Allgemein Filmszene Aktuell

Cineastisch-solidarisches Streamen: Cinemalovers

Seit März 2020 wird verstärkt über die Konkurrenz und Streaming gesprochen. Dienste wie Netflix, Amazon Prime und Disney+ verzeichneten angesichts von Lockdowns, Kinoschließungen und heruntergefahrenem Sozialleben hohe Zuwachszahlen, Verleihfenster wurden verkürzt, einige Filme gleichzeitig als Kinostart und Premium-Video-on-Demand veröffentlicht, weshalb beispielsweise Black Widow (2021) und Jungle Cruise (2021) von einigen Kinoketten bestreikt wurden. Immer wieder hörte man Befürchtungen, dass das Streaming dem Kino den Rang ablaufen könnte.

Doch das Kino lebt, wie beispielsweise der jüngste Boxoffice-Mega-Erfolg von Spider-Man: No Way Home (2021) zeigte. Außerdem gibt es Streamingangebote, die sich nicht in Konkurrenz zu, sondern solidarisch mit dem Kino verstehen. Bereits seit einigen Jahren etwa gibt es Kino on Demand, seit 2021 den Zusammenschluss Cinemalovers, dem auch die Filmszene Köln angehört. Weitere „immaterielle“ Organisationen wie der Studentische Filmkreis Darmstadt, Kinos wie das b-ware! ladenkino in Berlin oder die Caligari Filmbühne in Wiesbaden und Institutionen wie das Filmmuseum Potsdam oder die Kinemathek Karlsruhe gehören dem Zusammenschluss an.

Die Institutionen hinter Cinemalovers planen das Programm, die Einführungen, Diskussionen Filmgespräche und ergänzenden Texte, die sie ihrem Publikum zusätzlich anbieten wollen. Außerdem legen sie die Preispolitik ebenso fest wie mögliche Ermäßigungen für Online-Nutzer*innen an der Kinokasse. Es gibt verschiedene Aboangebote, die wahlweise für einen Monat, ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr gültig sind.

Monatlich wechselt das Programm, in Köln gestalten verschiedene Festivals und Abspielstätten Subsektionen. Das Cinepänz Festival etwa zeichnet im aktuellen Programm (3. Februar bis 2. März) für Wênd Kûuni (1982) aus Burkina Faso verantwortlich. Der Film, der von dem titelgebenden Findelkind handelt, gewann 1985 den César für den besten ausländischen Film. Das Filmhaus Köln präsentiert vier Filme, die zum Black History Month im Februar passen. Dazu gehört beispielsweise Timbuktu (2014) von dem mauretanischen Regisseur Abderrahmane Sissako. Der Film erzählt in eindringlichen Bildern von einer Kleinfamilie, die ein Leben unter der Besatzung von Dschihadisten führen muss. Soundtrack_Cologne hat Parallax Sounds Chicago (2014) ausgewählt, eine dokumentarische Meditation über die Klangwelten der Stadt, bei der unter anderem Nirvana-Produzent Steve Albini zu Wort kommt.

Les Saignantes

Eine Filmreihe, die nicht nur von der Kölnern ausgewählt wurde, sondern auf jeder Cinemalovers-Plattform zu sehen ist, beschäftigt sich mit Afrofuturismus im Film. Hier sind seit Januar drei Werke zu sehen. Zum einen der 18-minütige Kurzfilm Octavia’s Visions (2021), der auf den Überlegungen der 2006 verstorbenen afroamerikanische Schriftstellerin und Theoretikerin Octavia Butler zurückgeht und fragt, wie man eurozentristische Diskurse überwinden und Rassismus bekämpfen kann. Der Kultfilm Space is the Place (1974) erzählt von dem zeitreisenden Propheten Sun Ra, der die schwarze Community durch die Kraft der Musik in eine bessere Zukunft führen will – eine Zukunft, die nicht unbedingt auf der Erde liegt. Les Saignantes (2005), eine französisch-kamerunische Co-Produktion, ist ein im Jahre 2025 angesiedelter Science-Fiction-Film. Ein hochrangiger Regierungsbeamter verstirbt im Bett einer Prostituierten, die versucht gemeinsam mit einer Freundin die Leiche zu entsorgen, was erst den Anfang einer Reise ins Herz der Finsternis darstellt. „Einen Genre-Film über Politik und Sex“ nennt Regisseur Jean-Pierre Bekolo sein Werk.

Wer Kino abseits des Mainstreams unterstützen will, auch von der heimischen Couch aus, der kann dies also mit den Cinemalovers tun – Anfang März gibt es ein neues Programm. Mehr zu Kölner Selektion gibt es hier bei der Filmszene. Weitere teilnehmende Institutionen und deren Programme gibt es auf der Homepage der Cinemalovers.

Nils Bothmann

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