Mit Das Geheimnis der gestohlenen Maske kehrt Nancy Mac Granaky-Quaye zum Afrika Filmfestival Köln zurück – diesmal nicht als Kuratorin, sondern als Regisseurin. Ihr Kinderkrimi verbindet eine Familiengeschichte mit der Frage nach kolonialer Raubkunst und ihrer Restitution. Filmszene Köln sprach mit der Kölner Filmemacherin über den richtigen Ton für ein junges Publikum, ihre Verbindung zum Festival und die Entwicklung von Diversität im deutschen Film.
Von Frank Olbert.
Köln ist die 1972 in Neuss geborene Nancy Mac Granaky-Quaye auf vielfältige Weise verbunden. Hier hat sie an der ifs internationale filmschule Regie studiert und ist seit vielen Jahren in der Filmszene aktiv. Vor allem aber gestaltete sie als Kuratorin das Afrika Filmfestival Köln mit, das nun ihren neuen Film zeigt: Das Geheimnis der gestohlenen Maske ist ein Krimi für Kinder, in dem die Protagonistin, die elfjährige Johanna, zum ersten Mal ihrem Großvater Kito aus Tansania begegnet. Ein gemeinsamer Museumsbesuch konfrontiert Johanna mit einem Problem, das seit geraumer Zeit nicht allein die deutsche, sondern die europäische Kunst- und Museumsszene beschäftigt: Wie gehen die Museen der ehemaligen Kolonialmächte mit Ausstellungsstücken um, die den einstmals kolonisierten Ländern geraubt wurden? In einem Workshop im Anschluss an die Vorführung kann das Publikum dieses Thema vertiefen.
In ihrem Spielfilmdebüt „Homeshopper’s Paradise“ beschäftigte sich Nancy Mac Granaky-Quay mit der Lebenswirklichkeit der afrodeutschen Punkerin Lisa zwischen ihrem Alltag im Bauwagen und der kapitalistisch aufpolierten Welt des Teleshopping. Der Film feierte in Hof Premiere und lief auch auf dem Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken, und wie in Das Geheimnis der gestohlenen Maske nutzte die Regisseurin die Stilmittel der Komödie, um sperrige Fragen und Charaktere aufzubrechen. Mit ihrem neuen Film kehrt sie nun also zu einem Festival zurück, dem sie in anderer Funktion bereits eng verbunden war.
Frank Olbert: Nancy, Das Geheimnis der gestohlenen Maske bearbeitet ein komplexes Problem, nämlich Raubkunst, in einem Krimi, und dann auch noch in einem Krimi für Kinder. Wie geht das?
Nancy Mac Granaky-Quaye: Da wir – Produktion, Drehbuch, Regie – davon ausgehen mussten, dass die Zuschauenden nicht viel über dieses Thema wissen, wollten wir sie da abholen, wo sie sind. Uns war wichtig, dass der Film unterhaltsam und nicht belehrend ist. Am Ende haben wir mit viel Humor gearbeitet, um die ernsthaften Themen des Films aufzufangen. Generell ist mir Humor in meinen Filmen immer sehr wichtig. Der Prozess war insgesamt unglaublich intensiv, weil jede und jeder unterschiedliche Perspektiven hatte und allen der Film wichtig war. Eine besondere Herausforderung bei Kinderdrehs sind die zeitlichen Vorgaben, die man einhalten muss.
Gibt es eine Art „kindlicher Perspektive“ auf das Erbe des Kolonialismus und den Umgang damit – unter anderem den der Museen?
In den 1970er-Jahren gab es schon einmal eine weltweite Debatte um Raubkunst. Ich würde deshalb sagen, es geht darum, dass man Traumata nicht verdrängen kann. Sie kommen immer wieder hoch, egal, wie sehr wir sie unterdrücken. Wenn wir uns ihnen widmen und sie verarbeiten, haben wir eine Chance, uns weiterzuentwickeln. Und ganz kindlich-pragmatisch: Wenn Unrecht getan wurde, kann man versuchen, es wieder gutzumachen.
