Der erste Langfilm ist für Regisseur oft der entscheidende Schritt – doch gerade dieser Schritt ist schwieriger geworden. Beim Symposium „Debütfilm – Was geht?“ diskutiert das Filmbüro NW am 1. Oktober im Filmhaus Köln mit Filmschaffenden, Sendern, Förderungen und Verleihern darüber, wie neue Stimmen heute ihren Weg auf die Leinwand finden. Ein Tag über Filmförderung und Produktionsbedingungen – aber vor allem über die Frage, welche Filme wir künftig im Kino sehen werden.
Von Werner Busch.
Irgendwann muss es einen ersten Film geben. Bevor Christian Petzold, Maren Ade oder Fatih Akin regelmäßig mit neuen Arbeiten im Kino vertreten waren, standen auch sie einmal vor der Aufgabe, einen ersten Langfilm zu finanzieren, zu drehen und schließlich zu einem Publikum zu bringen. Debüts sind deshalb weit mehr als eine Visitenkarte für Nachwuchsregisseur. Hier entstehen neue Handschriften, Erzählformen und Perspektiven – und nicht selten Filme, die mit geringeren Budgets größere Risiken eingehen als etablierte Produktionen.
Doch genau dieser Einstieg ist schwieriger geworden. Das Filmbüro NW nimmt diese Entwicklung zum Ausgangspunkt seines diesjährigen Symposiums. Unter dem bewusst knapp gehaltenen Titel „Debütfilm – Was geht?“ treffen sich am Donnerstag, 1. Oktober 2026, Filmschaffende, Produzent*innen, Sendervertreter, Förderinstitutionen und Verleiher im Filmhaus Köln. Das Symposium geht direkt in die Materie und verfolgt einen Film gewissermaßen durch die verschiedenen Stationen seines Entstehens: Wer finanziert ihn? Wer produziert ihn? Welche Rolle spielen Fernsehsender noch? Und wie erreicht ein Debüt nach seiner Fertigstellung überhaupt ein Publikum?
Wenn der erste Film zum Nadelöhr wird
Die Ausgangslage beschreibt das Filmbüro deutlich: Die Neuordnung der Filmförderung habe für Unsicherheit und Verzögerungen gesorgt, Fernsehsender engagierten sich weniger stark für Kinofilme und konzentrierten sich zunehmend auf Streaming- und Onlineangebote. Gleichzeitig konkurriert eine wachsende Zahl von Absolvent*innen der Filmhochschulen um Finanzierungsmöglichkeiten und Sendeplätze.
Was zunächst nach einer sehr branchenspezifischen Diskussion klingt, betrifft letztlich das gesamte Kinopublikum. Denn wenn der Einstieg für neue Filmemacher schwieriger wird, entscheidet sich bereits in dieser frühen Phase, welche Geschichten überhaupt erzählt werden können – und welche Ästhetiken, Themen und gesellschaftlichen Perspektiven später im Kino sichtbar werden. Und welche nicht.
Den Vormittag eröffnen deshalb zwei grundsätzliche Bestandsaufnahmen. Produzentin Alexandra Krampe von Julex Film / PROG hält die erste Keynote, anschließend spricht Regisseur und Produzent Çağdaş Eren Yüksel vom Kollektiv Zwo. Danach wird es konkret: Drei aktuelle Filme zeigen in Case Studies, auf welchen unterschiedlichen Wegen Debüts entstehen können.
Drei Filme, drei Wege zum Debüt
Mit Katharina Hubers Ein schöner Ort steht ein Film im Mittelpunkt, dessen Weg bereits weit geführt hat. Hubers erster Langfilm feierte 2023 beim Filmfestival von Locarno seine Weltpremiere und wurde dort unter anderem mit dem Preis für die beste Nachwuchsregie ausgezeichnet. Trotz dieses großen Festival-Erfolgs dauerte der Weg zu einem Kino-Verleih noch über zwei Jahre, erst im November 2025 kam Ein schöner Ort ins Kino.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Jelena Ilić in ihrem dokumentarischen Debüt Eine Krankheit wie ein Gedicht. Darin setzt sie sich mit ihrem Vater auseinander, der nach Jahren in der forensischen Psychiatrie vor seiner Entlassung steht. Ilić verbindet dokumentarische Beobachtung mit Animation und der Kunst ihres Vaters. Produziert wurde der Film von der Kölner Made in Germany Filmproduktion; nach seiner Premiere beim Max Ophüls Preis und mehreren Festivalauszeichnungen startet er nur eine Woche nach dem Symposium, am 8. Oktober, regulär im Kino. Beim Symposium berichten Ilić und Produzentin Melanie Andernach über die Entstehung.
