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Von Wu-Tang bis Mukwege: AFFK-Specials im Januar & Februar

Das Afrika Film Festival Köln (AFFK) findet zwar erst im September statt, ist aber das ganze Jahr über mit Veranstaltungen und Kooperationen in Köln präsent. Im Januar und Februar 2026 stehen einige besondere Filmabende an – mit Deutschlandpremieren, einer Preview und einem ungewöhnlichen Konzertfilm-Event. Im Filmforum NRW und im Rex Kino treffen politische Gegenwart, Musikgeschichte und experimentelle Erzählformen aufeinander.

Von Werner Busch


Wer in den ersten Wochen des Jahres Lust auf Kino hat, das mehr will als nur erzählen, wird bei den Veranstaltungen des Afrika Film Festival Köln fündig. Das Programm setzt auf Begegnungen, Perspektivwechsel und starke Formen – vom dokumentarischen Blick auf medizinische Arbeit im Kriegsgebiet bis zur symphonischen Wucht eines Hip-Hop-Konzerts, vom Erinnern kolonialer Gewalt bis zu einer vielschichtigen Bestandsaufnahme Schwarzer Geschichte(n) und Diaspora.

Den Auftakt im Filmforum NRW macht am 23. Januar um 20 Uhr die Deutschlandpremiere von „MUGANGA“ (Regie: Marie-Hélène Roux). Im Zentrum steht die Begegnung zweier Männer, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Dr. Denis Mukwege, kongolesischer Arzt und Pastor, späterer Friedensnobelpreisträger, trifft auf den belgischen Chirurgen Guy Cadière, Atheist. Was sie verbindet, ist ein gemeinsames Ziel: Frauen zu helfen, deren Körper und Leben im Osten der Demokratischen Republik Kongo durch sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe zerstört wurden. Der Film rückt die Arbeit am Körper ebenso in den Fokus wie die Frage nach Würde – und nach dem Preis, den ganze Gesellschaften zahlen, wenn Gewalt systematisch wird.

Am 31. Januar um 20 Uhr folgt im Filmforum eine exklusive Deutschlandpremiere, die auf den ersten Blick aus einer anderen Welt kommt – und doch ebenfalls von Gemeinschaft erzählt: „A Wu-Tang Experience: Live at Red Rock Amphitheatre“ (USA 2023, Regie: RZA und Gerald K. Barclay). In der Kulisse der Rocky Mountains trifft der Wu-Tang Clan auf ein symphonisches Setup, Hip-Hop auf Orchester-Power, ikonische Stimmen auf monumentale Inszenierung. Der Konzertfilm verspricht nicht nur Nostalgie, sondern einen seltenen Blick auf ein Ereignis, das sich selbst als Ausnahme versteht – ein Crossover, das den Mythos der Gruppe im Live-Moment neu auflädt.

BLKNWS: Terms & Conditions von Kahlil Joseph © Participant

Vom Filmforum geht es Anfang Februar ins Rex Kino Köln: Am 6. Februar um 18 Uhr läuft als Preview „Sorry for the Genocide“ (Namibia/Deutschland 2025). Der Film nimmt eine komplizierte, bis heute spürbare gemeinsame Geschichte zwischen Namibia und Deutschland in den Blick – und setzt dabei auf das Gespräch: unterschiedliche Stimmen, unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Interessen. Im Kern steht die Frage, warum Aussöhnung so oft scheitert – und wie sie aussehen müsste, wenn sie alle Beteiligten wirklich einbindet.

Am 26. Februar um 18 Uhr ebenfalls im Rex Kino: „BLKNWS: Terms & Conditions“ von Kahlil Joseph (Ghana/USA 2025). Der Film ist als Erlebnis gedacht, das sich eher wie ein Musikalbum entfaltet: rhythmisch, modular, mit Wiederholungen, Brüchen, Hooks. Joseph verwebt fiktive und historische Figuren zu einer immersiven Erzählung, die sich über Jahrhunderte erstreckt – an Land und auf dem Meer. Was dabei entsteht, ist eine vielschichtige Montage kollektiver Erinnerung: Schwarze Geschichte(n), Diaspora, Gegenwart und Archiv als ein fortlaufendes, sich überlagerndes Erzählen.

Am Samstag, 28. Februar um 19 Uhr, setzt das Festival gemeinsam mit dem ISD Köln einen besonderen Schlusspunkt zum Black History Month 2026: Bei „BLACK MOROCCO“ treffen Lesung, Gespräch und Konzert aufeinander. Im Zentrum steht der Austausch mit dem Autor Chouki El Hamel, dessen Buch Black Morocco Schwarze Geschichte, Identität und Widerstand in Marokko beleuchtet. Musikalisch wird der Abend von traditioneller Gnawa-Musik getragen: Black Koyo – gegründet von Hicham Bilali – bringt Musiker:innen, Sänger:innen und Tänzer:innen aus Tanger, Fès und Casablanca zusammen, die heute in Brüssel leben; ergänzt wird das Ensemble durch Alaa Zouiten. Gnawa verweist dabei auf das Erbe einer Schwarzen Bevölkerungsgruppe in Marokko – und macht Kultur hier ganz unmittelbar als Erinnerung und Gegenwart erfahrbar.

Fünf Termine, fünf sehr unterschiedliche Handschriften – und doch ein gemeinsamer Impuls: Kino als Raum, in dem Geschichten nicht nur „gezeigt“, sondern verhandelt werden. Wer sich zum Jahresbeginn herausfordern, berühren oder schlicht überraschen lassen will, findet hier gleich mehrere gute Gründe, den Kalender zu zücken.


Das Afrika Filmfestival Köln findet vom 17. – 27. September 2026 im Filmforum NRW statt.


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