Festival Filmszene Aktuell

Preisträger, Provokateure und Prestige-Arbeiten: Das Filmfestival Cologne 2021

Vom 21. bis 28. Oktober findet das Film Festival Cologne dieses Jahr statt, das sich sowohl dem Kino als auch TV-Formaten widmet. Ende September wurde das Programm bei einer Pressekonferenz vorgestellt, inzwischen ist auch der Preisträger des International Actors Award bekannt: Der deutsche Shooting Star Albrecht Schuch (Systemsprenger, 2019; Berlin Alexanderplatz, 2020) wird in diesem Jahr ausgezeichnet. Die weiteren Preisträger, Steve McQueen (Filmpreis Köln), Gaspar Noé (Hollywood Reporter Award) und Phil Grabsky (Phoenix-Preis), waren bereits bei der Pressekonferenz bekannt gewesen.

My Childhood, My Country: WDR/ARTE

Noé und Grabsky haben, wie die anderen Preisträger, jeweils einen Artist Talk am 28. November; außerdem ihre aktuellen Filme im Gepäck. Am Mittwoch, den 27. Oktober, kann man Noés neuestes Werk Vortex (2021) sehen. Das Enfant terrible legt einen überraschend ruhigen, intimen Film vor: Eine Geschichte über das Sterben eines alternden Ehepaares, in der gleichen Wohnung, aber aneinander vorbei lebend, filmisch durch eine geteilte Leinwand versinnbildlicht. Ein Zugeständnis an Noés Schockwurzeln: Den Ehemann spielt die italienische Horror- und Giallo-Regieikone Dario Argento. Am Tag zuvor ist My Childhood, My Country – 20 Years in Afghanistan (2021) zu sehen, bei dem Grabsky gemeinsam mit Shoaib Sharifi Regie führte. Die Langzeitbetrachtung folgt Mir Hussein für die titelgebenden 20 Jahre. Zu Beginn des Films sieht man ihn als Jungen im Alter von acht Jahren, der mit seiner Familie in einer Höhle lebt, am Ende ist er dreifacher Familienvater und selbst Kameramann. Stets im Hintergrund: Die Sicherheitslage in dem besetzten Land und deren Verschlechterung, als der Truppenabzug der Amerikaner angekündigt wird.

Von Künstler und Regisseur Steve McQueen ist hingegen ist quasi die komplette Filmographie zu sehen, auf jeden Fall jeder seiner Spielfilme: Das IRA-Gefängnisdrama Hunger (2008) am 22. Oktober, das Sexsüchtigenportrait Shame (2011) am 24. Oktober, die oscargekrönte Sklaverei-Tour-de-Force 12 Years a Slave (2013) am 25. Oktober, der sozialkritische Crime-Thriller Widows (2018) am 26. Oktober. Außerdem gibt es eine Episode seiner fünfteiligen Mini-Serie Small Axe (2020) am 27. Oktober zu sehen. Bereits am Sonntag, den 24. Oktober, werden alle drei Folgen von McQueens jüngstem Projekt, der Doku-Serie Resistance in an Hostile Environment: Uprising (2021), gezeigt. Darin geht es um einen Brand auf einer Geburtstagsparty am 18. Januar 1981, bei dem 13 britische Teenager starben und Teile der Bevölkerung einen rechtsradikalen Brandanschlag in der aufgeladenen Stimmung der Thatcher-Ära vermuteten.

Benedetta: Capelight Pictures / Koch Films

Auch die neusten Werke anderer Regiegrößen sind im Programm zu bestaunen. Paul Verhoeven, dessen voriger Film Elle (2016) auch beim Film Festival Cologne gezeigt wurde, meldet sich dieses Jahr mit Benedetta (2021) zu Wort. Der niederländische Provokateur erzählt in seinem neuesten Werk von verbotener lesbischer Liebe unter Nonnen, irgendwo zwischen Religionssatire und Exploitation-Film. Von Leos Carax ist der Cannes-Eröffnungsfilm Annette (2021) am Start. In dem teilweise in NRW gedrehten Musical spielen Indie-Darling Adam Driver, Carax‘ Landsfrau Marion Cotillard und Big Bang Theory-Howard Simon Helberg mit, basierend auf einem Konzeptalbum der Sparks Brothers – neben Edgar Wrights Doku The Sparks Brothers (2021) bereits der zweite Film in diesem Jahr, der dem Musikerduo huldigt. Die britische Gesellschaftskritikerin Andrea Arnold wechselt mit Cow (2021) erstmals vom Spiel- zum Dokumentarfilm und zeigt darin das monotone Leben einer Milchkuh. Der deutsche Regie-Randalinski Klaus Lemke ist mit dem Großstadtfilm Berlin Izza Bitch! (2021) dabei. Und neben Provokateuren wie Noé, Verhoeven und Lemke gibt es auch einen Rückblick auf einen Skandalfilm: Die Dokumentation The Kids (2021) blickt zurück auf Kids (1995) von Regisseur Larry Clark und Drehbuchautor Harmony Korine und fragt danach, was aus den damaligen Laiendarstellern wurde.

In der Sektion „Top Ten TV“ sind dieses Jahr unter anderem Episoden folgender TV-Serien zu sehen: Die deutsche Medienskandal-Aufarbeitung Faking Hitler (2021) über die gefälschten, vom „Stern“ veröffentlichten Hitler-Tagebücher, die auf Tatsachen basierende britische Crime-Story Deceit (2021) über sexuellen Missbrauch, Mord, Ermittlungen und sexuelle Obsessionen, das dokumentarische Format Viral Dreams (2021) über das Leben von sieben YouTuber*innen. Weitere Programmpunkte umfassen ein Special Screening von Szenen aus Hyperland (2021) von Mario Sixtus und einem Werkstattgespräch mit dem Regisseur und anderen Beteiligten, ein Showcase mit Film- und Drehbuchprojekten der ifs internationale filmschule köln, die von Studierenden und Alumni mit Teasern oder Pitches vorgestellt werden, und den Urban GIF Parcour, in dem 60 kuratierte GIFs in Schaufenstern zwischen dem Filmpalast und dem Brüsseler Platz gezeigt werden. Der Filmpalast ist auch die Hauptspielstätte des Festivals.

Alles Informationen zum Programm, den Gästen und zum Ticketerwerb gibt es auf der Homepage des Festivals.

Nils Bothmann

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