Filmszene Aktuell

35 Jahre Filmclub 813 – Special mit den Edelweißpiraten

Der Filmclub 813 feiert seinen 35. Geburtstag am Montag, 12. Januar 2026, mit einem Abend, der nicht nur cinephile Nostalgie bedient, sondern Kölns Erinnerungskultur ins Zentrum rückt. Um 19:15 Uhr laufen im Kino 813 in der Brücke zwei selten zu sehende Arbeiten des Kölner Filmemachers Dietrich Schubert. Das Double Feature verbindet Spielfilm und Dokumentarfilm zu einem konzentrierten Blick auf die Edelweißpiraten, jene jugendlichen, meist proletarischen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, deren Geschichte in Köln-Ehrenfeld eine besonders brutale Zuspitzung erfuhr: 13 von ihnen wurden 1944 öffentlich hingerichtet. In der Nachkriegszeit galten sie lange nicht als Widerständige, sondern wurden vielfach weiterhin als Kriminelle stigmatisiert.

Schuberts Spielfilm „Nieder mit den Deutschen“ (BRD 1984, 91 Minuten, s/w, 35mm) setzt in der Gegenwart des frühen Kohl-Jahrzehnts an und ist zugleich von den Recherchen zu seinem Dokumentarfilm geprägt. Hauptfigur Fritz, gespielt von Hans Künster, kehrt nach langer Abwesenheit nach Köln zurück. In einem älteren Mann, der scheinbar unauffällig durch die Stadt geht, glaubt er einen Gestapo-Folterer wiederzuerkennen, der ihn einst misshandelte. Schubert erzählt diese Begegnung nicht als Thriller, sondern als zermürbende Konfrontation mit einer Gesellschaft, in der Täterbiografien verschwinden können, während die Opfer mit der Frage zurückbleiben, was Gerechtigkeit überhaupt noch bedeuten kann. Kritiker haben den Film als „vergessenen Schlüsselfilm“ der späten Bundesrepublik beschrieben und ihn als unversöhntes Kino gelesen, das weniger die Vergangenheit nachstellt als die damalige Gegenwart seziert: den Ton der „geistig-moralischen Wende“, die Rückkehr kleinbürgerlicher Gewissheiten und das Verstummen derer, die einmal Widerstand leisteten.

Im Anschluss wird „Nachforschungen über die Edelweißpiraten“ (BRD 1980, 90 Minuten, 16mm) gezeigt, ein Dokumentarfilm, der die letzten lebenden Zeugen befragt und Geschichte der „einfachen Leute“ festhält, bevor sie endgültig im Dunkel des Vergessens verschwindet. Schubert, gelernter Fotograf, arbeitet dabei mit einer präzisen, unaufgeregten Bildsprache und verzichtet auf pathetische Heroisierung. Gerade diese Haltung macht den Film so eindringlich: Er bewahrt Gesichter, Stimmen und Widersprüche – und zeigt, wie Erinnern selbst ein Prozess ist, der Arbeit kostet, Widerstände erzeugt und immer wieder neu erkämpft werden muss.

Eingeführt wird der Abend von André Malberg; die Veranstaltung entsteht in Kooperation mit dem Filmmuseum Düsseldorf. Der Eintritt liegt bei 10 Euro, ermäßigt bei 8,13 Euro. Der Filmclub 813 feiert sich also nicht mit Glanz, sondern mit Kino, das Kölns Geschichte anfasst – unbequem, konkret und bis heute brennend aktuell.


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Filmstills: „Nieder mit den Deutschen“ (BRD 1984), Fotos: Schubert Film

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