Das jfc Medienzentrum wird 50 – und Geschäftsführerin Patricia Gläfcke macht im Gespräch schnell klar, warum diese Geschichte bis heute so aktuell ist: Aus einem Filmclub, der mit riesigen Abspielgeräten in Jugendzentren fuhr, wurde eine NRW-weite Einrichtung, die Medienpädagogik, kulturelle Bildung und soziale Arbeit verbindet. Zwischen Retro-Kamera-Trend, Cybermobbing und KI-Workshops bleibt der Kern derselbe: Medienkompetenz entsteht durchs Machen – und durch Gespräche über Verantwortung, Rechte und die Wirklichkeit hinter den Bildern.
Von Frank Olbert.
Patricia, ein halbes Jahrhundert jfc Medienzentrum – wie fing es an?
Patricia Gläfcke: Gegründet wurde das jfc Medienzentrum als „jugend film club köln“ im Jahr 1975. Die Gründer, alle um die 25 Jahre alt, wollten mit den Abspielgeräten – und die waren damals riesig – in die Jugendzentren gehen und dort Filme zeigen. Sie wollten aber auch über die Filme sprechen und Workshops dazu veranstalten. Das sollte Jugendliche, die kein Geld hatten, sich Kinotickets zu leisten, in die Lage versetzen, sich mit dem Thema Film auseinander zu setzen. Es ging also um klassische Filmbildung, sehr schnell kamen dann Kinomagazine hinzu …
… das legendäre „lurens“.
So ist es es. Mit der Videokamera wurden eigene Beiträge produziert, die Jugendlichen konnten ihre eigenen Themen wählen, selber produzieren und haben sich damit aktiv journalistisch betätigt.
Der Jugendfilmclub hatte also einen starken sozialen Impuls?
Ja, was das jfc damals wie heute ausmacht, ist die Verbindung von Medienpädagogik, Kultureller Bildung und Sozialer Arbeit. Wir sind in der offenen Kinder- und Jugendarbeit aktiv, arbeiten mit vielen Partnern zusammen, mit Jugendzentren, sozialen Trägern und Fachkräften und konzentrieren uns stark auf die praktische Arbeit.
Wie ist das Verhältnis zwischen Filmrezeption und Selbermachen?
Wir sind HOMPIS! Handlungsorientierte MedienpädagogInnen. Das Machen, das kreative Tun ist unser Fokus. Wir produzieren, und gleichzeitig sprechen wir darüber, worin journalistische Kompetenz besteht, was das Recht am eigenen Bild, was Urheberrecht bedeutet, wo Grenzen im Online-Raum liegen. Sehr schnell kommt man auf diesem Weg zu Themen wie Einsamkeit, Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming.
Alles Themen, die im Vergleich zur Gründerzeit des jfc relativ neu sind.
Früher war die Produktion von Filmen haptisch, heute bist du ständig im Onlife unterwegs. Damit ergeben sich für die Kinder und Jugendlichen ganz neue Herausforderungen.
Macht ihr die Kinder und Jugendlichen denn trotzdem mit den analogen Medien und deren Arbeitsweise bekannt?
Das tun wir. Es gibt bei vielen Kindern und Jugendlichen einen Retrotrend, die wollen einen Film oder Fotos mit einer echten Kamera und nicht mit dem Handy machen.
Schon lange wird über Film- und Medienbildung in den Schulen debattiert, wobei nicht viel passiert in dieser Richtung. Macht ihr Versäumnisse der Schulen wett?
Ich glaube, KI wird einen großen Anstoß geben, was neues Lernen angeht. Daran werden die Bildungseinrichtungen nicht vorbei kommen, und schon jetzt sind viele Verantwortliche proaktiv daran beteiligt. Die Bildungslandschaft wird sich ändern. Viele Eltern kommen mit Sorgen zu uns, die zum Beispiel die Handy-Gewohnheiten ihrer Kinder betreffen: Könnt ihr uns helfen, denn die Schule tut es nicht? Da gibt es nur Verbotsdebatten.
