Bei der nächsten »ifs-Begegnung Edimotion« ist einer der profiliertesten Filmeditoren des deutschen Kinos zu Gast: Andrew Bird stellt am 8. Juli im Filmforum NRW Krzysztof Kieślowskis 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 vor – ein Film über die Lust am Filmen, die Zumutungen des Alltags und die Frage, was ein Blick durch die Kamera verändern kann.
Von Werner Busch.
Wenn Editor*innen über ihre Lieblingsfilme sprechen, geht es schnell um den Kern filmischen Erzählens überhaupt: die Montage. Für Andrew Bird ist der hierzulande wenig bekannte 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 der polnischen Regie-Legende Krzysztof Kieślowskis ein Werk, das ihn nachhaltig geprägt hat. Am kommenden Mittwoch, 8. Juli, stellt Bird das Werk im Filmforum NRW vor – im Rahmen der Reihe »ifs-Begegnung Edimotion«, die Filmmontage aus der Perspektive der Editor:innen betrachtet.
Andrew Bird gehört zu den prägenden Editor:innen des deutschen Gegenwartskinos. Geboren in Hillingdon in England, kam er nach einem Germanistikstudium mit einem Stipendium nach Hamburg, wo er bis heute lebt. Seit 1992 arbeitet er als Filmeditor. Mitte der 90er Jahre lernte er Fatih Akin kennen, unterstützte ihn beim Schnitt seiner ersten Kurzfilme – und wurde zu einem seiner wichtigsten künstlerischen Weggefährten. Bird ist für die Montage sämtlicher Regiearbeiten Akins verantwortlich, von frühen Arbeiten bis zu den großen internationalen Erfolgen der letzten Jahre.
Bei Edimotion ist Bird nicht nur ein gern gesehener Gast, sondern auch mehrfacher Preisträger. Für 𝐆𝐄𝐆𝐄𝐍 𝐃𝐈𝐄 𝐖𝐀𝐍𝐃 wurde er 2004 erstmals mit dem Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm ausgezeichnet. Für 𝐀𝐔𝐅 𝐃𝐄𝐑 𝐀𝐍𝐃𝐄𝐑𝐄𝐍 𝐒𝐄𝐈𝐓𝐄 folgten der Preis der deutschen Filmkritik, der Deutsche Filmpreis und ein weiterer Schnitt-Preis bei Edimotion. Im vergangenen Jahr gewann er den Edimotion-Schnittpreis zum dritten Mal – für 𝐃𝐈𝐄 𝐒𝐀𝐀𝐓 𝐃𝐄𝐒 𝐇𝐄𝐈𝐋𝐈𝐆𝐄𝐍 𝐅𝐄𝐈𝐆𝐄𝐍𝐁𝐀𝐔𝐌𝐒. Seit 2023 gehört Bird dem Vorstand der Deutschen Filmakademie an; außerdem ist er Mitglied der Europäischen Filmakademie und der Oscar-Academy.
Dass er für die »ifs-Begegnung Edimotion« ausgerechnet 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 ausgewählt hat, hat eine sehr persönliche Dimension. Kurz nachdem er den Film im Kino gesehen hatte, kaufte Bird seine erste Super-8-Kamera. Kieślowskis Film habe ihn inspiriert, sich selbst auszuprobieren – und das Machen von Filmen ebenso lieben zu lernen wie das Erleben von Filmen im Kino.
𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑, im Original 𝐀𝐦𝐚𝐭𝐨𝐫, erschien 1979 und erzählt von Filip, einem Fabrikangestellten und frisch gebackenen Vater. Er kauft sich eine 8-mm-Kamera, um die ersten Lebensmomente seiner Tochter festzuhalten. Zunächst ist das neue Hobby harmlos, fast rührend. Am Arbeitsplatz stößt es sogar auf Wohlwollen: Filip soll das 20-jährige Werksjubiläum dokumentieren. Doch je stärker er sich für die Möglichkeiten des Filmens begeistert, desto mehr geraten Ehe, Beruf und Weltbild ins Wanken. Seine Frau Irka fühlt sich zunehmend zurückgesetzt, die Vorgesetzten wiederum merken bald, dass eine Kamera nicht nur abbildet, was erwünscht ist.
Kieślowski erzählt das mit viel Humor und feiner Ironie. 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 ist Satire, Selbstbefragung und Künstlergeschichte zugleich. Der Film schaut auf die Trostlosigkeit des sozialistischen Alltags in Polen, auf Zensur und Selbstzensur, auf die kleinen Arrangements mit der Macht. Vor allem aber erzählt er vom Filmemachen als existenzieller Verführung. Wer einmal beginnt, die Welt durch eine Kamera zu sehen, sieht sie anders. Das kann befreiend sein, aber auch zerstörerisch.