Als drittes Beispiel stellt Nicolas Ehret Morgen war Krieg vor. Sein Spielfilm entwirft ein Deutschland der nahen Zukunft: Nach einer Generalmobilmachung durch eine rechte Regierung verstecken sich ein junger Mann und seine Schwester in einem abgelegenen Haus und geraten zwischen Flüchtlinge und eine Bürgerwehr.
Gerade diese drei sehr unterschiedlichen Arbeiten machen deutlich, dass „Debütfilm“ keine eigene ästhetische Kategorie ist. Das Spektrum reicht vom persönlichen Dokumentarfilm bis zum politischen Zukunftsszenario. Gemeinsam ist den Filmen die Frage, unter welchen Bedingungen eine erste große Arbeit realisiert werden kann.
Wer ermöglicht den ersten Film?
Am Nachmittag wechselt die Perspektive von den konkreten Filmen zu den Strukturen dahinter. Über die Förderung von Debütfilmen sprechen Christina Bentlage, Direktorin des Kuratoriums junger deutscher Film, Dominik Tschütscher vom Österreichischen Filminstitut und Mariana Schneider, Förderreferentin für Talentfilm bei Hessen Film & Medien.
Anschließend geht es um ein Verhältnis, das den deutschen Kinofilm über Jahrzehnte geprägt hat: die Zusammenarbeit von Produktion und öffentlich-rechtlichem Fernsehen. Christian Bauer vom SR, Götz Vogt vom WDR und ARD-Debüt, Alexandra Krampe sowie Melanie Andernach diskutieren über die heutige Rolle von Sendern und Produzent. Gerade für erste Filme ist diese Frage entscheidend: Welche Partner sind bereit, ein Projekt mitzutragen, wenn hinter einem Namen noch keine Reihe erfolgreicher Kinofilme steht?
Aber auch ein fertiggestellter Film hat sein Publikum noch längst nicht gefunden. Deshalb widmet sich das letzte Panel der Auswertung, dem Vertrieb und der Sichtbarkeit. Mit Christos Acrivulis von MissingFILMs, Joachim Kühn vom Kölner Real Fiction Filmverleih und Stefco Escofet von der Plattform Dokomotive sitzen hier Vertreter verschiedener Wege zum Publikum auf dem Podium.
Eine Frage nach der Zukunft des Kinos
So lässt sich das Symposium auch als Reise durch das Leben eines Films lesen: von der ersten Finanzierung über Produktion und Senderbeteiligung bis zu Verleih, Kino und alternativen Plattformen. Moderiert wird der Tag von Jenni Zylka, am Ende steht eine gemeinsame Abschlussdiskussion; anschließend geht es beim Get-together im Foyer informell weiter.
Das macht „Debütfilm – Was geht?“ auch für Menschen interessant, die selbst keinen Förderantrag schreiben und keinen Film produzieren wollen. Denn hinter all den Fragen nach Finanzierung, Sendern und Verleih steckt eine wesentlich größere: Wie offen ist unsere Filmlandschaft noch für Menschen, die zum ersten Mal eine eigene filmische Handschrift entwickeln?
Welche Antworten darauf gefunden werden, entscheidet letztlich auch darüber, was in einigen Jahren auf unseren Leinwänden zu sehen sein wird.
Debütfilm – Was geht?
