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Anerkennung für oft Übersehenes: Der Short Monday im Filmhaus Köln

In der gegenwärtigen Medienlandschaft führt der Kurzfilm ein Nischendasein: Als Vorfilm sieht man eigentlich nur Werke wie die hauseigenen Disney- und Pixar-Short vor deren Animationsfilmen im Kino, ansonsten müssen sich kurze Formate mit Festivaleinsätzen begnügen, mit einem Nachleben auf Streamingplattformen wie Vimeo oder YouTube, gelegentlich vielleicht auch mal als Teil eines entsprechenden Programmblocks auf Arte oder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Das Kurzfilm Festival Köln (KFFK), die SK Stiftung Kultur und das Filmhaus Köln verhelfen dem Kurzfilm seit diesem Jahr mit dem Short Monday zu neuer Sichtbarkeit. Einmal im Monat, immer am zweiten Montag, werden ausgewählte Kurzfilmprogramme im Filmhaus gezeigt, die sich stets einem bestimmen Thema widmen.

Der Startschuss fiel am 10. Januar mit einer Selektion, die thematisch an die KFFK-Ausgabe von 2021 anschloss. Diese hatte bereits an die Tradition des Festivals und vergangene Highlights erinnert, der erste Short Monday wiederum zeigte ausgezeichnete Filme des letzten Ausgabe. Operation Moonbird (2020) von Dustin Lose, eine dokumentarische Arbeit über Seenotrettung, die den Publikumspreis erhielt; Ich habe dich geliebt (2020) von Rosa Hannah Ziegler, eine Kurzdoku über ein On-Off-Paar, das seine Beziehung mit Clips und Videos in Szene setzt (1. Jurypreis); Salidas (2021) von Michael Fetter Nathansky, ein fiktionaler, zehnminütiger Tanzfilm in einer Choreographie von Körper und Stahl (2. Publikumspreis); Doom Cruise (2021) von Hannah Stragholz und Simon Steinhorst, ein Animationsfilm über Schiffspassagiere, die mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert werden (3. Jurypreis).

Opereation-Moonbird

Der zweite Short Monday am 14. Februar zeigte vier Kurzfilme europäischer Regiegrößen. Alexandra (2008) ist von Radu Jude, der im letzten Jahr mit Bad Luck Banging or Loony Porn (2021) den Goldenen Bären bei der Berlinale gewann. Das Kurzdrama behandelt den Konflikt eines getrennten Paares, der auf Kosten der titelgebenden Tochter ausgetragen wird. WASP (2003) von der britischen Sozialkritikerin Andrea Arnold (Fish Tank, 2009; American Honey; 2016) beschäftigt sich mit dem Leben von Arbeiterwespen. Ruben Östlund, der den Cannes-Gewinner The Square (2017) inszenierte, gewann mit dem zwölfminütigen Zwischenfall in einer Bank (2010), in der einen missglückten Überfall rekonstruiert, 2010 bereits auf der Berlinale. Kein Früh-, sondern ein Spätwerk kommt von Altmeister Pedro Almodovar, dessen The Human Voice (2020) seinen ersten englischsprachigen Film darstellt. Ein Ein-Personen-Stück mit Tilda Swinton in der Hauptrolle.

Der nächste Short Monday steht am 14. März an und ist eine Kooperation mit der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur. Im Rahmen ihrer Sammlungspräsentation „Photographische Konzepte und Kostbarkeiten“ hat die Kölner Institution ein Kurzfilmprogramm mit dem Titel „Porträt, Landschaft, Botanik – zeitloser Stoff für filmische Dokumente und Experimente“ zusammengestellt.

Weitere Infos zum Short Monday gibt es auf der Homepage des KFFK.

Nils Bothmann

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