Filmszene Aktuell

Neue Wege der Filmbildung: Netzwerk Lichtspiel in Köln

Vom 10. bis 12. September lädt das Netzwerk LICHTSPIEL erstmals zur Lichtspielwerkstatt nach Köln. An der Universität zu Köln und der Kunsthochschule für Medien geht es in Workshops, Panels, Filmprogrammen und offenen Gesprächsformaten um die Frage, wie kulturelle Filmbildung künftig aussehen und organisiert werden könnte.

Von Werner Busch.


»What we cannot imagine, cannot come into being« – mit diesem Satz von bell hooks überschreibt LICHTSPIEL seine erste Lichtspielwerkstatt. Drei Tage lang wird Köln damit zum Treffpunkt für Filmvermittlung und kulturelle Filmbildung. Vom 10. bis 12. September finden an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln sowie in der Aula der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) Workshops, Panels, Installationen und Filmprogramme statt. Am 13. September zieht die Werkstatt für ihren abschließenden Familientag in die Lichtburg Essen weiter.

Hinter der Veranstaltung steht LICHTSPIEL – Netzwerk kulturelle Filmbildung, das Anfang 2024 aus einer Arbeitsgruppe des Hauptverbands Cinephilie hervorgegangen ist. Im Netzwerk arbeiten Menschen aus Kinos, Filmhäusern, Festivals, Filmerbe-Einrichtungen, Hochschulen und der freien Filmvermittlung zusammen. Zu den beteiligten Institutionen gehören unter anderem das Filmhaus Köln, das Arsenal – Institut für Film und Videokunst, das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum und das Sinema Transtopia. LICHTSPIEL versteht Filmbildung als Teil einer Filmkultur, die dem Kino verbunden ist, zugleich aber weit über den Kinosaal hinausreichen kann.

Dabei geht es dem Netzwerk auch um die Strukturen hinter der Filmbildung. LICHTSPIEL fordert eine bundesweite Strategie und neue Fördermodelle, die nicht allein einzelne Projekte finanzieren, sondern dezentrale und langfristige Strukturen ermöglichen. Filmbildung soll unabhängig von kommerziellen Interessen stattfinden, unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven berücksichtigen und faire Arbeitsbedingungen ermöglichen.

Kino als sozialer Ort

Diese Fragen werden bei der Lichtspielwerkstatt nicht ausschließlich theoretisch diskutiert. Schon am ersten Nachmittag geht es etwa unter dem Titel »Das Kino als Dritter Ort« um das Verhältnis von Kino, Filmbildung und Stadtgesellschaft. Ausgangspunkt ist das Frankfurter Berger Kino: Ein queer-feministisches Kollektiv hatte das leerstehende Kino besetzt und anschließend gemeinsam mit Kinobegeisterten und Menschen aus der Nachbarschaft ein Konzept für einen kommunalen Kulturort entwickelt. In Köln berichten Beteiligte über die Erfahrungen und diskutieren darüber, was Kino und Stadtteil füreinander sein können.

Parallel nimmt die Werkstatt auch das Berufsbild der Filmvermittlung in den Blick. Eine anerkannte Ausbildung zur Filmvermittler*in gibt es bislang nicht. Der Workshop mit anschließendem Panel »Was für eine (Aus-)Bildung wollen wir?« fragt deshalb, welche Aus- und Weiterbildungsstrukturen notwendig wären. Beteiligt sind unter anderem Lisa Haußmann, Dalia Soliman, Gudrun Sommer und der Kölner Professor für Ästhetische Bildung Manuel Kargın-Zahn. Auch die vom Filmhaus Köln angebotene Zusatzqualifikation Filmbildung gehört zu den Praxisbeispielen.

Dass Vermittlung nicht vollständig planbar ist, macht wiederum das Format »Das Unerwartete, das Unkalkulierbare« zum Thema. An verschiedenen Tischen sollen Erfahrungen darüber ausgetauscht werden, wie Filmvermittler*innen mit unbekannten Situationen und den vielen Variablen ihrer Arbeit umgehen.

