Allgemein Filmszene Aktuell

Filmreihe „Vom Kommen, Bleiben und Verändern – Filmische Geschichten der Migration“

Schon im Herbst 2019 hatte „Köln im Film“ seine Filmreihe begonnen, in deren Mittelpunkt Deutschland als Einwanderungsland steht. Die Migrationsgeschichte des Nachkriegsdeutschlands beginnt schon zur Zeit des Wirtschaftswunders mit dem Anwerbeabkommen, das Gastarbeiter nach Deutschland lockt, und zieht sich bis zu den jüngsten Ankünften geflüchteter Menschen, die Armut, politischer Verfolgung oder Bürgerkrieg in ihren Heimatländern entkommen wollen.

Die Filmreihe zeigt Beiträge aus fünf Jahrzehnten deutscher Migrationsgeschichte, beginnend in den 1970ern und endend in den 2010ern. Die Reihe geht vom 22. September und geht bis zum 13. Oktober. An insgesamt sieben Tagen werden an drei Spielorten (Cinenova, OFF Broadway, Odeon) verschiedene Programme präsentiert, die sich mit verschiedenen Facetten des Themas beschäftigen, darunter das Leben der zweiten oder dritten Gastarbeitergeneration in Deutschland oder die rassistischen, gegen vermeintliche „Fremde“ gerichteten Anschläge durch Rechte.

Am 22. September im Cinenova gehen drei kurze Dokumentarfilme der türkischen Gastarbeitergeschichte auf den Grund. In Philharmonie Köln – 40 Jahre Einwanderung (2001) mischt sich ein Team von Kanak TV unter die Gäste einer Feier des 40. Jubiläums des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und Türkei und dreht den Spieß um, wenn den meist weißen Gästen Fragen nach ihrer Herkunft und danach, wann sie wieder heimreisen werden, gestellt werden. In Verländert (1983) hospitiert eine 19-jährige Deutschtürkin bei der Essener Zeitung, zieht dafür von zu Hause aus und riskiert so einen Konflikt mit ihren konservativen Eltern. In dem rund einstündigen Langzeitporträt Der Kölsche Hasan (1980) geht es um den Lebensweg eines jungen Mannes aus Köln-Ehrenfeld. Zu Gast an jenem Abend ist der Publizist Miltiadis Oulios.

Zertifikat Deutsch: Karin Jurschik

Am 28. September stellt Regisseurin Karin Jurschick ihren Film Zertifikat Deutsch (2009) vor. Darin begleitet sie Teilnehmer*innen eines VHS-Kurses in Köln, die Sprach- und Orientierungskurse besuchen, um sich auf Sprach- und Einbürgerungstests vorzubereiten. 

Einen Tag später, am 29. September sind im Cinenova Eine Kölner Familie (1976) und Fremde Heimat (1977) zu sehen, die beiden Teile eines WDR-Familienporträts einer fünfköpfigen italienischen Sippe in Köln. Die Eltern der Familie Santoro leben seit 1961 in der Rheinmetropole, die drei Kinder sind Heranwachsende, die beim alljährlichen Besuch der Verwandtschaft in der alten Heimat die Unterschiede, aber auch die Verbundenheiten zwischen Deutschland und Italien sehen. Zu Gast ist eine Protagonistin der Filme, nämlich Tochter Cosima Santoro.

Am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober nimmt der Programmabend der Reihe im Cinenova erneut türkische Migrationsgeschichte(n) in den Blick. Zuerst gibt es den Essayfilm Alamanya, Alamanya – Germania, Germania (1979), das Musikvideo 1994 (2020) von Eko Fresh feat. #IchDuWirNRW und Türken in Deutschland (2005), der zwei Familiengenerationen in Köln porträtiert, zu sehen. Den Abschluss des Abends bildet der wohl beklemmendste Beitrag der Reihe: 93/13 – 20 Jahre nach Solingen (2013) erinnert an den tödlichen Brandanschlag, der 1993 fünf türkischstämmige Menschen tötete, und erforscht die Folgen der Tat. Mirza Odabasi, Regisseur dieses Films und des Musikvideos 1994, ist der eine Gast an diesem Abend, der andere ist „Microphone Mafia“-Mitgründer Kutlu Yurtseven, der zu den Protagonisten von Türken in Deutschland gehört.

Gölge: Deutsche Kinemathek

Am Mittwoch, den 6. Oktober, zeigt das Odeon dann den Spielfilm Deutschland bittere Heimat (1979) von Serif Gören. Dabei handelt es sich um einen der ersten Filme im türkischen Kino, der die Migration nach Deutschland zum Thema hatte. Darin geht es um die Gastarbeiterin Güldane, die nach einem Türkeibesuch eine bezahlte Scheinehe mit Mahmut eingeht, um ihm ein Leben in Deutschland zu ermöglichen. Gast an diesem Abend ist der Film- und Kulturjournalist Amin Farzanefar.

Sema Poyraz, eine der beiden Regisseurinnen von Gölge (1980), stellt ihren Film am 10. Oktober im Odeon vor. Gölge entstand als Abschlussfilm an der Berliner dffb, ist mit Laien inszeniert und ist ein früher Vertreter des migrantischen Kinos in Deutschland. Die 18-jährige Titelfigur bewegt sich im Spannungsfeld zwischen türkischem Elternhaus und deutschem Umfeld in Schule und Freizeit.

Am 13. Oktober ist mit Bettina Braun eine weitere Regisseurin vor Ort. Gezeigt wird die ZDF-Doku Wo stehst Du? (2011), in dem drei türkischstämmige junge Männer aus dem Kölner „Klingelpütz-Viertel“ porträtiert werden. Einer studiert Schauspiel, der zweite hat nach Gehversuchen als Lokalbesitzer Schulden, der dritte geht einer Minijobber-Existenz nach und hat einen Verfahren wegen Körperverletzung am Hals. Braun erhält an diesem Abend Gesellschaft von einem ihrer Protagonisten, Kais Setti.

Alle Infos zum Programm gibt es auf der Homepage von „Köln im Film“.

Nils Bothmann

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