Slider

50 Jahre Stiftung Kultur: Vom Kulturcafé zur Institution

Die Stiftung Kultur der Sparkasse Köln/Bonn feiert ihren 50. Geburtstag. Was 1976 als offener »City Treff« mit Kulturcafé am Rudolfplatz begann, ist heute eine Institution mit internationaler Strahlkraft: von der Photographischen Sammlung über das Deutsche Tanzarchiv und die Medienkunst bis zur »Akademie för uns Kölsch Sproch«. Frank Olbert blickt auf ein halbes Jahrhundert Kulturarbeit – und auf die Rolle von Birgit Hauska, deren Arbeit die Vermittlung von Tanzfilm und Medienkunst seit Jahrzehnten prägt.

Von Frank Olbert.


Die Stiftung Kultur der Sparkasse Köln/Bonn ist ein Schwergewicht nicht allein in Köln, in Nordrhein-Westfalen, in Deutschland, sondern auch im internationalen Maßstab. Mit ihrer Ausrichtung auf dokumentarische Fotografie und Sammlungen wie der des Ehepaars Bernd und Hilla Becher sowie einem umfassenden historischen und zeitgenössischen Bestand hat die Photographische Sammlung der Stiftung weltweite Bedeutung erlangt. Daneben aber geht es bodenständig zu im Domizil im Kölner Mediapark 7, denn hier hat auch die „Akademie för uns Kölsch Sproch“ eine Heimat – eine längst zur Instanz gewordene Einrichtung der Stiftung, was auch für ihre anderen Säulen wie die Literaturförderung, vor allem aber das Deutsche Tanzarchiv und die Medienkunst gilt. Letztere sind mit dem Namen Birgit Hauska verbunden. Sie sorgt seit den frühen 90er-Jahren dafür, dass sowohl die in der Stiftung gepflegte Vermittlung des Tanzfilms wie der Medien- und Videokunst im Allgemeinen ein hohes Renommee genießt. Man darf ohne Übertreibung sagen, dass eine Ära zuende geht, wenn Birgit Hauska im kommenden Jahr in den Ruhestand geht.

Birgit Hauska, Foto: Simon Rupieper

Seit Studienzeiten ist Hauska ihrem Arbeitsplatz verbunden. Dessen Geschichte reicht ins Jahr 1976 zurück, als die damals „City Treff“ genannte Stiftung aus dem Gedanken geboren wurde, Kultur für alle Bürgerinnen und Bürger Kölns attraktiv zu machen. Der grundsätzlich offene Charakter dieses Treffpunkts in der Schaafenstraße wurde allein schon dadurch klar, dass der „City Treff“ vor allem ein Café in der Sparkassenfiliale am Rudolfplatz war – ein „Kulturcafé“, wie man betonte, das mit der kulturpolitischen Haltung niederschwelliger Gastfreundschaft zu Lesungen, Diskussionen, Workshops und Ausstellungen lud. Und eben zum Kaffeetrinken oder Zeitunglesen.

Genau 50 Jahre ist das nun her, ein halbes Jahrhundert, in dessen Verlauf sich das einstmals City Treff genannte Informations- und Bildungszentrum immer weiter vergrößerte und in seine Fachbereiche verästelte: 1983 kam es zur Gründung der Akademie för uns Kölsch Sproch als Einrichtung der Heimatpflege; 1992 wurde die Photographische Sammlung an den Start gebracht, deren Grundstein der Nachlass von August Sander war und die sich rasch mit den Werken der Bechers oder Karl Blossfeldts erweiterte. Seit den 90er-Jahren werden auch die Kölner Theaterpreise vergeben, ein wichtiger Leuchtturm für die Freie Szene der Stadt. Und auch das Referat für den Videotanz, aus dem dann die Medienkunstvermittlung hervorging, gehört zur Stiftungs-DNA. Und mit ihm seine Leiterin Birgit Hauska.

Birgit Hauska, was umfasst bei Ihnen der Begriff Medienkunst?

Birgit Hauska: Es gibt zum einen die Kurzfilmvermittlung, die wir in unterschiedlichen Formaten realisieren: Seit 2021 veranstalten wir den „Short Monday“ in Kooperation mit dem Filmhaus und dem Kurzfilmfestival Köln (KFFK). Ich darf sagen: Das ist ein sehr erfolgreiches Modell, das hat dem Kurzfilm in Köln einen richtigen Schub gegeben. Darüber hinaus arbeiten wir mit dem KFFK schon sehr lange zusammen. Wir veranstalten genreübergreifende, themenorientierte Kurzfilmprogramme.

