Festival Filmszene Aktuell

Ehrenpreisträgerin Ingrid Koller, Gastland Großbritannien und Fokus Kurz-Schnitt: Edimotion 2021

2020 nullte Edimotion zum zweiten Mal, dieses Jahr wird das Festival für Filmschnitt und Montage auch nach amerikanischem Bundesrecht volljährig. Auch die 21. Ausgabe teilt sich in die gewohnten Sektionen auf: Je fünf Kandidaten konkurrieren um die Preise für den besten Schnitt im Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilm, ein Gastland wird vorgestellt, eine Ehrenpreisträgerin mit einer Hommage bedacht und Panels zu einem besonderen Themenschwerpunkt angeboten. Edimotion geht dieses Jahr von Freitag, den 15. Oktober, bis Montag, den 18. Oktober.

Besagter Schwerpunkt der 2021er Ausgabe liegt auf dem Kurz-Schnitt, also Formate, die in komprimierter Zeit viel zu vermitteln haben, vor allem über die Montage, etwa Vorspänne oder Trailer. So referiert Dirk Steinkühler am Sonntag um 17.45 Uhr im Museum Ludwig über die Kunst der Titelsequenz, mit besonderem Fokus auf deren unangefochtenem Meister Saul Bass. Am gleichen Tag, an gleicher Stelle geben um 19.10 Uhr die Trailer-Editorinnen Viola Isenbürger und Patricia Mestanza Niemi Einblicke in ihr Arbeitsfeld und bringen Beispiele anhand ihres eigenen Materials. Bereits am Samstag um 16.30 Uhr sprechen die Editoren Rainer Nigrelli und Sebastian Thümler über die Montage agiler Formate wie Instant Fiction, die den Produktionsprozess auch im Schneideraum umkrempeln.

Müllers Büro

Die diesjährige Hommage ist der österreichischen Editorin Ingrid Koller gewidmet. Die heute 71-Jährige schnitt mehrere der erfolgreichsten Produktionen ihres Heimatlandes, darunter die schräge Noir-Musical-Detektiv-Komödie Müllers Büro (1986) oder die deutsch-österreichische Co-Produktion Sei zärtlich, Pinguin (1982). Der Film, mit dem die Hommage und das Festival am Freitag beginnt, ist noch internationaler: Echo Park (1985). Die US-österreichische Co-Produktion war der erste Film, in dem Tom Hulce nach seiner oscarnominierten Titelrolle in Amadeus (1984) mitspielte. Hier gibt er den Pizzaboten Jonathan, der mit dem Sportfreak und Schwarzenegger-Fan August (Michael Bowen) und der jungen Mutter, Möchtegern-Schauspielerin und Stripperin May (Susan Dey) in einer WG lebt. Am Montag um 10.30 Uhr ist ein rein österreichischer Film inklusive Werkstattgespräch mit der Editorin zu sehen: Die Häuslebauer-Satire Hinterholz 8 (1998), der bisher größte Kassenerfolg in der Geschichte der Alpenrepublik.

Rocks

Das Gastland Großbritannien entsendet dieses Jahr einen seiner Schnitt-Shooting-Stars der britischen Editing-Szene: Maya Maffioli. Das umjubelte Jugenddrama Rocks (2019), das sie montierte, ist am Samstagabend um 21 Uhr im Museum Ludwig zu sehen. Neben der Editorin ist auch Renée Edwards, die Vorsitzende der British Film Editors, an diesem Abend zu Gast, um eine Einführung in den von Werner Busch moderierten Abend zu geben. „Wir freuen uns sehr, dank der Kooperation mit dem Verband der British Film Editors (BFE), das Vereinigte Königreich in diesem Jahr als Gastland bei Edimotion begrüßen zu können. Es ist uns allen ein besonderes Anliegen, im Jahr des Brexits ein Zeichen der tiefen, europäischen und internationalen Verbundenheit zu setzen. Und zu zeigen, dass Filmschaffende auch weiterhin über politische Grenzen hinweg eng vernetzt bleiben“, schreibt das Festival auf seiner Homepage zur Bedeutung des Abends.

Die Nominierungen für den Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm in diesem Jahr:

  • Hannes Bruun für The Trouble with Being Born (2020)
  • Paola Freddi für Love Me Tender (2019)
  • Kaya Inan für Wanda, mein Wunder (2020)
  • Jessica Schneller für Nackte Tiere (2020)
  • Philipp Thomas für Berlin Alexanderplatz (2020)

Die Nominierungen für den Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm in diesem Jahr:

  • Urte Alfs und Yulia Lokshina für Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit (2020)
  • Bettina Böhler für Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien (2020)
  • Katja Dringenberg für Das neue Evangelium (2021)
  • Nela Märki für The Bubble (2021)
  • Rune Schweitzer für I’ll Be Your Mirror (2019)

Die Nominierungen für den The Edit Space Förderpreis Schnitt Preis (Kurzfilme) in diesem Jahr:

  • Famil Aghayev und Fabio Thieme für Suite (2021)
  • Selin Dettwiler für Leavers (2020)
  • Rolf Hellat und Roman Hodel für Das Spiel (2020)
  • Philipp Mayer für Fische (2020)
  • Vreni Sarnes für Ein kleiner Schnitt (2020)

Das erste klimaneutrale Filmfestival in NRW findet wie gewohnt an den Spielstätten Filmforum im Museum Ludwig und Off Broadway statt. Für den Einlass gilt die Regeln 3G+: Man muss geimpft sein, genesen oder einen negativen PCR-Test vorweisen, um an einer Veranstaltung teilnehmen zu können. Zusätzlich gibt es auch in diesem Jahr eine Online-Sektion des Festivals, bei der Teile des Programms vor dem heimischen Bildschirm konsumiert werden können.

Alle Informationen zum Programm, den Nominierten und den Tickets gibt es auf der Homepage des Festivals.

Nils Bothmann

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