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Fünf Jahre Filmhaus-Neustart: Ein Haus für die freie Filmszene

Fünf Jahre nach dem Neustart steht das Filmhaus Köln wieder stabil da: als Kino, Weiterbildungsort und Treffpunkt der freien Filmszene. Das Industriedenkmal in der Maybachstraße hat alte Turbulenzen hinter sich gelassen und behauptet sich heute selbstbewusst zwischen Cinedom und Saturn – als Haus für Filme, Festivals, Seminare und jene Kinokultur, die mehr sein will als bloßer Betrieb. Gestern wurde offiziell Geburtstag gefeiert.

Von Frank Olbert.


Das Filmhaus in der Maybachstraße befindet sich zwischen zwei markanten Medienorten Kölns, nämlich dem Media-Park mit seinem Cinedom auf der einen Seite und dem Saturn-Gebäude auf der anderen. Von diesen beiden Wahrzeichen unterscheidet es sich schon architektonisch: Es ist ein Industriedenkmal aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts, hinter dessen Klinkerfassade Beamte saßen, die für die Bediensteten des nahen Güterbahnhofs die Renten ausrechneten. Auch in kultureller Hinsicht allerdings ist das Filmhaus ein Gegenentwurf zu den beiden kommerziell ausgerichteten Nachbarn zur Rechten und zur Linken. Selbstbewusst bietet es Filmen und FilmemacherInnen eine Heimat, die Kino nicht als Rummelplatz, sondern als Kunstort verstehen. Das hat sich auch in den fünf Jahren nicht geändert, die das Filmhaus Köln unter einer neuen Organisationsstruktur und neuer Leitung hinter sich gebracht hat.

Das halbrunde Jubiläum feiern Dirk Steinkühler, Geschäftsführer seit 2024, und sein Team in diesem Sommer. Sie blicken damit auf ein halbes Jahrzehnt zurück, in dem der freien Filmkultur in Köln und darüber hinaus nach zahlreichen Turbulenzen im Filmhaus ein solides Fundament geboten wird. Die eine Säule des Hauses ist das Kino, das zwar ohne Subventionen betrieben wird und entsprechend Einnahmen generieren muss – dennoch hat es sein Profil als Ergänzung zum kommerziellen Kinobetrieb der Stadt erhalten, indem es neben Erstaufführungen auch Reihen auflegt und Veranstaltungen wie dem Kurzfilmfestival Köln oder dem Frauenfilmfestival offen steht.

Die zweite Säule sind Seminare, Workshops und Tutorials, in denen sich Filmschaffende zu Themen wie Regie, Drehbuch, Schnitt, aber auch zu Fragen der Filmfinanzierung und Antragstellung fortbilden können. Außerdem beherbergt das Filmhaus Büros, in denen unter anderem Produktionsfirmen und Festivalteams arbeiten, sowie Produktionslager für Kölner Firmen. Das Haus sei gut ausgelastet, sowohl, was die Belegung der Räume als auch die Frequenz der Veranstaltungen betreffe, sagt Steinkühler. Daneben gibt es Pläne, den Betrieb weiter zu optimieren, etwa durch neue Lagerflächen für Produktionsflächen im Keller oder noch effektivere Vermietung. Das Haus wird von Stadt und Land gefördert, soll sich aber selbst tragen. Man zahlt Miete an die Stadt zurück.

Die neue Organisationsform als GmbH löst alte Modelle ab, deren erstes aus dem Jahr 1981 stammte. Damals gründeten Filmemacher, darunter die Brüder Donatello und Fosco Dubini, in einer Kneipe an der Zülpicher Straße gemeinsam mit Weggefährten aus der freien Szene, dem WDR und aus der Kunstszene einen Verein. Medienbildung, Kinokultur, das Kölner Filmschaffen sollten in seinem Zentrum stehen, und nachdem man zunächst ein Sesselkino in der Luxemburger Straße betrieb, eröffneten sich 1998 mit dem Umzug in das denkmalgeschützte Gebäude in der Maybachstraße ganz neue Perspektiven für die Programmatik des Vereins: auf einen Schlag war genügend Raum für Kinobetrieb, Weiterbildung, Festivals und Branchentreffen verhanden.

2012 führten Uneinigkeiten im Verein zur Insolvenz. Es folgten Jahre des sogenannten Heimfalls der Immobilie in die Hände der Stadt und einer Zwischennutzung. 2014 gab die Stadt ein Gutachten zur Sanierung in Auftrag, in den folgenden Jahren erwies sich dann, dass der Bedarf größer als angenommen war. Nach einem Ausschreibungsverfahren wurde das Filmhaus unter neuer Leitung und frisch saniert wieder eröffnet, ausgerechnet im Corona-Jahr 2021. Dass eine neue Zeit angebrochen ist, signalisiert bereits das Entree: Das Foyer erstrahlte im neuen Glanz, mit einer Bar und Caféhaus-Atmosphäre, mit neuer Technik und herausgeputzten Wänden. Beim Alten bleibt, dass man dort den Weg zum selbstverständlich ebenfalls renovierten Kino sucht.

Darüber hinaus aber bietet das Foyer die Möglichkeit, kulturelle Veranstaltungen auch jenseits des Films anzubieten. So lesen Lotte und Tristan Becker Texte ihres Großvaters, des im November 2024 verstorbenen Kölner Schriftstellers Jürgen Becker (am 10. Juli um 19.30 Uhr). Ganz filmfremd ist diese szenische Lesung natürlich nicht, sind doch beide Becker-Enkel SchauspielerInnen und haben auch schon vor der Kamera gestanden.

Titelbild: Werner Busch


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