Der Film gehört zum sogenannten »Kino der moralischen Unruhe«, das in Polen zwischen 1976 und 1981 entstand. Regisseur*innen wie Kieślowski, Andrzej Wajda, Krzysztof Zanussi und Agnieszka Holland richteten den Blick auf gesellschaftliche Widersprüche, persönliche Verantwortung und die moralischen Kosten des Mitmachens. Mit 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 gelang Kieślowski der internationale Durchbruch: Der Film gewann den Hauptpreis beim Internationalen Filmfestival Moskau und den Otto-Dibelius-Preis der Berlinale.
Krzysztof Kieślowskis 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 (1979) wird im Rahmen der ifs-Begegnung Edimotion von Editor Andrew Bird vorgestellt, Foto: Cyfrowe Repozytorium Filmowe
Die »ifs-Begegnung Edimotion« findet viermal im Jahr statt und ist eine gemeinsame Reihe von Edimotion – Festival für Filmschnitt und Montagekunst und der ifs internationale filmschule köln im Rahmen des Filmforums NRW. Im Zentrum steht immer die Montage. Eingeladene Editor*innen wählen Filme aus, deren Schnitt sie besonders geprägt hat oder deren Montage sie für herausragend halten. Anschließend wird nicht nur über den Film gesprochen, sondern über das konkrete Arbeiten mit Rhythmus, Struktur, Blickführung, Auslassung, Timing und Erzählökonomie.
Häufig stehen dabei große Klassiker auf dem Programm – zuletzt etwa 𝐉𝐔𝐑𝐀𝐒𝐒𝐈𝐂 𝐏𝐀𝐑𝐊, vorgestellt von Editorin Gesa Jäger. Die Reihe öffnet den Blick aber bewusst auch für weniger naheliegende Titel wie 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑. Im Anschluss an die Vorführung spricht Andrew Bird mit Dietmar Kraus, Kurator bei Edimotion.
Termin
𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 Originaltitel: 𝐀𝐦𝐚𝐭𝐨𝐫 Polen 1979 · 117 Min. · OmU Regie: Krzysztof Kieślowski Montage: Halina Nawrocka Mit Jerzy Stuhr, Małgorzata Ząbkowska, Ewa Pokas, Stefan Czyżewski, Krzysztof Zanussi u. a.
Mittwoch, 8. Juli 2026 · 19 Uhr Filmforum NRW · Kino im Museum Ludwig Bischofsgartenstr. 1 · 50667 Köln
Anschließendes Gespräch mit Editor Andrew Bird Moderation: Dietmar Kraus, Kurator bei Edimotion
Eintritt frei
Eine Veranstaltung von Edimotion – Festival für Filmschnitt und Montagekunst in Kooperation mit der ifs internationale filmschule köln im Rahmen des Filmforums NRW e.V. Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Köln.
Titelbild: Andrew Bird (re.) und Dietmar Kraus beim Edimotion-Festival 2025, Foto: Werner Busch
Bei der nächsten »ifs-Begegnung Edimotion« ist einer der profiliertesten Filmeditoren des deutschen Kinos zu Gast: Andrew Bird stellt am 8. Juli im Filmforum NRW Krzysztof Kieślowskis 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 vor – ein Film über die Lust am Filmen, die Zumutungen des Alltags und die Frage, was ein Blick durch die Kamera verändern kann.
Von Werner Busch.
Wenn Editor*innen über ihre Lieblingsfilme sprechen, geht es schnell um den Kern filmischen Erzählens überhaupt: die Montage. Für Andrew Bird ist der hierzulande wenig bekannte 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 der polnischen Regie-Legende Krzysztof Kieślowskis ein Werk, das ihn nachhaltig geprägt hat. Am kommenden Mittwoch, 8. Juli, stellt Bird das Werk im Filmforum NRW vor – im Rahmen der Reihe »ifs-Begegnung Edimotion«, die Filmmontage aus der Perspektive der Editor:innen betrachtet.
Andrew Bird gehört zu den prägenden Editor:innen des deutschen Gegenwartskinos. Geboren in Hillingdon in England, kam er nach einem Germanistikstudium mit einem Stipendium nach Hamburg, wo er bis heute lebt. Seit 1992 arbeitet er als Filmeditor. Mitte der 90er Jahre lernte er Fatih Akin kennen, unterstützte ihn beim Schnitt seiner ersten Kurzfilme – und wurde zu einem seiner wichtigsten künstlerischen Weggefährten. Bird ist für die Montage sämtlicher Regiearbeiten Akins verantwortlich, von frühen Arbeiten bis zu den großen internationalen Erfolgen der letzten Jahre.