Donnerstag, 1. Oktober 2026
Begrüßung: 9.45 Uhr, Programm ab 10 Uhr
Filmhaus Kino Köln, Maybachstraße 111
Ganzer Tag: 15 Euro / 10 Euro ermäßigt
Halber Tag: 10 Euro / 7 Euro ermäßigt
Mitglieder des Filmbüro NW haben freien Eintritt. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Titelbild: Dreharbeiten zu Ein schöner Ort, Foto: Katharina Huber
Der erste Langfilm ist für Regisseur oft der entscheidende Schritt – doch gerade dieser Schritt ist schwieriger geworden. Beim Symposium „Debütfilm – Was geht?“ diskutiert das Filmbüro NW am 1. Oktober im Filmhaus Köln mit Filmschaffenden, Sendern, Förderungen und Verleihern darüber, wie neue Stimmen heute ihren Weg auf die Leinwand finden. Ein Tag über Filmförderung und Produktionsbedingungen – aber vor allem über die Frage, welche Filme wir künftig im Kino sehen werden.
Von Werner Busch.
Irgendwann muss es einen ersten Film geben. Bevor Christian Petzold, Maren Ade oder Fatih Akin regelmäßig mit neuen Arbeiten im Kino vertreten waren, standen auch sie einmal vor der Aufgabe, einen ersten Langfilm zu finanzieren, zu drehen und schließlich zu einem Publikum zu bringen. Debüts sind deshalb weit mehr als eine Visitenkarte für Nachwuchsregisseur. Hier entstehen neue Handschriften, Erzählformen und Perspektiven – und nicht selten Filme, die mit geringeren Budgets größere Risiken eingehen als etablierte Produktionen.
Doch genau dieser Einstieg ist schwieriger geworden. Das Filmbüro NW nimmt diese Entwicklung zum Ausgangspunkt seines diesjährigen Symposiums. Unter dem bewusst knapp gehaltenen Titel „Debütfilm – Was geht?“ treffen sich am Donnerstag, 1. Oktober 2026, Filmschaffende, Produzent*innen, Sendervertreter, Förderinstitutionen und Verleiher im Filmhaus Köln. Das Symposium geht direkt in die Materie und verfolgt einen Film gewissermaßen durch die verschiedenen Stationen seines Entstehens: Wer finanziert ihn? Wer produziert ihn? Welche Rolle spielen Fernsehsender noch? Und wie erreicht ein Debüt nach seiner Fertigstellung überhaupt ein Publikum?
Wenn der erste Film zum Nadelöhr wird
Die Ausgangslage beschreibt das Filmbüro deutlich: Die Neuordnung der Filmförderung habe für Unsicherheit und Verzögerungen gesorgt, Fernsehsender engagierten sich weniger stark für Kinofilme und konzentrierten sich zunehmend auf Streaming- und Onlineangebote. Gleichzeitig konkurriert eine wachsende Zahl von Absolvent*innen der Filmhochschulen um Finanzierungsmöglichkeiten und Sendeplätze.
Was zunächst nach einer sehr branchenspezifischen Diskussion klingt, betrifft letztlich das gesamte Kinopublikum. Denn wenn der Einstieg für neue Filmemacher schwieriger wird, entscheidet sich bereits in dieser frühen Phase, welche Geschichten überhaupt erzählt werden können – und welche Ästhetiken, Themen und gesellschaftlichen Perspektiven später im Kino sichtbar werden. Und welche nicht.
Den Vormittag eröffnen deshalb zwei grundsätzliche Bestandsaufnahmen. Produzentin Alexandra Krampe von Julex Film / PROG hält die erste Keynote, anschließend spricht Regisseur und Produzent Çağdaş Eren Yüksel vom Kollektiv Zwo. Danach wird es konkret: Drei aktuelle Filme zeigen in Case Studies, auf welchen unterschiedlichen Wegen Debüts entstehen können.
Drei Filme, drei Wege zum Debüt
Mit Katharina Hubers Ein schöner Ort steht ein Film im Mittelpunkt, dessen Weg bereits weit geführt hat. Hubers erster Langfilm feierte 2023 beim Filmfestival von Locarno seine Weltpremiere und wurde dort unter anderem mit dem Preis für die beste Nachwuchsregie ausgezeichnet. Trotz dieses großen Festival-Erfolgs dauerte der Weg zu einem Kino-Verleih noch über zwei Jahre, erst im November 2025 kam Ein schöner Ort ins Kino.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Jelena Ilić in ihrem dokumentarischen Debüt Eine Krankheit wie ein Gedicht. Darin setzt sie sich mit ihrem Vater auseinander, der nach Jahren in der forensischen Psychiatrie vor seiner Entlassung steht. Ilić verbindet dokumentarische Beobachtung mit Animation und der Kunst ihres Vaters. Produziert wurde der Film von der Kölner Made in Germany Filmproduktion; nach seiner Premiere beim Max Ophüls Preis und mehreren Festivalauszeichnungen startet er nur eine Woche nach dem Symposium, am 8. Oktober, regulär im Kino. Beim Symposium berichten Ilić und Produzentin Melanie Andernach über die Entstehung.
