Im Filmhaus Köln startet mit NRW On Fire eine neue Reihe für junge Filme aus Nordrhein-Westfalen – als Kinoplattform, Treffpunkt und Signal an eine Branche, die ihren Nachwuchs oft zu früh allein lässt. Joachim Kühn und Dirk Steinkühler sprechen über Erstlingsfilme, verlorene Branchenformate, fehlende Aufbauarbeit und darüber, warum Köln sehr wohl eine Kinostadt ist, wenn man sie lässt.
Von Frank Olbert.
Im Kölner Filmhaus geht die Reihe „NRW On Fire“ an den Start. In Kooperation mit Filminitiativen, Kinos und Festivals aus Nordrhein-Westfalen wollen Joachim Kühn und Dirk Steinkühler ein Forum für den Nachwuchs schaffen – mit klassischen Filmvorführungen, aber auch mit Branchentreffen, die dem Austausch dienen, sowie mit begleitenden Gesprächen. Der erste Film in dieser Reihe ist „Baba Kush“ von Leon Kluth (Start am Donnerstag, 18. Juni, 20 Uhr). Zwei Freunde ziehen sich zum Hotboxing in eine Telefonzelle zurück. Als die Polizei auftaucht, gerät die Freundschaft unter Druck. Im Anschluss an die Filmvorführung gibt es ein Gespräch mit Regisseur Leon Kluth.
Joachim Kühn kuratiert gemeinsam mit Dirk Steinkühler das Programm des Filmhaus-Kinos. Im Interview sprechen sie über „NRW On Fire“, die Chancen für den Filmnachwuchs in Nordrhein-Westfalen und die Versäumnisse der Filmförderung.
Dirk Steinkühler (l.) und Joachim Kühn in der Filmpalette, Foto: Film- und Medienstiftung NRW
Joachim, Dirk, was hat Euch zu „NRW On Fire“ angeregt?
Joachim Kühn: Dirk Steinkühler und ich bekommen viele Abschluss- oder Erstlingsfilme angeboten, die eine hohe Qualität besitzen. Die wollen wir hier im Filmhaus als Erstaufführungen zeigen. Das geht also über eine Teams-and-Friends-Premiere hinaus: Es gibt eine Veranstaltung dazu, er soll über längere Zeit laufen, und wir beobachten, wie das funktioniert. Außerdem bieten wir den Film Kollegen aus der NRW-Kinoszene an.
Ihr habt das schon ausprobiert?
Joachim Kühn: Genau, das hat gut funktioniert im vergangenen Jahr, und nun wollen wir das auf eine breitere Basis stellen. Wir wollen Partner ansprechen, die etwas für den Nachwuchsfilm tun wollen. So gibt es hier eine informelle Runde beim Filmhaus, den Filmhaus-Club, die diese Initiative begrüßt und in der auch das Label „NRW On Fire“ geboren wurde.
NRW ist also die Bedingung?
Dirk Steinkühler: Es muss einen Bezug zu NRW geben. Die Filme müssen hier entstanden sein. Das heißt nicht immer Köln, auch nicht Düsseldorf oder Dortmund, sondern auch mal Unna. Was es mit dieser Reihe auf sich hat, ist, dass sie ganz NRW im Blick hat und nicht nur die KHM in Köln oder andere Hochburgen.
Es geht Euch aber nicht nur darum, Filme zu zeigen?
Joachim Kühn: Wir wollen zum Beispiel auch junge Produktionsfirmen vorstellen. Und auch Initiativen, die mit der Filmbranche zu tun haben. „NRW On Fire“ wird eine Mischform sein. Außerdem wird es ein Symposion des Filmbüro NW zum Thema Nachwuchs geben.
Wer macht beim Filmhaus-Club mit?
Dirk Steinkühler: Das sind Filmschaffende aus allen möglichen Bereichen. Der Club ist in seiner aktuellen Form sicher ausbaufähig. Das ist ein lockerer Zusammenschluss.
Joachim Kühn: Freischaffende Filmemacher gehören dazu, aber auch das Film Festival Cologne, das Filmbüro NW – alle, die Öffentlichkeit herstellen können. Das ist ein offener Kreis, kein Verein oder eine sonstwie geartete Körperschaft. Eine Initiative im besten Sinn.
Gibt es in NRW eine etablierte Bühne für den Nachwuchs, oder ist es mehr oder weniger Zufall, wenn er mal die Chance bekommt, sich zu zeigen?
