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Ein Haus, viele Akteure: Interview mit Dirk Steinkühler und Joachim Kühn

Fünf Jahre nach dem Neustart ziehen Dirk Steinkühler und Joachim Kühn Bilanz: Wie wurde aus dem sanierten Filmhaus wieder ein funktionierendes Zentrum für Kino, Weiterbildung und freie Filmkultur? Im Interview sprechen sie über neue Strukturen, alte Turbulenzen, die besondere Programmatik des Hauses, seine Mieter:innen – und darüber, warum stabile Förderung für einen solchen Ort keine Nebensache ist.

Von Frank Olbert.


Fünf Jahre Filmhaus in neuer Form: Ihr feiert nun halbrundes Jubiläum. Wie war die Situation vor fünf Jahren?

Dirk Steinkühler: Das Haus wurde baulich saniert. Es gab jede Menge Details zu klären, auch zum Thema Brandschutz, Notausgänge und Fluchtwege. Im Erdgeschoss musste beispielsweise geklärt werden, wie der Fluchtweg für Leute im Foyer verläuft, wenn gleichzeitig das Kino in Betrieb ist.

Joachim Kühn: Es gab einiges nachzubessern, auch was die Genehmigungsfähigkeit der Seminarräume angeht.

Ingesamt wurde das Gebäude baulich aufgewertet.

Dirk Steinkühler: Ohne Frage. Das ist überaus gelungen.

Joachim Kühn: Das betraf die technische Einrichtung des Kinos als auch die bessere Ausstattung und Herrichtung der Seminarräume und des Foyers. Man darf dabei nicht vergessen: Das war das zweite Lockdown-Jahr in der Pandemie.

Dirk Steinkühler: Der zweite Lockdown war vorbei, dadurch hatte sich alles ein wenig verzögert, aber wir konnten mit den Planungen für die Wiedereröffnung beginnen.

Ihr habt die Säulen schon angesprochen, die das Filmhaus ausmachen: Ihr veranstaltet Fortbildungen, Seminare, Workshops, und es gibt das Kino. Wie wird das zusammengehalten?

Dirk Steinkühler: Es gibt eine Betreibergesellschaft, keinen Verein mehr wie in der Vergangenheit. Das kann man verstehen …

… der Verein ging in die Insolvenz …

Dirk Steinkühler: So ist es. In der neuen GmbH sollten alle Gesellschafter sein, die auch Akteure im Haus sind. Das sind die Filmhaus Kino Gesellschaft Köln GmbH, die Filmhaus Bildung Köln gGmbh, die mibeg Institute Gesellschaft für Weiterbildung mbH sowie die Act HeadQuarter Media GmbH. In der Praxis haben sich die Struktur des Hauses etwas verschoben. So hat die Betreibergesellschaft die Vermietung der Seminarräume von der Filmhaus Bildung übernommen, um das flexibler zu gestalten. Es gibt nun neben der kulturellen und professionellen Filmbildung verschiedene Akteure als Kurzzeitmieter, Chöre zum Beispiel, die hier proben. Alle sollten aber das Gebäude kulturell nutzen.

Das gilt auch für die Büroräume. Sie sollen für kulturelle und speziell für Filmzwecke genutzt werden. Wer konkret sind die Nutzer?

Dirk Steinkühler: Das ist das Filmbüro NW inklusive der Dokumentarfilminitiative, es sind drei Produktionsfirmen, dann das Kurzfilmfestival Köln, Edimotion, das Internationale Frauenfilmfestival, das Netzwerk Filmkultur als Vertretung der freien Filmkultur in NRW. Dann arbeiten zwei Lektorinnen hier, die auch für Drehbücher tätig sind, aber auch der Verein Umsteuern. Robin Sisterhood, der für Betroffene sexualisierter Gewalt in kirchlichen Zusammenhängen da ist, und zwar als kirchenunabhängige Organisation.