Am Freitag rücken die politischen und materiellen Bedingungen stärker in den Mittelpunkt. »Institutional Change – Gespräche zum strukturellen Wandel« fragt nach Förderlogiken, Räumen, finanziellen und personellen Ressourcen, aber ebenso nach den Arbeits- und Beziehungsformen, die kulturelle Filmbildung überhaupt ermöglichen. Das offene Tischgespräch soll Menschen und Initiativen zusammenbringen, die bereits andere Formen der Zusammenarbeit und Vermittlung ausprobieren.

Filmbildung zum Ausprobieren

Der Werkstatt-Gedanke hat besondere Wichtigkeit: Neben Vorträgen und Gesprächen gibt es zahlreiche praktische Formate. Besonders anschaulich wird das am Freitagvormittag bei »Kriechen, Flattern und Spüren«: Schülerinnen der Kölner Heliosschule und Studierende der Universität zu Köln haben ästhetische Forschungslabore entwickelt, in denen sich Besucherinnen mit Kamera, Sound, Licht und Bewegung den Welten von Bienen, Libellen und anderen Insekten nähern können. Filmästhetische Erfahrung verbindet sich hier mit Fragen nach Klimawandel und Artensterben.

Über mehrere Tage ist außerdem der Filmspielplatz der niederländischen Taartrovers geöffnet. Hinzu kommen filmpraktische Workshops wie »Sensations«, Veranstaltungen zum Spielen mit Film sowie ein Panel über inklusive Räume und »Aesthetics of Access«. Am Samstagvormittag mündet das Kölner Programm schließlich in »Polyvisionen« und ein gemeinsames Plenum.

Zwei Filmabende in der KHM

Auch das Kino selbst bekommt seinen Platz. An den ersten beiden Abenden wechselt die Lichtspielwerkstatt von der Universität in das Kino der KHM-Aula.

Am Donnerstag, 10. September, wird dort The Fall Of A Queen, Or The Taste Of the Fruit To Come gezeigt. Akiko Hadas 20-minütige Videooper aus dem Jahr 1991 verbindet Gesang, Laut- und Gebärdensprache sowie Untertitel. Das Werk tritt an diesem Abend in einen Dialog mit einer neuen Gebärdensprachpoesie-Performance von Rafael-Evitan Grombelka. Anschließend sprechen Beteiligte mit dem Publikum über Videooper und Performance. Das Gespräch findet in Deutscher Gebärdensprache und deutscher Lautsprache statt.

Am Freitagabend folgt in der KHM das Filmprogramm »Utopie2000«. Damit wird die programmatische Frage der gesamten Werkstatt noch einmal ins Kino verlegt: Welche Vorstellungen von Zukunft lassen sich entwickeln – und welche Rolle können Filme dabei spielen?

Zugänglichkeit ist dabei nicht nur Gegenstand einzelner Veranstaltungen. Die Räume der Lichtspielwerkstatt sind mit dem Rollstuhl erreichbar, Begleitpersonen erhalten freien Eintritt. Das Filmprogramm am Donnerstag sowie das Panel zu inklusiven Räumen am Freitag werden in Deutsche Gebärdensprache übersetzt; die Filmprogramme verfügen über erweiterte Untertitel. Für den Donnerstagabend in der KHM steht zudem eine Induktionsschleife zur Verfügung.

Einzelne Veranstaltungen können kostenlos besucht werden

Für die Lichtspielwerkstatt gibt es Tages- und Werkstatttickets mit Preisen nach Selbsteinschätzung. Ein Tag kostet 10, 15 oder 20 Euro, für alle drei Kölner Tage werden 25, 45 oder 60 Euro berechnet. Darin ist jeweils ein Mittagessen enthalten. Wer nur einzelne Veranstaltungen besuchen möchte, kann dagegen kostenlos und ohne Anmeldung vorbeikommen; um eine Spende wird gebeten. Für Menschen, die sich ein Ticket nicht leisten können, hält LICHTSPIEL außerdem Sonderkontingente bereit.

Die Kölner Veranstaltungen finden vom 10. bis 12. September 2026 an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, Gronewaldstraße 2, sowie für die beiden Abendprogramme in der Aula der KHM, Filzengraben 2, statt. Am Sonntag, 13. September, endet die Lichtspielwerkstatt mit dem Filmspielplatz in der Lichtburg Essen.

Programm und weitere Informationen bei LICHTSPIEL

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