Joachim Kühn: Es gibt das Film Festival Cologne, es gibt das Festival in Lünen, das Frauenfilmfestival und damit schon verschiedene Foren, die sich um den Nachwuchs kümmern. Aber eben immer im Zusammenhang eines Festivals. Aber Filme im normalen Kinobetrieb zu zeigen, das ist etwas anderes. Auch in der Förderung spielt der Nachwuchs eine Rolle, aber wie dessen weitere Entwicklung begleitet wird, mit einem zweiten, einem dritten Film, das ist die Frage. Es muss ja darum gehen, dem Nachwuchs Zugang zur Branche zu eröffnen.
Und das wird zu wenig in Angriff genommen?
Joachim Kühn: Leider hat NRW mehrere Veranstaltungen verloren, die dies versuchen, und damit hat es auch tun, dass wir mit „NRW On Fire“ etwas Neues anbieten.
Ihr sprecht von Foren wie European Work in Progress und dem International Film Distribution Summit und auch der Filmmesse, die im Cinedom stattgefunden hat, die für NRW weggebrochen sind?
Joachim Kühn: Klar, weder die Programmmacher der großen Festivals kommen noch hierher noch die Weltvertriebe. Bei European Work in Progress saßen die hier drei Tage konzentriert beisammen, und auch der Distribution Summit war hochkarätig besetzt. Die Leute kamen aus den USA genauso wie aus afrikanischen Ländern und haben berichtet, wie das Kino in ihrer Heimat funktioniert.
Dirk Steinkühler: Und in Bezug auf Cinedom und die Filmmesse muss man feststellen, dass die Kinobetreiber und großen Verleiher nun fernbleiben. Man wird leider schmerzlich merken, dass die nun nicht mehr über mehrere Tage hinweg in der Stadt sind. Wir hatten immer Besuch von den Disponentinnen und Disponenten, die sich die Kinos angeschaut haben. Das geschieht nun nebenbei, wenn sie auf der Durchreise sind.
Stoßt ihr in diese Lücke?
Kühn: „NRW On Fire“ ist schon etwas anderes, aber ja: Es geht ums Kino und nicht um Fernsehen und Serien. Denn es gibt die Studierenden an den Hochschulen oder die, die beim Mediengründerzentrum sind, die Langfilme machen wollen. Das ist nicht zuletzt die ursprüngliche Idee der Filmförderung.
In diesem Zusammenhang hört man, dass Köln eine Fernseh-, keine Kinostadt sei.
Joachim Kühn: Wenn man nichts dafür tut, dann ist das eben so.
Dirk Steinkühler: Ich würde dem widersprechen, dass Köln keine Kinostadt sei. Was auf seiten der Produktion stattfindet, so mag das weniger geworden sein. Was aber das Kino angeht, so gibt es weitaus mehr Aktivität rund ums Kino. Ein Beispiel ist das Abo „Cineville“. Köln ist dort die erfolgreichste Stadt bundesweit. Das liegt auch daran, dass alle Kinos an einem Strang ziehen und sich Kinobetreiber wie Jürgen Lütz in besonderem Maß engagieren.
Joachim Kühn: Köln ist außerdem eine Stadt, in der es sehr viele Kinobetreiber gibt, im Unterschied zu Städten, in denen sich die Szene auf wenige Akteure konzentriert, in Essen, Düsseldorf oder Freiburg etwa. Und nach wie vor wird hier Kino produziert: Es gibt die Produktionsfirmen und Weltvertriebe. Demgegenüber ist das Bekenntnis zum Kino bei manchen nicht ganz so leidenschaftlich, wie man sich das wünschen würde.
Ihr findet, dass sowohl von der Politik als auch von der Film- und Medienstiftung NRW zu wenig kommt, was die Stärkung des Kinos betrifft?
Joachim Kühn: Viel zu wenig. Veranstaltung werden nicht unterstützt geschweige denn ausgebaut. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren eklatant zum Schlechteren gewendet. Das betrifft die genannten Branchenveranstaltungen ebenso wie das Film Festival Cologne. Gerade die Branchenveranstaltungen hätte es ohne die Filmstiftung nie gegeben, da hat sie wirklich ein Zeichen gesetzt, aber das müsste auch fortgesetzt werden.
Um noch einmal auf den Nachwuchs zu kommen: Auch dafür fehlt es an der notwendigen Unterstützung?