Zum Afrika Film Festival Köln – du bist dem Festival lange verbunden. Was bedeutet dieses Festival für Dich persönlich, und und wie bewertest Du seine Ausstrahlungskraft, auch über Köln hinaus?
Ich war einmal auf dem renommierten Durban Filmfestival in Südafrika. Jeder dort kannte das Afrika Film Festival Köln. Es ist eines der wichtigsten Festivals mit diesem Schwerpunkt. Die Filme, die wir dort sehen können, sind qualitativ auf einem Niveau mit europäischen oder amerikanischen Filmen. Die Erzählungen sind am Puls der Zeit, universell und spannend. Sie helfen, geopolitische Zusammenhänge besser zu verstehen. Auf der anderen Seite ist das Festival als Publikumsfestival ein toller Treffpunkt und „the place to be“ im Herbst. Ich versuche, jedes Jahr zu kommen, aber leider klappt es nicht immer.
Wie schätzt Du die Entwicklung des deutschen Films im Blick auf Diversität ein?
Es hat sich ein bisschen zum Guten verändert, aber durch die Wirtschaftskrise und den politischen Rechtsruck gibt es eine spürbare Rückwärtsentwicklung. Firmen, Sender und Förderer setzen vermehrt auf Altbewährtes und gehen weniger Risiken ein.
Was sind Deine Projekte, woran arbeitest Du aktuell?
Momentan bin ich noch in der Schnittphase einer Teenager Serie für die BBC Germany. Dann habe ich einen Film-Stoff, an dem ich gerne weiterarbeiten würde, aber wie immer fehlt die Zeit.
Das Geheimnis der gestohlenen Maske läuft am 20. September im Rahmen des Afrika Filmfestivals Köln um 13.30 Uhr in den Lichtspielen Kalk.
Der Workshops findet in den wenige Minuten entfernten Räumen des deepower e.V. statt, Ottmar-Pohl-Platz 3a in 51103 Köln.
Titelbild: Das Geheimnis der gestohlenen Maske, Foto (c) Steffen Junghans/MadeFor
Mit Das Geheimnis der gestohlenen Maske kehrt Nancy Mac Granaky-Quaye zum Afrika Filmfestival Köln zurück – diesmal nicht als Kuratorin, sondern als Regisseurin. Ihr Kinderkrimi verbindet eine Familiengeschichte mit der Frage nach kolonialer Raubkunst und ihrer Restitution. Filmszene Köln sprach mit der Kölner Filmemacherin über den richtigen Ton für ein junges Publikum, ihre Verbindung zum Festival und die Entwicklung von Diversität im deutschen Film.
Von Frank Olbert.
Köln ist die 1972 in Neuss geborene Nancy Mac Granaky-Quaye auf vielfältige Weise verbunden. Hier hat sie an der ifs internationale filmschule Regie studiert und ist seit vielen Jahren in der Filmszene aktiv. Vor allem aber gestaltete sie als Kuratorin das Afrika Filmfestival Köln mit, das nun ihren neuen Film zeigt: Das Geheimnis der gestohlenen Maske ist ein Krimi für Kinder, in dem die Protagonistin, die elfjährige Johanna, zum ersten Mal ihrem Großvater Kito aus Tansania begegnet. Ein gemeinsamer Museumsbesuch konfrontiert Johanna mit einem Problem, das seit geraumer Zeit nicht allein die deutsche, sondern die europäische Kunst- und Museumsszene beschäftigt: Wie gehen die Museen der ehemaligen Kolonialmächte mit Ausstellungsstücken um, die den einstmals kolonisierten Ländern geraubt wurden? In einem Workshop im Anschluss an die Vorführung kann das Publikum dieses Thema vertiefen.
In ihrem Spielfilmdebüt „Homeshopper’s Paradise“ beschäftigte sich Nancy Mac Granaky-Quay mit der Lebenswirklichkeit der afrodeutschen Punkerin Lisa zwischen ihrem Alltag im Bauwagen und der kapitalistisch aufpolierten Welt des Teleshopping. Der Film feierte in Hof Premiere und lief auch auf dem Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken, und wie in Das Geheimnis der gestohlenen Maske nutzte die Regisseurin die Stilmittel der Komödie, um sperrige Fragen und Charaktere aufzubrechen. Mit ihrem neuen Film kehrt sie nun also zu einem Festival zurück, dem sie in anderer Funktion bereits eng verbunden war.
