Mit der 28. Ausgabe von Stranger Than Fiction bringt das Filmhaus Köln ab dem 23. Januar 2026 erneut eine Auswahl internationaler Dokumentarfilme nach NRW, die aktuelle Themen und neue Formen zusammenführt. Das Programm setzt auf Bandbreite, starke Handschriften und viele Gespräche mit Gästen vor Ort.
Von Werner Busch
Wenn die Macher von Stranger Than Fictionschreiben, die Vielfalt der Themen und Darstellungsweisen sei „kaum jemals größer gewesen“, ist das nicht bloß ein Programmspruch, sondern in diesem Jahr tatsächlich das Leitmotiv: Vom Familienporträt über politische Biografie, Kunst als gesellschaftliches Werkzeug, Klima und Archivfilm bis zur Recherche über Macht und Einfluss in der Gegenwart spannt sich ein Bogen, der weniger auf eine gemeinsame Haltung als auf Reibung und Kontrast setzt. Genau darin liegt die Stärke der Reihe: Dokumentarfilm wird hier nicht als Genre-Schublade verstanden, sondern als offenes Feld, in dem Humor neben Zumutung stehen darf und Beobachtung neben Investigation.
Als Eröffnungsfilm läuft am Freitag, 23. Januar, um 20 Uhr im Filmhaus Kino „Nonna“ von Vincent Graf, eine liebevolle, humorvolle Würdigung einer Großmutter durch ihren Enkel. Dass Graf aktuell an der Kunsthochschule für Medien Kölnstudiert, passt zur Grundidee der Reihe, nicht nur fertige Werke zu zeigen, sondern auch Nachwuchspositionen sichtbar zu machen. Der Regisseur wird bei mehreren Terminen als Gast erwartet, was dem Auftakt den Ton gibt: persönliches Erzählen, nah an Menschen, verbunden mit dem Gespräch im Saal.
Ausdrücklich in die Welt der Bildergeschichte führt „I Am Martin Parr“, der dem kürzlich verstorbenen britischen Fotografen ein filmisches Porträt widmet. Parrs Arbeiten, berühmt und berüchtigt für ihren kompromisslosen Blick auf Konsum, Klasse und Alltagsrituale, sind ein idealer Gegenstand für eine Doku-Reihe, die sich für Perspektiven interessiert: Hier geht es um die Macht des fotografischen Blicks und darum, wie sich Gesellschaft in Oberflächen spiegelt.
Ebenfalls aus einem aktuellen Anlass heraus programmiert ist „Apollo 1“, der am 27. Januar 2026 an den 59. Jahrestag der Katastrophe erinnert. Der Film arbeitet mit eindrucksvollen Archivaufnahmen und macht erfahrbar, wie Technikbegeisterung, politischer Druck und menschliche Fehler in der Raumfahrtgeschichte ineinandergreifen.
„Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung“, Foto: Swissfilms
Stark ist Stranger Than Fiction traditionell dann, wenn Premieren und Gäste den Kinoraum zum Diskursraum erweitern. „Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung“ feiert im Rahmen des Dokumentarfilmfests seine Weltpremiere; Regisseur Fosco Dubini ist bei Vorführungen im Filmhaus zu Gast und spricht über die Arbeit an seinem Film, der die ostdeutsche Künstlerin und Bürgerrechtlerin in den Jahren 1988 bis 1998 porträtiert.
Ebenfalls als Premiere angekündigt ist „Schwarzers Kosmos“, der den Düsseldorfer Künstler Bernd Schwarzer und dessen Langzeitprojekt „Europa Kunstwerk“ in den Mittelpunkt rückt; in Köln ist eine Vorstellung am 25. Januar um 17 Uhr im Filmforum NRW geplant, mit Gast Klaus Martens. Und in „Concrete Dreams“ wird inmitten der Unruhen in Kolumbien ein spontanes Kunstwerk zum Werkzeug des sozialen Wandels; Regisseur Anton Wenzel kommt am 26. Januar um 20 Uhr im Filmhaus zum Filmgespräch.
Die großen Gegenwartsthemen fehlen nicht. Mit „Melt“ ist Nikolaus Geyrhalter, einer der prägenden Namen im Umfeld der Reihe, wieder dabei: Der Film richtet den Blick auf das globale Phänomen von Schnee- und Eisschmelze und sucht dafür Orte auf, an denen die Veränderungen nicht abstrakt, sondern sichtbar und körperlich werden. „Elon Musk Unveiled“ von Andreas Pichler greift die Recherchen rund um die Tesla-Files auf und verknüpft sie zu einem Film über Macht, Erzählung und die Mechanik, mit der sich Einfluss heute organisiert. In Köln laufen beide Titel am 29. Januar um 20 Uhr beziehungsweise am 30. Januar um 18 Uhr im Filmhaus.
Dass Stranger Than Fiction zugleich Nachwuchs fördert, zeigt das Kurzfilmprogramm NRW am 31. Januar um 20 Uhr im Filmhaus, bei dem mehrere Regisseur:innen zu Gast sind. Auch weitere Termine setzen auf Gesprächsnähe, etwa „Vracht“ am 30. Januar um 20.15 Uhr mit Gast Mark Craig oder „sr“ am 1. Februar um 18 Uhr mit Lea Hartlaub. Am Ende ist es genau diese Mischung aus Programmvielfalt und Präsenz im Saal, die Stranger Than Fiction in NRW seit Jahren auszeichnet: Kino als Ort, an dem sich Perspektiven begegnen, ohne sich vorschnell zu einigen.