Dirk Steinkühler: „Der Nachwuchs reicht nicht“. „Deswegen kommen die Leute nicht ins Kino“, heißt es. Ja, das mag stimmen. Andererseits muss man gerade deswegen größeren Aufwand betreiben, muss man es besser verkaufen. Wenn wir vom Nachwuchs sprechen, sprechen wir von jungen Leuten, die eben auch Kino für junge Leute machen. Und junges Publikum wollen wir doch haben, denn irgendwann wird es älter und geht dann immer noch ins Kino. Dafür muss man aber arbeiten.
Joachim Kühn: Man hat leider zu wenig Zutrauen, dass gut ist, was hier in NRW gemacht wird. Das setzt sich bundesweit fort: Förderfähig soll nur noch sein, was Markterfolg verspricht. Da tut sich eine riesige Lücke auf, in der jede Menge Filme verschwinden, die zwar erfolgreich sein könnten, aber noch lange keine Blockbuster sind. Es wird keine Aufbauarbeit mehr betrieben. Ein Beispiel: Vor fünf Jahren hatten wir İlker Çatak zu Gast, als wir das Filmhaus wieder eröffnet haben. Und wenn İlker damals nicht gemacht hätte, was er gemacht hat, dann wäre er heute nicht da, wo er ist. Es geht klein los, aber nach drei Filmen ist man unter Umständen bei den Oscars. Den direkten Sprung zu den Oscars, den gibt es nicht.
Was ist Eure Forderung im Hinblick auf den Nachwuchs?
Kühn: Dass kontinuierlich Reihen gefördert werden, in denen zumindest einmal im Monat die Arbeiten von jungen Filmemacherinnen und -machern gezeigt werden.
Steinkühler: Dass man auch auf der Produktionsseite den Mut aufbringt, Filme zu fördern, die von Nachwuchsregisseurinnen und -regisseuren stammen.
Interview: Frank Olbert
Das nächste Screening:
18. Juni, 20Uhr: NRW on Fire: Baba Kush
Max und Uli sind alte Freunde. Als sie sich eines Abends in einer einsamen Telefonzelle einen Joint anzünden, taucht plötzlich eine Polizeistreife auf, die nicht wieder verschwinden will. Je länger den Jungs eine Flucht versperrt bleibt, desto mehr wird ihnen klar, dass sie eigentlich keine Freunde mehr sind
– anschl. Filmgespräch mit Regisseur Leon Kluth. „NRW On Fire“ ist eine Initiative aus der NRW-Filmbranche, der Initiativen, Kinos und Festivals.
Im Filmhaus Köln startet mit NRW On Fire eine neue Reihe für junge Filme aus Nordrhein-Westfalen – als Kinoplattform, Treffpunkt und Signal an eine Branche, die ihren Nachwuchs oft zu früh allein lässt. Joachim Kühn und Dirk Steinkühler sprechen über Erstlingsfilme, verlorene Branchenformate, fehlende Aufbauarbeit und darüber, warum Köln sehr wohl eine Kinostadt ist, wenn man sie lässt.
Von Frank Olbert.
Im Kölner Filmhaus geht die Reihe „NRW On Fire“ an den Start. In Kooperation mit Filminitiativen, Kinos und Festivals aus Nordrhein-Westfalen wollen Joachim Kühn und Dirk Steinkühler ein Forum für den Nachwuchs schaffen – mit klassischen Filmvorführungen, aber auch mit Branchentreffen, die dem Austausch dienen, sowie mit begleitenden Gesprächen. Der erste Film in dieser Reihe ist „Baba Kush“ von Leon Kluth (Start am Donnerstag, 18. Juni, 20 Uhr). Zwei Freunde ziehen sich zum Hotboxing in eine Telefonzelle zurück. Als die Polizei auftaucht, gerät die Freundschaft unter Druck. Im Anschluss an die Filmvorführung gibt es ein Gespräch mit Regisseur Leon Kluth.
Joachim Kühn kuratiert gemeinsam mit Dirk Steinkühler das Programm des Filmhaus-Kinos. Im Interview sprechen sie über „NRW On Fire“, die Chancen für den Filmnachwuchs in Nordrhein-Westfalen und die Versäumnisse der Filmförderung.
Joachim, Dirk, was hat Euch zu „NRW On Fire“ angeregt?
Joachim Kühn: Dirk Steinkühler und ich bekommen viele Abschluss- oder Erstlingsfilme angeboten, die eine hohe Qualität besitzen. Die wollen wir hier im Filmhaus als Erstaufführungen zeigen. Das geht also über eine Teams-and-Friends-Premiere hinaus: Es gibt eine Veranstaltung dazu, er soll über längere Zeit laufen, und wir beobachten, wie das funktioniert. Außerdem bieten wir den Film Kollegen aus der NRW-Kinoszene an.