Wie weit reicht das historisch zurück?

1991 haben wir die erste Tanzfilmreihe veranstaltet. 2003, mit der „Tanzgeschichte 40“, ging das zuende. Wir haben andere Themenschwerpunkte gesetzt wie die „Jump Cut-Nights“, die Sommerfilmnächte zu Themen wie „Ein tierisches Vergnügen“ mit Tierfilmen, oder Filmen zu Naturthemen oder zu Fragen „Wie wir wohnen wollen“. Es gab ein Identitätsprogramm, „Is It Me?“, Blickwinkel jüdischer Filmemacherinnen, Filme zu Altern und Sterben.

Hinzu kommen Open-Air-Veranstaltungen …

… „Sommer Köln“, das machen wir auch schon sehr lange, auch immer themenorieniert. Seit einiger Zeit legen wir das Programm „Made in Cologne“ auf und auch das im genreübergreifenden Sinn – es geht durch alle Filmsparten hindurch inklusive Musikvideos.

Foto: Filmhaus Köln

All das wird von Ihnen betreut?

Alles, was wir zeigen, kuratieren Simon Rupieper und ich seit 2020 im Team. Auch die Beiträge, die wir in der Reihe „Kurzfilm im Veedel“ zeigen. Damit gehen wir in die Bezirke, in die Bürgerhäuser, in die Mehrgenerationenhäuser, in Porz, Nippes, Ostheim und Bickendorf. Es ist schon aufwendig, solche Programme zu kuratieren, weil wir sehr viel sichten. Außerdem legen wir mit der Literaturförderung neue Reihen auf wie „Kurz und gut“, ein Format, das Kurzgeschichten und Kurzfilme in einen Dialog miteinander bringt. Das alles an niederschwelligen, bürgernahen Orten wie dem „Café Mittendrin“ in Köln-Dünnwald.

Was spricht für den Kurzfilm?

Der Kurzfilm ist ein starkes künstlerisches Format, sehr innovativ. Man kann mit ihm sehr schnell und effektiv eine Art Sehschule bei den Betrachtenden anregen. Wir verstehen die Betonung auf dem Kurzfilm auch als künstlerische Erziehung. Man kann sehr gut darüber sprechen, was zu unserem Konzept gehört. Gerade diese Gespräche tragen zum Verständnis der Filme bei und helfen, dass die Leute wiederkommen und dass es eine Vielfalt von Stimmen gibt, wie Filme gesehen werden können.

Arbeiten Sie mit anderen Abteilungen der Stiftung zusammen?

Absolut. Zur aktuell noch laufenden Ausstellung „Blickwinkel aus NRW“ haben wir auch Filme gezeigt. Das sind oft dankbare Programme, weil die Filme noch nie in einer solchen Konstellation gezeigt wurden. Hauptkriterium der meisten Festivals ist, dass die Filme neu sein müssen. Diesen Rahmen können wir viel großzügiger auslegen.

Was sind weitere Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Ein großes Gewicht liegt auf Fotografie. Unter anderem veranstalten wir „Next“ in Kooperation mit der Internationalen Photoszene und dem Deutschen Jugendfotopreis des deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums KJF.

Simon Rupieper und Birgit Hauska kuratieren seit 2020 im Team, Foto: Janet Sinica

Workshops sind sozusagen die dritte Säule der Medienkunstvermittlung der Stiftung …

Genau, Workshops, auch in einem generationsübergreifenden Sinn. Medienkunstvermittlung im Generationenworkshop: Zum Beispiel geht es hier um Arbeiten von Studierenden der KHM, die im Dialog zwischen Menschen unterschiedlichen Alters nicht nur besprochen werden, sondern zudem werden die neuen Medien im Do-it yourself-Prozess kreativ genutzt und selbst erprobt. Ziel ist es, voneinander zu lernen und dabei Einblick in die zeitgenössische Kunst zu erfahren, junge Medienkunst zu erkunden und dabei die Sichtweise der anderen Generation zu entdecken.

Wie sind Sie persönlich zur Medienkunstvermittlerin bei der Stiftung geworden?