Wie ist eure Haltung?
Unser Fokus liegt darauf, Kinder und Jugendliche präventiv zu ermächtigen, etwa mit den sozialen Netzwerken umzugehen. Mit unserem Dachverband, der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, vertreten wir die Position, dass ein Verbot keinen Sinn hat – eine Debatte über Altersgrenzen und Kompetenzen hingegen sehr wohl. Gerade zu den aktuellen Diskussionen um Online-Gewalt und virtuelle Vergewaltigung hat das viel angestoßen.
Künstliche Intelligenz hast du bereits angesprochen. Was unternehmt ihr in dieser Hinsicht?
KI wird alles verändern. Oder besser, sie verändert bereits alles. Wir verwenden ganz konkrete Methoden, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz etwa Fake-News zu generieren. Und während wir das tun, sprechen wir darüber, was Desinformation eigentlich ist, wem man glauben kann, mit wem man in einer echten Beziehung ist – auch die Frage, was geschieht, wenn man eine Beziehung zu einem Chatbot aufnimmt, gehört dazu. Das gehört zur Wirklichkeit, das ist da, und wir müssen damit umgehen.
Lass uns noch einmal zurückblicken: Das Spektrum des jfc hat sich im Lauf der Jahre enorm erweitert – wie?
Wir haben schon immer Publikationen zu relevanten medienpädagogischen Themen herausgegeben. Wir hatten jahrelang die Schriftenreihe „MedienConcret“, nun haben wir eine Förderung erhalten, die es uns erlaubt, diese als Online-Magazin weiterzuführen. Wir wollen auch die Jugendperspektive einbeziehen, deshalb haben wir einen Jugend-Board gegründet. Wichtig ist darüber hinaus unser Festival – „Cinepänz“ gibt es seit fast 40 Jahren. Dann betreiben wir die landesgeförderte Plattform „spinxx“, ein FilmkritikerInnen-Format, für das wir mit Jugendredaktionen in NRW zusammenarbeiten.
Welches Verhältnis haben Kinder und Jugendliche heute zu Kino? Muss man die zu „Cinepänz“ hinschleifen, oder kommen sie freiwillig?
„Cinepänz“ ist immer gut ausgebucht. Wir haben im Rahmen einer Kooperation mit der Kölner Freiwilligenagentur Kinder mit Fluchthintergrund eingeladen, zum Festival zu kommen, das war ein großer Erfolg. Wie damals gehen wir in Bürger- und Jugendzentren, um die Filme dahin zu bringen, wo unser Publikum ist – nicht jeder kann von Chorweiler in die Südstadt ins Kino fahren. Dieses Konzept von „Cinepänz“ funktioniert wunderbar. Was wir brauchen, sind gut gemachte Filme für Kinder und Jugendliche.
Wie werdet ihr gefördert?
Wir sind dankbar, dass wir seit 50 Jahren Teil der Strukturförderung des Kinder- und Jugendförderplans des Landes NRW sind, und dass wir vom Jugendamt der Stadt Köln kontinuierlich seit damals gefördert werden. Ohne diese Förderung könnten wir keine Projektmittel einholen, die wir dann in einzelne Vorhaben stecken. Zum Beispiel machen wir Angebote für Menschen in Geflüchtetenheimen – sobald wir Projektmittel haben, verfügen wir über Workshop-Tage, so dass Träger in NRW mit uns eine Fortbildung oder Ähnliches veranstalten kann.
Das heißt, dass ihr eine Einrichtung für ganz NRW seid?
So ist es. Wir haben im ganzen Land rund 100 freie Mitarbeitende, und wir legen Wert darauf, Veranstaltungen vor Ort durchzuführen mit den jeweiligen Fachkräften, die das Wissen dann von dort aus weiter verbreiten.
