Allgemein Festival Filmszene Aktuell

Startschuss für das Frauen* Film Fest

Im vergangenen Jahr hatte sich das größte Festival für Filme von Frauen in Deutschland ein gutes Stück weit neu erfunden. Nicht nur im Auftritt und mit neuen Namen*: auch im Programm, den Spielorten und Inhalten hat sich einiges getan. Leider war der große Relaunch im vergangenen Jahr – der Pandemie geschuldet – etwas unterm Radar der allgemeinen Wahrnehmung geflogen, denn das Festival konnte leider lediglich online stattfinden. Darum fühlt sich die aktuelle Ausgabe gleich in doppelter Weise wie ein Relaunch an.

Das Internationale Frauen* Film Fest freut sich in diesem Jahr darauf, bis zum 3. April 100 Filme aus 35 Ländern in den Kinos von Köln und Dortmund präsentieren zu können. Und, auch das keine Selbstverständlichkeit im Moment, auf rund 70 Filmschaffende, Expert:innen und Künstler:innen aus aller Welt, die ihre Arbeit vorstellen werden.

Heute gaben die Festivalmacher:innen rund um Leiterin Maxa Zoller in einer großen Pressekonferenz mit Gästen einen Einblick in das Programm und die Programmatik des Festivals. Außerdem sprachen die bekannte simbabwische Regisseurin Tsitsi Dangarembga und die deutsche Regielegende Ula Stöckl, die mit Filmen wie „Neun Leben hat die Katze“ (1968) das Kino weiblicher Regisseurinnen in der BRD mit auf den Weg brachte. Beide Regisseurinnen bilden mit Kamerafrau Christine A. Maier („Quo Vadis, Aida?“) die hochkarätige Jury des Internationalen Spielfilmwettbewerbs. In dieser Wettbewerbs-Sektion treten Regisseurinnen mit ihrem ersten Langspielfilm an, der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Regie-Legende Ula Stöckl ist Teil der diesjährigen Jury. Foto: Werner Busch

„Bekenntnisse zur Gleichstellung sind nichts wert, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden“, sagte Maxa Zoller am Abend bei der feierlichen Eröffnung im Filmpalast. Mit viel Tatkraft leistet das Festival seinen Anteil daran, das mit großem Applaus für den Eröffnungsfilm „Kevin“ und berührenden Momenten auf der Bühne begann. Der Film ist eine quasi-dokumentarische Annäherung an eine langjährige Freundschaft zwischen zwei Frauen: der brasilianischen Regisseurin Joana Oliveira und der titelgebenden Protagonistin Kevin Adweko. Beide lernten sich vor 20 Jahren in Deutschland kennen und treffen nun nach vielen Jahren wieder in Afrika zusammen, um sich über ihre Lebenswege und ihre Freundschaft auszutauschen. Zahlreiche Teammitglieder fanden ebenfalls den Weg nach Köln. Es war die erste Gelegenheit für die Crew nach den beiden Pandemiejahren so zusammenkommen zu können.

Regisseurin Joana Oliveira und Kevin Adweko stellten ihren Film „Kevin“ vor, der als Deutschlandpremiere das Internationale Frauen* Film Fest 2022 eröffnete. Foto: Werner Busch

Zahlreiche nominierte Filmemacher:innen wie Kit Zauhar („Actual People“), Milica Tomović („Celts“), Ainhoa Rodríguez („Mighty Flash“), Alina Grigore („Blue Moon“) oder Queena Li („Bipolar“) werden ebenfalls in den kommenden Festivaltagen erwartet.

Schon zu Beginn können die Macher:innen des Frauen* Film Fest für die Entwicklung der internationalen Filmszene in den vergangenen Jahren eine positive Bilanz ziehen: Es gäbe keinen überschaubaren „Frauenfilm-Kanon“ mehr, da weltweit inzwischen so viele Filmemacherinnen aktiv sind. Auch das Festival hat längst jeden Anschein eines „Nischen-Festivals“ verlassen, seine Themen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und dennoch gibt es weiterhin viel zu tun, der Wandel zu einer paritätischen Filmwelt vollzieht sich, aber nur langsam. Zwar verlassen immer mehr Absolventinnen die Filmhochschulen der Welt, doch im Berufsleben bleiben Frauen auch weiterhin Türen verschlossen.

Das Frauen* Film Fest leistet zur Sichtbarmachung dieser Herausforderungen und ihres Wandels einen wichtigen Anteil und hat bereits am ersten Tag einen tollen Vorgeschmack darauf geboten, mit wieviel Freude, Gefühl und großartigen Filmen das passieren kann.

Alle Infos zum Programm und Ticketing auf:
www.frauenfilmfest.com

Einen unterhaltsamen und informativen Überblick über das Tagesgeschehen des Festivals bietet eine weitere Neuerung aus dem vergangenen Jahr: die Morning Briefings. Ein Podcast mit den Macher:innen hinter den Programmsektionen und dem Festival insgesamt. Zum Auftakt sprach heute Festivalleiterin Maxa Zoller mit Alisa Berezovskaya, die das Programm für Kinder und Jugendliche verantwortete. Im zweiten Podcast »Was läuft im Panorama?« spricht Kuratorin Marieke Steinhoff im Gespräch mit ihrer Kollegin Vivien Buchhorn über die dokumentarische Sektion Panorama, Formfragen, Virtual Reality und mehr.

Titelbild und Text: Werner Busch

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