Ein richtiges Zentrum also.

Joachim Kühn: Hinzu kommen Rapid Eye Movies, die sich hier um die Digitalisierung von Filmen kümmern, und die Produktionsfirma 2Pilots, die hier ihr komplettes Film-Equipment lagern. Außerdem haben wir Lagerräume an KHM-Künstler vermietet.

Das andere Standbein ist das Kino. Welche Programmatik verfolgt ihr?

Es geht um Filme, die es anderswo schwer haben. Darüber hinaus wollen wir das Kino offen halten für Akteure unterschiedlicher Herkunft, mit denen wir in Kooperation Gespräche veranstalten, Premieren feiern, öffentliche wie geschlossene Vorführungen, Sichtungen ermöglichen. Das Kinoprogramm selbst ist ein Mischprogramm. Wir spielen also nicht nur die „schwierigen“ Filme, sondern auch solche wie der Gewinner der Goldenen Palme „Ein einfacher Unfall“. Das Kino ist nicht subventioniert.

Ihr seid damit am Markt.

Joachim Kühn: Das Kino zahlt eine marktübliche Miete, das ist eine der finanziellen Säulen des Hauses. Wir bewirtschaften deshalb auch das Foyer mit. Das ist ein Ort, der auch tagsüber geöffnet hat. Man kann sich hier hinsetzen, muss nichts konsumieren, wobei die Leute die Möglichkeit gerne nutzen, einen Kaffee zu trinken, während sie hier an ihrem Rechner arbeiten. Außerdem treffen sich hier Verbände wie der Kameraverband. So sind wir auch mit „Umsteuern“ in Kontakt gekommen, weil sie das Haus für Veranstaltungen nutzen.

Wie seid ihr beiden dazu gestoßen?

Dirk Steinkühler: Zunächst wollten wir nur das Kino betreiben, aber es wurde damals schnell klar, dass es um das ganze Haus ging. Und so haben wir uns mit den anderen Betreibern das Konzept ausgedacht. Damals gab es ein Dialogverfahren, in dem man sich für das Filmhaus bewerben konnte.

Joachim Kühn: Wir kannten das Haus ja schon. Wir haben uns damals nur zurückgezogen, weil das mit dem Verein nicht mehr lief. Im Unterschied zur Filmpalette haben wir hier im Filmhaus ein festes Monatsprogramm, das heißt, wir haben hier ein viel differenzierteres und weiter gefasstes Programm. Es sind auch Erstaufführungen dabei, aber sie sind nicht der Hauptbestandteil des Programms. Reihen, Festivals – all das bestimmt das Programm.

Was die Aus- und Weiterbildung angeht: Gebt bitte mal konkrete Beispiele, was ihr da anbietet.

Dirk Steinkühler: Es gibt zum Beispiel ein Seminar zum Thema „Wie stellt man einen Förderantrag?“, das richtet sich an Leute, die ihre erste Produktion realisieren wollen. Gut nachgefragt wird ein Seminar zum Thema Abrechnung, also ganz praktisch: Was gibt es an Software und so weiter. Es gibt aber auch Lehrgänge zu Regie, Schnitt oder Drehbuch. Um diesen ganzen Bereich kümmert sich seit einiger Zeit Susanne Grüneklee.

Gibt es Wünsche?

Dirk Steinkühler: Unser wichtigstes Anliegen aktuell betrifft die Förderung. Wir bekommen Strukturförderung durch die Stadt und das Land, und es wäre wichtig, dass diese in der bestehenden Höhe weiterhin ausgeschüttet wird. Es gibt einen Grundstock, der finanziert werden muss. Dazu zählen die Personalkosten, in gewisser Weise auch die Miete, denn wir zahlen Miete an die Stadt. Das ist inklusive der Nebenkosten für ein so großes Haus mit vielen Verkehrsflächen nicht wenig.

Interview: Frank Olbert
Titelbild: Werner Busch


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