Mit der 28. Ausgabe von Stranger Than Fiction bringt das Filmhaus Köln ab dem 23. Januar 2026 erneut eine Auswahl internationaler Dokumentarfilme nach NRW, die aktuelle Themen und neue Formen zusammenführt. Das Programm setzt auf Bandbreite, starke Handschriften und viele Gespräche mit Gästen vor Ort.
Von Werner Busch
Wenn die Macher von Stranger Than Fiction schreiben, die Vielfalt der Themen und Darstellungsweisen sei „kaum jemals größer gewesen“, ist das nicht bloß ein Programmspruch, sondern in diesem Jahr tatsächlich das Leitmotiv: Vom Familienporträt über politische Biografie, Kunst als gesellschaftliches Werkzeug, Klima und Archivfilm bis zur Recherche über Macht und Einfluss in der Gegenwart spannt sich ein Bogen, der weniger auf eine gemeinsame Haltung als auf Reibung und Kontrast setzt. Genau darin liegt die Stärke der Reihe: Dokumentarfilm wird hier nicht als Genre-Schublade verstanden, sondern als offenes Feld, in dem Humor neben Zumutung stehen darf und Beobachtung neben Investigation.
Als Eröffnungsfilm läuft am Freitag, 23. Januar, um 20 Uhr im Filmhaus Kino „Nonna“ von Vincent Graf, eine liebevolle, humorvolle Würdigung einer Großmutter durch ihren Enkel. Dass Graf aktuell an der Kunsthochschule für Medien Köln studiert, passt zur Grundidee der Reihe, nicht nur fertige Werke zu zeigen, sondern auch Nachwuchspositionen sichtbar zu machen. Der Regisseur wird bei mehreren Terminen als Gast erwartet, was dem Auftakt den Ton gibt: persönliches Erzählen, nah an Menschen, verbunden mit dem Gespräch im Saal.
Ausdrücklich in die Welt der Bildergeschichte führt „I Am Martin Parr“, der dem kürzlich verstorbenen britischen Fotografen ein filmisches Porträt widmet. Parrs Arbeiten, berühmt und berüchtigt für ihren kompromisslosen Blick auf Konsum, Klasse und Alltagsrituale, sind ein idealer Gegenstand für eine Doku-Reihe, die sich für Perspektiven interessiert: Hier geht es um die Macht des fotografischen Blicks und darum, wie sich Gesellschaft in Oberflächen spiegelt.
Ebenfalls aus einem aktuellen Anlass heraus programmiert ist „Apollo 1“, der am 27. Januar 2026 an den 59. Jahrestag der Katastrophe erinnert. Der Film arbeitet mit eindrucksvollen Archivaufnahmen und macht erfahrbar, wie Technikbegeisterung, politischer Druck und menschliche Fehler in der Raumfahrtgeschichte ineinandergreifen.
Stark ist Stranger Than Fiction traditionell dann, wenn Premieren und Gäste den Kinoraum zum Diskursraum erweitern. „Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung“ feiert im Rahmen des Dokumentarfilmfests seine Weltpremiere; Regisseur Fosco Dubini ist bei Vorführungen im Filmhaus zu Gast und spricht über die Arbeit an seinem Film, der die ostdeutsche Künstlerin und Bürgerrechtlerin in den Jahren 1988 bis 1998 porträtiert.
Ebenfalls als Premiere angekündigt ist „Schwarzers Kosmos“, der den Düsseldorfer Künstler Bernd Schwarzer und dessen Langzeitprojekt „Europa Kunstwerk“ in den Mittelpunkt rückt; in Köln ist eine Vorstellung am 25. Januar um 17 Uhr im Filmforum NRW geplant, mit Gast Klaus Martens. Und in „Concrete Dreams“ wird inmitten der Unruhen in Kolumbien ein spontanes Kunstwerk zum Werkzeug des sozialen Wandels; Regisseur Anton Wenzel kommt am 26. Januar um 20 Uhr im Filmhaus zum Filmgespräch.
Die großen Gegenwartsthemen fehlen nicht. Mit „Melt“ ist Nikolaus Geyrhalter, einer der prägenden Namen im Umfeld der Reihe, wieder dabei: Der Film richtet den Blick auf das globale Phänomen von Schnee- und Eisschmelze und sucht dafür Orte auf, an denen die Veränderungen nicht abstrakt, sondern sichtbar und körperlich werden. „Elon Musk Unveiled“ von Andreas Pichler greift die Recherchen rund um die Tesla-Files auf und verknüpft sie zu einem Film über Macht, Erzählung und die Mechanik, mit der sich Einfluss heute organisiert. In Köln laufen beide Titel am 29. Januar um 20 Uhr beziehungsweise am 30. Januar um 18 Uhr im Filmhaus.
Dass Stranger Than Fiction zugleich Nachwuchs fördert, zeigt das Kurzfilmprogramm NRW am 31. Januar um 20 Uhr im Filmhaus, bei dem mehrere Regisseur:innen zu Gast sind. Auch weitere Termine setzen auf Gesprächsnähe, etwa „Vracht“ am 30. Januar um 20.15 Uhr mit Gast Mark Craig oder „sr“ am 1. Februar um 18 Uhr mit Lea Hartlaub. Am Ende ist es genau diese Mischung aus Programmvielfalt und Präsenz im Saal, die Stranger Than Fiction in NRW seit Jahren auszeichnet: Kino als Ort, an dem sich Perspektiven begegnen, ohne sich vorschnell zu einigen.
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