Filmszene Aktuell

Persönlich, politisch, nah: Acht junge Filme im Filmhaus Köln

Das Filmhaus Mentoring Programm 2025/26 unter Leitung von Florian Schmitz und Till Gombert begleitet junge Menschen unter 30 Jahren auf dem Weg zu ihrem ersten dokumentarischen Kurzfilm. Am 20. und 21. Juni werden die Arbeiten des fünften Jahrgangs im Filmhaus Köln gezeigt – in zwei Blöcken, die von Exil, Care-Arbeit und Rassismus bis zu queerer Krankheitserfahrung, Diaspora und Kölner Kneipenkultur reichen.

Von Werner Busch


Acht junge Menschen, acht dokumentarische Kurzfilme, zwei Vormittage im Filmhaus Köln: Am Wochenende präsentiert das Filmhaus Mentoring Programm 2025/26 die Ergebnisse seines fünften Jahrgangs. Das Programm richtet sich an Menschen unter 30 Jahren und begleitet sie auf dem Weg zum ersten eigenen dokumentarischen Kurzfilm. Am Ende stehen Filme, die persönliche Erfahrungen ernst nehmen und sie zugleich in größere gesellschaftliche Zusammenhänge stellen.

Dabei reicht die Spannweite der Themen weit über klassische Nachwuchsübungen hinaus. In den Filmen geht es um Krieg und Exil, um Pflege und familiäre Verantwortung, um Migrationserfahrungen, Rassismus, Einsamkeit, chronische Krankheit, Diaspora, Erinnerung und Gemeinschaft. Das ergibt ein Programm, das nah an den Protagonist*innen bleibt und zugleich zeigt, wie stark dokumentarisches Arbeiten vom eigenen Blick, von Vertrauen und von genauer Beobachtung lebt.

Der erste Block läuft am Samstag, 20. Juni, um 12:30 Uhr. In 𝐃𝐢𝐦𝐢 von Danylo Pelekhatyi berichtet Dima von den ersten Kriegstagen in Kupjansk, vom Abschied seiner Familie und von der schwierigen Entscheidung, die Heimat zu verlassen. Der Film schildert die emotionale Belastung des Exils und stellt die Frage nach Schuld gegenüber jenen, die geblieben sind.

𝐒𝐨𝐫𝐠𝐞 𝐭𝐫𝐚𝐠𝐞𝐧 von Jules Duffner blickt auf Irma, die seit über 65 Jahren in dem Haus lebt, in das sie einst als junge Frau mit ihrem frisch angetrauten Ehemann eingezogen ist. Der Alltag im Alter, das Leben zu zweit, die Brüchigkeit vertrauter Abläufe: Der Film verbindet die persönliche Beobachtung mit einem Blick auf Care-Arbeit, Pflege und jene Verantwortung, die in Familien und Gesellschaft oft unsichtbar bleibt.

In 𝐃𝐮 𝐡𝐚𝐭𝐭𝐞𝐬𝐭 𝐝𝐞𝐢𝐧𝐞 𝐂𝐡𝐚𝐧𝐜𝐞 von Amélie Achouri begegnen sich drei Generationen einer Familie mit Migrationsgeschichte. Der Film spannt einen Bogen von der Ankunft als Gastarbeiter in Deutschland über das Aufwachsen als einziges ausländisches Kind in der Schulklasse bis zu Erfahrungen der 2000er Jahre. Die Frage bleibt unbequem: Hat sich wirklich etwas verändert, oder zeigt sich Rassismus heute nur subtiler?

𝐇ä𝐬 𝐝𝐨 𝐦𝐢𝐧𝐠𝐞 𝐒𝐨𝐧𝐧 𝐠𝐞𝐬𝐢𝐧𝐧? von Pi Schmidt führt in eine Kölner Kneipe. Zwischen Kölsch, Spielautomaten und Karnevalsorden geht es um Nähe, Austausch und Gemeinschaft – um einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, die im Alltag vielleicht wenig miteinander zu tun hätten. Der Film schaut auf das Veedel als sozialen Raum und auf die Kneipe als zweites Wohnzimmer.


Der zweite Block folgt am Sonntag, 21. Juni, ebenfalls um 12:30 Uhr. 𝐔𝐫𝐥𝐚𝐮𝐛 𝐯𝐨𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐄𝐢𝐧𝐬𝐚𝐦𝐤𝐞𝐢𝐭 von Clyde Clemens erzählt von Milo, der im obersten Stock eines Mehrfamilienhauses lebt. Die Treppe wird zur Hürde, das Fenster zum Kontakt mit der Außenwelt. Der Film gibt Einblick in ein queeres Leben mit chronischer Krankheit und erzählt von ME/CFS aus einer Perspektive, die im gesellschaftlichen Alltag oft verschwindet.

𝐓𝐡𝐞 𝐁𝐢𝐫𝐝 𝐓𝐡𝐚𝐭 𝐊𝐧𝐞𝐰 𝐌𝐲 𝐍𝐚𝐦𝐞 von Franziska Höbing, entstanden in Co-Regie mit Jannik Schlüter, beginnt mit einem Namen und einem Ort. Aus diesen wenigen Informationen entsteht eine Suche nach Franziskas unbekanntem Vater, die vom Münsterland bis nach Martinique führt. Der Film erzählt von Familie, Identität und Diaspora – und davon, wie Spuren eines Menschen zugleich Spuren einer größeren Geschichte sein können.

In 𝐃𝐢𝐯𝐞 𝐁𝐮𝐝𝐝𝐲 von Sina Knaup reflektiert Sabine ihre Vergangenheit und spricht über die Frauen, die sie geprägt haben. Das Tauchen ist für sie Hobby, Zuflucht und Ausgleich. Ihre Tochter begleitet sie mit der Kamera und als Tauchpartnerin. So entsteht ein Film über Nähe, Erinnerung und eine Beziehung, die sich auch unter Wasser fortsetzt.

Die künstlerische Leitung des Mentoring Programms liegt bei Florian Schmitz und Till Gombert. Als Mentor*innen wirkten Serpil Turhan, Lisa Bühl und Hamed Mohammadi mit. Gefördert wurde das Programm durch das Kulturamt der Stadt Köln. Tickets für beide Blöcke gibt es im Online-Vorverkauf und, sofern noch verfügbar, an der Kinokasse.


Termine

Samstag, 20. Juni 2026, 12:30 Uhr
Filmhaus Köln
Kurz-Dokumentarfilme des Filmhaus Mentoring Programms 2025/26 – Block 1

Sonntag, 21. Juni 2026, 12:30 Uhr
Filmhaus Köln
Kurz-Dokumentarfilme des Filmhaus Mentoring Programms 2025/26 – Block 2

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