Das jfc Medienzentrum wird 50 – und Geschäftsführerin Patricia Gläfcke macht im Gespräch schnell klar, warum diese Geschichte bis heute so aktuell ist: Aus einem Filmclub, der mit riesigen Abspielgeräten in Jugendzentren fuhr, wurde eine NRW-weite Einrichtung, die Medienpädagogik, kulturelle Bildung und soziale Arbeit verbindet. Zwischen Retro-Kamera-Trend, Cybermobbing und KI-Workshops bleibt der Kern derselbe: Medienkompetenz entsteht durchs Machen – und durch Gespräche über Verantwortung, Rechte und die Wirklichkeit hinter den Bildern.
Von Frank Olbert.
Patricia, ein halbes Jahrhundert jfc Medienzentrum – wie fing es an?
Patricia Gläfcke: Gegründet wurde das jfc Medienzentrum als „jugend film club köln“ im Jahr 1975. Die Gründer, alle um die 25 Jahre alt, wollten mit den Abspielgeräten – und die waren damals riesig – in die Jugendzentren gehen und dort Filme zeigen. Sie wollten aber auch über die Filme sprechen und Workshops dazu veranstalten. Das sollte Jugendliche, die kein Geld hatten, sich Kinotickets zu leisten, in die Lage versetzen, sich mit dem Thema Film auseinander zu setzen. Es ging also um klassische Filmbildung, sehr schnell kamen dann Kinomagazine hinzu …
… das legendäre „lurens“.
So ist es es. Mit der Videokamera wurden eigene Beiträge produziert, die Jugendlichen konnten ihre eigenen Themen wählen, selber produzieren und haben sich damit aktiv journalistisch betätigt.
Der Jugendfilmclub hatte also einen starken sozialen Impuls?
Ja, was das jfc damals wie heute ausmacht, ist die Verbindung von Medienpädagogik, Kultureller Bildung und Sozialer Arbeit. Wir sind in der offenen Kinder- und Jugendarbeit aktiv, arbeiten mit vielen Partnern zusammen, mit Jugendzentren, sozialen Trägern und Fachkräften und konzentrieren uns stark auf die praktische Arbeit.
Wie ist das Verhältnis zwischen Filmrezeption und Selbermachen?
Wir sind HOMPIS! Handlungsorientierte MedienpädagogInnen. Das Machen, das kreative Tun ist unser Fokus. Wir produzieren, und gleichzeitig sprechen wir darüber, worin journalistische Kompetenz besteht, was das Recht am eigenen Bild, was Urheberrecht bedeutet, wo Grenzen im Online-Raum liegen. Sehr schnell kommt man auf diesem Weg zu Themen wie Einsamkeit, Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming.
Alles Themen, die im Vergleich zur Gründerzeit des jfc relativ neu sind.
Früher war die Produktion von Filmen haptisch, heute bist du ständig im Onlife unterwegs. Damit ergeben sich für die Kinder und Jugendlichen ganz neue Herausforderungen.
Macht ihr die Kinder und Jugendlichen denn trotzdem mit den analogen Medien und deren Arbeitsweise bekannt?
Das tun wir. Es gibt bei vielen Kindern und Jugendlichen einen Retrotrend, die wollen einen Film oder Fotos mit einer echten Kamera und nicht mit dem Handy machen.
Schon lange wird über Film- und Medienbildung in den Schulen debattiert, wobei nicht viel passiert in dieser Richtung. Macht ihr Versäumnisse der Schulen wett?
Ich glaube, KI wird einen großen Anstoß geben, was neues Lernen angeht. Daran werden die Bildungseinrichtungen nicht vorbei kommen, und schon jetzt sind viele Verantwortliche proaktiv daran beteiligt. Die Bildungslandschaft wird sich ändern. Viele Eltern kommen mit Sorgen zu uns, die zum Beispiel die Handy-Gewohnheiten ihrer Kinder betreffen: Könnt ihr uns helfen, denn die Schule tut es nicht? Da gibt es nur Verbotsdebatten.
