben ab, dass man eigentlich nur das Anschauen des Films empfehlen kann. Ein anarchisches Highlight!

Land of Glory

Platz Drei ging an Land of Glory von Borbála Nagy, der außerdem auch den Publikumspreis des diesjährigen Festivals erhielt. Im Mittelpunkt von Land of Glory stehen die Vorbereitungen an einer ungarischen Schule im Vorfeld eines hochrangigen Besuchs: Weil der Premierminister kommt, soll eine Schülerin ein Nationalgedicht aufsagen, Fahnen sollen geschwungen und eine Torte in Ungarn-Form verspeist werden. Nagy beobachtet unaufgeregt, mit einem weinenden und einem lachenden Auge, den nationalistischen Wahnsinn ihrer zweiten Heimat.

Der WDR-Preis ging an den Dokumentarfilm Forget Alberto for Now von Beina Xu, der einen Geflüchteten von Athen nach Brüssel begleitet und danach fragt, wie diese Geschichten überhaupt noch erzählt werden können. Ein Film über das Filmemachen und das Geschichtenerzählen.

La Espera

Eine lobende Erwähnung erhielt der Dokumentarfilm La Espera von Danilo do Carmo und Jakob Krese. Den VR-Award erhielt der 360°-3D-Animationsfilm Replacements von Jonathan Hagard.

Alle Gewinnerfilme sind noch bis heute, 24. November, 19 Uhr auf der KFFK-Homepage zu sehen. ZuschauerInnen müssen sich lediglich online registrieren, die Filme sind kostenlos.

Und wie geht es weiter? Festivalchef Johannes Duncker hat bereits angekündigt, dass im Frühjahr die entfallenen Programme im Rahme von KFFK Unlocked physisch, im Kino, und unabhängig von der nächsten regulären Ausgabe gezeigt werden sollen. Weitere Infos folgen wohl demnächst auf der Homepage.

Timothy Bidwell

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