Ihr habt das schon ausprobiert?
Joachim Kühn: Genau, das hat gut funktioniert im vergangenen Jahr, und nun wollen wir das auf eine breitere Basis stellen. Wir wollen Partner ansprechen, die etwas für den Nachwuchsfilm tun wollen. So gibt es hier eine informelle Runde beim Filmhaus, den Filmhaus-Club, die diese Initiative begrüßt und in der auch das Label „NRW On Fire“ geboren wurde.
NRW ist also die Bedingung?
Dirk Steinkühler: Es muss einen Bezug zu NRW geben. Die Filme müssen hier entstanden sein. Das heißt nicht immer Köln, auch nicht Düsseldorf oder Dortmund, sondern auch mal Unna. Was es mit dieser Reihe auf sich hat, ist, dass sie ganz NRW im Blick hat und nicht nur die KHM in Köln oder andere Hochburgen.
Es geht Euch aber nicht nur darum, Filme zu zeigen?
Joachim Kühn: Wir wollen zum Beispiel auch junge Produktionsfirmen vorstellen. Und auch Initiativen, die mit der Filmbranche zu tun haben. „NRW On Fire“ wird eine Mischform sein. Außerdem wird es ein Symposion des Filmbüro NW zum Thema Nachwuchs geben.
Wer macht beim Filmhaus-Club mit?
Dirk Steinkühler: Das sind Filmschaffende aus allen möglichen Bereichen. Der Club ist in seiner aktuellen Form sicher ausbaufähig. Das ist ein lockerer Zusammenschluss.
Joachim Kühn: Freischaffende Filmemacher gehören dazu, aber auch das Film Festival Cologne, das Filmbüro NW – alle, die Öffentlichkeit herstellen können. Das ist ein offener Kreis, kein Verein oder eine sonstwie geartete Körperschaft. Eine Initiative im besten Sinn.
Gibt es in NRW eine etablierte Bühne für den Nachwuchs, oder ist es mehr oder weniger Zufall, wenn er mal die Chance bekommt, sich zu zeigen?
Joachim Kühn: Es gibt das Film Festival Cologne, es gibt das Festival in Lünen, das Frauenfilmfestival und damit schon verschiedene Foren, die sich um den Nachwuchs kümmern. Aber eben immer im Zusammenhang eines Festivals. Aber Filme im normalen Kinobetrieb zu zeigen, das ist etwas anderes. Auch in der Förderung spielt der Nachwuchs eine Rolle, aber wie dessen weitere Entwicklung begleitet wird, mit einem zweiten, einem dritten Film, das ist die Frage. Es muss ja darum gehen, dem Nachwuchs Zugang zur Branche zu eröffnen.
Und das wird zu wenig in Angriff genommen?
Joachim Kühn: Leider hat NRW mehrere Veranstaltungen verloren, die dies versuchen, und damit hat es auch tun, dass wir mit „NRW On Fire“ etwas Neues anbieten.
Ihr sprecht von Foren wie European Work in Progress und dem International Film Distribution Summit und auch der Filmmesse, die im Cinedom stattgefunden hat, die für NRW weggebrochen sind?
Joachim Kühn: Klar, weder die Programmmacher der großen Festivals kommen noch hierher noch die Weltvertriebe. Bei European Work in Progress saßen die hier drei Tage konzentriert beisammen, und auch der Distribution Summit war hochkarätig besetzt. Die Leute kamen aus den USA genauso wie aus afrikanischen Ländern und haben berichtet, wie das Kino in ihrer Heimat funktioniert.
Dirk Steinkühler: Und in Bezug auf Cinedom und die Filmmesse muss man feststellen, dass die Kinobetreiber und großen Verleiher nun fernbleiben. Man wird leider schmerzlich merken, dass die nun nicht mehr über mehrere Tage hinweg in der Stadt sind. Wir hatten immer Besuch von den Disponentinnen und Disponenten, die sich die Kinos angeschaut haben. Das geschieht nun nebenbei, wenn sie auf der Durchreise sind.
Stoßt ihr in diese Lücke?
Kühn: „NRW On Fire“ ist schon etwas anderes, aber ja: Es geht ums Kino und nicht um Fernsehen und Serien. Denn es gibt die Studierenden an den Hochschulen oder die, die beim Mediengründerzentrum sind, die Langfilme machen wollen. Das ist nicht zuletzt die ursprüngliche Idee der Filmförderung.
In diesem Zusammenhang hört man, dass Köln eine Fernseh-, keine Kinostadt sei.