Wie ist eure Haltung?
Unser Fokus liegt darauf, Kinder und Jugendliche präventiv zu ermächtigen, etwa mit den sozialen Netzwerken umzugehen. Mit unserem Dachverband, der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, vertreten wir die Position, dass ein Verbot keinen Sinn hat – eine Debatte über Altersgrenzen und Kompetenzen hingegen sehr wohl. Gerade zu den aktuellen Diskussionen um Online-Gewalt und virtuelle Vergewaltigung hat das viel angestoßen.
Künstliche Intelligenz hast du bereits angesprochen. Was unternehmt ihr in dieser Hinsicht?
KI wird alles verändern. Oder besser, sie verändert bereits alles. Wir verwenden ganz konkrete Methoden, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz etwa Fake-News zu generieren. Und während wir das tun, sprechen wir darüber, was Desinformation eigentlich ist, wem man glauben kann, mit wem man in einer echten Beziehung ist – auch die Frage, was geschieht, wenn man eine Beziehung zu einem Chatbot aufnimmt, gehört dazu. Das gehört zur Wirklichkeit, das ist da, und wir müssen damit umgehen.
Lass uns noch einmal zurückblicken: Das Spektrum des jfc hat sich im Lauf der Jahre enorm erweitert – wie?
Wir haben schon immer Publikationen zu relevanten medienpädagogischen Themen herausgegeben. Wir hatten jahrelang die Schriftenreihe „MedienConcret“, nun haben wir eine Förderung erhalten, die es uns erlaubt, diese als Online-Magazin weiterzuführen. Wir wollen auch die Jugendperspektive einbeziehen, deshalb haben wir einen Jugend-Board gegründet. Wichtig ist darüber hinaus unser Festival – „Cinepänz“ gibt es seit fast 40 Jahren. Dann betreiben wir die landesgeförderte Plattform „spinxx“, ein FilmkritikerInnen-Format, für das wir mit Jugendredaktionen in NRW zusammenarbeiten.
Welches Verhältnis haben Kinder und Jugendliche heute zu Kino? Muss man die zu „Cinepänz“ hinschleifen, oder kommen sie freiwillig?
„Cinepänz“ ist immer gut ausgebucht. Wir haben im Rahmen einer Kooperation mit der Kölner Freiwilligenagentur Kinder mit Fluchthintergrund eingeladen, zum Festival zu kommen, das war ein großer Erfolg. Wie damals gehen wir in Bürger- und Jugendzentren, um die Filme dahin zu bringen, wo unser Publikum ist – nicht jeder kann von Chorweiler in die Südstadt ins Kino fahren. Dieses Konzept von „Cinepänz“ funktioniert wunderbar. Was wir brauchen, sind gut gemachte Filme für Kinder und Jugendliche.
Wie werdet ihr gefördert?
Wir sind dankbar, dass wir seit 50 Jahren Teil der Strukturförderung des Kinder- und Jugendförderplans des Landes NRW sind, und dass wir vom Jugendamt der Stadt Köln kontinuierlich seit damals gefördert werden. Ohne diese Förderung könnten wir keine Projektmittel einholen, die wir dann in einzelne Vorhaben stecken. Zum Beispiel machen wir Angebote für Menschen in Geflüchtetenheimen – sobald wir Projektmittel haben, verfügen wir über Workshop-Tage, so dass Träger in NRW mit uns eine Fortbildung oder Ähnliches veranstalten kann.
Das heißt, dass ihr eine Einrichtung für ganz NRW seid?
So ist es. Wir haben im ganzen Land rund 100 freie Mitarbeitende, und wir legen Wert darauf, Veranstaltungen vor Ort durchzuführen mit den jeweiligen Fachkräften, die das Wissen dann von dort aus weiter verbreiten.