Ich habe damals Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt auf musische Fächer studiert und für meine Diplomarbeit recherchiert, die sich mit der „Wiederentdeckung des deutschen Ausdruckstanzes“ beschäftigte. Dazu habe ich mich an das Deutsche Tanzarchiv gewandt. Das wird von der Stadt Köln und der Stiftung getragen. Von da aus wurde ich dann Studentische Mitarbeiterin, und ich habe dem langjährigen Geschäftsführer der Stiftung, Hans-Georg Bögner, ein Projekt vorgeschlagen: Ich wollte für das Tanzarchiv eine Videothek entwickeln. Damals begann die große Zeit der Tanzcompagnien und der multimedialen Arbeit, und so fing das an. 1991 wurde das Referat für Videotanz gegründet. Viele Sendeanstalten haben damals Geld gegeben, um Tanzfilme zu produzieren. Nicht im Sinne einer Dokumentation, nicht als abgefilmter Tanz, sondern als Film mit eigener Choreografie, als filmische Neuinszeneriung. Und das hat mich am meisten interessiert: Die Kamerachoreografie.

Das heißt, Sie haben ein Archiv gegründet?

Ich habe das Videoarchiv im Deutschen Tanzarchiv aufgebaut. Parallel dazu habe ich die „Tanzgeschichten“ gegründet. In dieser Reihe wurden Filmprogramme zum Thema Tanz gezeigt. Sehr früh haben wir über Länderporträts hinaus themenorientierte Filme präsentiert, „Forever Young“, „witzig – absurd – verrückt“, immer auch als Filmnacht an unterschiedlichsten Orten, dem Dach des Museum Ludwig, auf dem Offenbachplatz vor Schauspiel und Oper. Und auch hier gab es schon ein Miteinander von Ausstellung und Film, „Glitter und Glory“ etwa, eine Schau im Museum Ludwig, zu der wir einen Filmabend veranstaltet haben.

Nun wird Jubiläum gefeiert. 1976 ging es los …

… als Geschenk der damaligen Stadtsparkasse Köln anlässlich des 150-jährigen Bestehens an die Kölner Bürger. Damals hieß das „City Treff“ – genauer: „Stiftung City Treff Informations- und Bildungszentrum“. Ein Café gehörte auch dazu, es war ein öffentlicher Ort in der Schaafenstraße. Man wollte für alle da sein. Zum „City Treff“ kam die „Akademie för uns Kölsch Sproch“ dazu, dann das Tanzarchiv, 1992 die Photographische Sammlung, die Nachlässe und die Sammlungen wie die des Ehepaars Becher. Das Erste, was man gekauft hat, war August Sander. Die Photographische Sammlung wurde zum Flaggschiff der SK Stiftung Kultur.

Es gibt mehrere Institutionen in Köln, die nun 50-jähriges feiern, unter anderem der Jugend Filmclub. Ist das Zufall?

Damals gab es einen Push. Es gab Geld und viele Ideen, es herrschte eine Aufbruchsstimmung, Bildung und Teilhabe in die Bevölkerung zu bringen. Auch wir haben das immer verfolgt,  und seit Gründung ist die Vermittlungsarbeit ein zentrales Anliegen. Gerade im Blick auf die Partizipation von Jugendlichen: dass sie uns nicht weglaufen, dass sie ein andere Ansprache brauchen, dass sie gerade angesichts der enormen Vielfalt der Medien nicht verloren gehen.

Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn gibt es ein Jubiläumsprogramm. Es beginnt am Montag, 13. Juli:


Termine:

  • Kurzfilm-Montag (Best Of SK Stiftung Kultur): Im Filmhaus Köln werden Highlights aus Jahrzehnten kuratorischer Arbeit gezeigt (13. Juli 2026, ab 20 Uhr). Das Programm umfasst acht Filme und dauert 70 Minuten. Es wird von Birgit Hauska und Simon Rupieper zusammengestellt. 

  • Kopfhörerkino Open Air & Sommer Köln:  Infos im Veranstaltungskalender der Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn oder auf der Übersichtsseite der Termine und Events der Sparkasse

  • August-Sander-Ausstellung: Im September 2026 wird das Werk des Fotografen gewürdigt, wobei der 3. Oktober 2026 als Hausfest im Mediapark anlässlich des Jubiläums  der Stiftung vorgesehen ist.
Kopfhörerkino am See, Foto: Simon Rupieper (auch Titelbild)

Veranstalter*innen..