Joachim Kühn: Wenn man nichts dafür tut, dann ist das eben so.
Dirk Steinkühler: Ich würde dem widersprechen, dass Köln keine Kinostadt sei. Was auf seiten der Produktion stattfindet, so mag das weniger geworden sein. Was aber das Kino angeht, so gibt es weitaus mehr Aktivität rund ums Kino. Ein Beispiel ist das Abo „Cineville“. Köln ist dort die erfolgreichste Stadt bundesweit. Das liegt auch daran, dass alle Kinos an einem Strang ziehen und sich Kinobetreiber wie Jürgen Lütz in besonderem Maß engagieren.
Joachim Kühn: Köln ist außerdem eine Stadt, in der es sehr viele Kinobetreiber gibt, im Unterschied zu Städten, in denen sich die Szene auf wenige Akteure konzentriert, in Essen, Düsseldorf oder Freiburg etwa. Und nach wie vor wird hier Kino produziert: Es gibt die Produktionsfirmen und Weltvertriebe. Demgegenüber ist das Bekenntnis zum Kino bei manchen nicht ganz so leidenschaftlich, wie man sich das wünschen würde.
Ihr findet, dass sowohl von der Politik als auch von der Film- und Medienstiftung NRW zu wenig kommt, was die Stärkung des Kinos betrifft?
Joachim Kühn: Viel zu wenig. Veranstaltung werden nicht unterstützt geschweige denn ausgebaut. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren eklatant zum Schlechteren gewendet. Das betrifft die genannten Branchenveranstaltungen ebenso wie das Film Festival Cologne. Gerade die Branchenveranstaltungen hätte es ohne die Filmstiftung nie gegeben, da hat sie wirklich ein Zeichen gesetzt, aber das müsste auch fortgesetzt werden.
Um noch einmal auf den Nachwuchs zu kommen: Auch dafür fehlt es an der notwendigen Unterstützung?
Dirk Steinkühler: „Der Nachwuchs reicht nicht“. „Deswegen kommen die Leute nicht ins Kino“, heißt es. Ja, das mag stimmen. Andererseits muss man gerade deswegen größeren Aufwand betreiben, muss man es besser verkaufen. Wenn wir vom Nachwuchs sprechen, sprechen wir von jungen Leuten, die eben auch Kino für junge Leute machen. Und junges Publikum wollen wir doch haben, denn irgendwann wird es älter und geht dann immer noch ins Kino. Dafür muss man aber arbeiten.
Joachim Kühn: Man hat leider zu wenig Zutrauen, dass gut ist, was hier in NRW gemacht wird. Das setzt sich bundesweit fort: Förderfähig soll nur noch sein, was Markterfolg verspricht. Da tut sich eine riesige Lücke auf, in der jede Menge Filme verschwinden, die zwar erfolgreich sein könnten, aber noch lange keine Blockbuster sind. Es wird keine Aufbauarbeit mehr betrieben. Ein Beispiel: Vor fünf Jahren hatten wir İlker Çatak zu Gast, als wir das Filmhaus wieder eröffnet haben. Und wenn İlker damals nicht gemacht hätte, was er gemacht hat, dann wäre er heute nicht da, wo er ist. Es geht klein los, aber nach drei Filmen ist man unter Umständen bei den Oscars. Den direkten Sprung zu den Oscars, den gibt es nicht.
Was ist Eure Forderung im Hinblick auf den Nachwuchs?
Kühn: Dass kontinuierlich Reihen gefördert werden, in denen zumindest einmal im Monat die Arbeiten von jungen Filmemacherinnen und -machern gezeigt werden.
Steinkühler: Dass man auch auf der Produktionsseite den Mut aufbringt, Filme zu fördern, die von Nachwuchsregisseurinnen und -regisseuren stammen.
Interview: Frank Olbert
Das nächste Screening:
18. Juni, 20 Uhr:
NRW on Fire: Baba Kush
Max und Uli sind alte Freunde. Als sie sich eines Abends in einer einsamen Telefonzelle einen Joint anzünden, taucht plötzlich eine Polizeistreife auf, die nicht wieder verschwinden will. Je länger den Jungs eine Flucht versperrt bleibt, desto mehr wird ihnen klar, dass sie eigentlich keine Freunde mehr sind
– anschl. Filmgespräch mit Regisseur Leon Kluth. „NRW On Fire“ ist eine Initiative aus der NRW-Filmbranche, der Initiativen, Kinos und Festivals.
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Titelbild: Baba Kush von Leon Kluth