Als drittes Beispiel stellt Nicolas Ehret Morgen war Krieg vor. Sein Spielfilm entwirft ein Deutschland der nahen Zukunft: Nach einer Generalmobilmachung durch eine rechte Regierung verstecken sich ein junger Mann und seine Schwester in einem abgelegenen Haus und geraten zwischen Flüchtlinge und eine Bürgerwehr.
Gerade diese drei sehr unterschiedlichen Arbeiten machen deutlich, dass „Debütfilm“ keine eigene ästhetische Kategorie ist. Das Spektrum reicht vom persönlichen Dokumentarfilm bis zum politischen Zukunftsszenario. Gemeinsam ist den Filmen die Frage, unter welchen Bedingungen eine erste große Arbeit realisiert werden kann.
Wer ermöglicht den ersten Film?
Am Nachmittag wechselt die Perspektive von den konkreten Filmen zu den Strukturen dahinter. Über die Förderung von Debütfilmen sprechen Christina Bentlage, Direktorin des Kuratoriums junger deutscher Film, Dominik Tschütscher vom Österreichischen Filminstitut und Mariana Schneider, Förderreferentin für Talentfilm bei Hessen Film & Medien.
Anschließend geht es um ein Verhältnis, das den deutschen Kinofilm über Jahrzehnte geprägt hat: die Zusammenarbeit von Produktion und öffentlich-rechtlichem Fernsehen. Christian Bauer vom SR, Götz Vogt vom WDR und ARD-Debüt, Alexandra Krampe sowie Melanie Andernach diskutieren über die heutige Rolle von Sendern und Produzent. Gerade für erste Filme ist diese Frage entscheidend: Welche Partner sind bereit, ein Projekt mitzutragen, wenn hinter einem Namen noch keine Reihe erfolgreicher Kinofilme steht?
Aber auch ein fertiggestellter Film hat sein Publikum noch längst nicht gefunden. Deshalb widmet sich das letzte Panel der Auswertung, dem Vertrieb und der Sichtbarkeit. Mit Christos Acrivulis von MissingFILMs, Joachim Kühn vom Kölner Real Fiction Filmverleih und Stefco Escofet von der Plattform Dokomotive sitzen hier Vertreter verschiedener Wege zum Publikum auf dem Podium.
Eine Frage nach der Zukunft des Kinos
So lässt sich das Symposium auch als Reise durch das Leben eines Films lesen: von der ersten Finanzierung über Produktion und Senderbeteiligung bis zu Verleih, Kino und alternativen Plattformen. Moderiert wird der Tag von Jenni Zylka, am Ende steht eine gemeinsame Abschlussdiskussion; anschließend geht es beim Get-together im Foyer informell weiter.
Das macht „Debütfilm – Was geht?“ auch für Menschen interessant, die selbst keinen Förderantrag schreiben und keinen Film produzieren wollen. Denn hinter all den Fragen nach Finanzierung, Sendern und Verleih steckt eine wesentlich größere: Wie offen ist unsere Filmlandschaft noch für Menschen, die zum ersten Mal eine eigene filmische Handschrift entwickeln?
Welche Antworten darauf gefunden werden, entscheidet letztlich auch darüber, was in einigen Jahren auf unseren Leinwänden zu sehen sein wird.
Debütfilm – Was geht?
Donnerstag, 1. Oktober 2026
Begrüßung: 9.45 Uhr, Programm ab 10 Uhr
Filmhaus Kino Köln, Maybachstraße 111
Ganzer Tag: 15 Euro / 10 Euro ermäßigt
Halber Tag: 10 Euro / 7 Euro ermäßigt
Mitglieder des Filmbüro NW haben freien Eintritt. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Titelbild: Dreharbeiten zu Ein schöner Ort, Foto: Katharina Huber