Frank Olbert: Nancy, Das Geheimnis der gestohlenen Maske bearbeitet ein komplexes Problem, nämlich Raubkunst, in einem Krimi, und dann auch noch in einem Krimi für Kinder. Wie geht das?
Nancy Mac Granaky-Quaye: Da wir – Produktion, Drehbuch, Regie – davon ausgehen mussten, dass die Zuschauenden nicht viel über dieses Thema wissen, wollten wir sie da abholen, wo sie sind. Uns war wichtig, dass der Film unterhaltsam und nicht belehrend ist. Am Ende haben wir mit viel Humor gearbeitet, um die ernsthaften Themen des Films aufzufangen. Generell ist mir Humor in meinen Filmen immer sehr wichtig. Der Prozess war insgesamt unglaublich intensiv, weil jede und jeder unterschiedliche Perspektiven hatte und allen der Film wichtig war. Eine besondere Herausforderung bei Kinderdrehs sind die zeitlichen Vorgaben, die man einhalten muss.
Gibt es eine Art „kindlicher Perspektive“ auf das Erbe des Kolonialismus und den Umgang damit – unter anderem den der Museen?
In den 1970er-Jahren gab es schon einmal eine weltweite Debatte um Raubkunst. Ich würde deshalb sagen, es geht darum, dass man Traumata nicht verdrängen kann. Sie kommen immer wieder hoch, egal, wie sehr wir sie unterdrücken. Wenn wir uns ihnen widmen und sie verarbeiten, haben wir eine Chance, uns weiterzuentwickeln. Und ganz kindlich-pragmatisch: Wenn Unrecht getan wurde, kann man versuchen, es wieder gutzumachen.
Zum Afrika Film Festival Köln – du bist dem Festival lange verbunden. Was bedeutet dieses Festival für Dich persönlich, und und wie bewertest Du seine Ausstrahlungskraft, auch über Köln hinaus?
Ich war einmal auf dem renommierten Durban Filmfestival in Südafrika. Jeder dort kannte das Afrika Film Festival Köln. Es ist eines der wichtigsten Festivals mit diesem Schwerpunkt. Die Filme, die wir dort sehen können, sind qualitativ auf einem Niveau mit europäischen oder amerikanischen Filmen. Die Erzählungen sind am Puls der Zeit, universell und spannend. Sie helfen, geopolitische Zusammenhänge besser zu verstehen. Auf der anderen Seite ist das Festival als Publikumsfestival ein toller Treffpunkt und „the place to be“ im Herbst. Ich versuche, jedes Jahr zu kommen, aber leider klappt es nicht immer.
Wie schätzt Du die Entwicklung des deutschen Films im Blick auf Diversität ein?
Es hat sich ein bisschen zum Guten verändert, aber durch die Wirtschaftskrise und den politischen Rechtsruck gibt es eine spürbare Rückwärtsentwicklung. Firmen, Sender und Förderer setzen vermehrt auf Altbewährtes und gehen weniger Risiken ein.
Was sind Deine Projekte, woran arbeitest Du aktuell?
Momentan bin ich noch in der Schnittphase einer Teenager Serie für die BBC Germany. Dann habe ich einen Film-Stoff, an dem ich gerne weiterarbeiten würde, aber wie immer fehlt die Zeit.
Das Geheimnis der gestohlenen Maske läuft am 20. September im Rahmen des Afrika Filmfestivals Köln um 13.30 Uhr in den Lichtspielen Kalk.
Der Workshops findet in den wenige Minuten entfernten Räumen des deepower e.V. statt, Ottmar-Pohl-Platz 3a in 51103 Köln.
Titelbild: Das Geheimnis der gestohlenen Maske, Foto (c) Steffen Junghans/MadeFor