Bei Edimotion ist Bird nicht nur ein gern gesehener Gast, sondern auch mehrfacher Preisträger. Für 𝐆𝐄𝐆𝐄𝐍 𝐃𝐈𝐄 𝐖𝐀𝐍𝐃 wurde er 2004 erstmals mit dem Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm ausgezeichnet. Für 𝐀𝐔𝐅 𝐃𝐄𝐑 𝐀𝐍𝐃𝐄𝐑𝐄𝐍 𝐒𝐄𝐈𝐓𝐄 folgten der Preis der deutschen Filmkritik, der Deutsche Filmpreis und ein weiterer Schnitt-Preis bei Edimotion. Im vergangenen Jahr gewann er den Edimotion-Schnittpreis zum dritten Mal – für 𝐃𝐈𝐄 𝐒𝐀𝐀𝐓 𝐃𝐄𝐒 𝐇𝐄𝐈𝐋𝐈𝐆𝐄𝐍 𝐅𝐄𝐈𝐆𝐄𝐍𝐁𝐀𝐔𝐌𝐒. Seit 2023 gehört Bird dem Vorstand der Deutschen Filmakademie an; außerdem ist er Mitglied der Europäischen Filmakademie und der Oscar-Academy.
Dass er für die »ifs-Begegnung Edimotion« ausgerechnet 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 ausgewählt hat, hat eine sehr persönliche Dimension. Kurz nachdem er den Film im Kino gesehen hatte, kaufte Bird seine erste Super-8-Kamera. Kieślowskis Film habe ihn inspiriert, sich selbst auszuprobieren – und das Machen von Filmen ebenso lieben zu lernen wie das Erleben von Filmen im Kino.
𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑, im Original 𝐀𝐦𝐚𝐭𝐨𝐫, erschien 1979 und erzählt von Filip, einem Fabrikangestellten und frisch gebackenen Vater. Er kauft sich eine 8-mm-Kamera, um die ersten Lebensmomente seiner Tochter festzuhalten. Zunächst ist das neue Hobby harmlos, fast rührend. Am Arbeitsplatz stößt es sogar auf Wohlwollen: Filip soll das 20-jährige Werksjubiläum dokumentieren. Doch je stärker er sich für die Möglichkeiten des Filmens begeistert, desto mehr geraten Ehe, Beruf und Weltbild ins Wanken. Seine Frau Irka fühlt sich zunehmend zurückgesetzt, die Vorgesetzten wiederum merken bald, dass eine Kamera nicht nur abbildet, was erwünscht ist.
Kieślowski erzählt das mit viel Humor und feiner Ironie. 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 ist Satire, Selbstbefragung und Künstlergeschichte zugleich. Der Film schaut auf die Trostlosigkeit des sozialistischen Alltags in Polen, auf Zensur und Selbstzensur, auf die kleinen Arrangements mit der Macht. Vor allem aber erzählt er vom Filmemachen als existenzieller Verführung. Wer einmal beginnt, die Welt durch eine Kamera zu sehen, sieht sie anders. Das kann befreiend sein, aber auch zerstörerisch.
Der Film gehört zum sogenannten »Kino der moralischen Unruhe«, das in Polen zwischen 1976 und 1981 entstand. Regisseur*innen wie Kieślowski, Andrzej Wajda, Krzysztof Zanussi und Agnieszka Holland richteten den Blick auf gesellschaftliche Widersprüche, persönliche Verantwortung und die moralischen Kosten des Mitmachens. Mit 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑 gelang Kieślowski der internationale Durchbruch: Der Film gewann den Hauptpreis beim Internationalen Filmfestival Moskau und den Otto-Dibelius-Preis der Berlinale.
Die »ifs-Begegnung Edimotion« findet viermal im Jahr statt und ist eine gemeinsame Reihe von Edimotion – Festival für Filmschnitt und Montagekunst und der ifs internationale filmschule köln im Rahmen des Filmforums NRW. Im Zentrum steht immer die Montage. Eingeladene Editor*innen wählen Filme aus, deren Schnitt sie besonders geprägt hat oder deren Montage sie für herausragend halten. Anschließend wird nicht nur über den Film gesprochen, sondern über das konkrete Arbeiten mit Rhythmus, Struktur, Blickführung, Auslassung, Timing und Erzählökonomie.
Häufig stehen dabei große Klassiker auf dem Programm – zuletzt etwa 𝐉𝐔𝐑𝐀𝐒𝐒𝐈𝐂 𝐏𝐀𝐑𝐊, vorgestellt von Editorin Gesa Jäger. Die Reihe öffnet den Blick aber bewusst auch für weniger naheliegende Titel wie 𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑. Im Anschluss an die Vorführung spricht Andrew Bird mit Dietmar Kraus, Kurator bei Edimotion.
Termin
𝐃𝐄𝐑 𝐅𝐈𝐋𝐌𝐀𝐌𝐀𝐓𝐄𝐔𝐑
Originaltitel: 𝐀𝐦𝐚𝐭𝐨𝐫
Polen 1979 · 117 Min. · OmU
Regie: Krzysztof Kieślowski
Montage: Halina Nawrocka
Mit Jerzy Stuhr, Małgorzata Ząbkowska, Ewa Pokas, Stefan Czyżewski, Krzysztof Zanussi u. a.
Mittwoch, 8. Juli 2026 · 19 Uhr
Filmforum NRW · Kino im Museum Ludwig
Bischofsgartenstr. 1 · 50667 Köln
Anschließendes Gespräch mit Editor Andrew Bird
Moderation: Dietmar Kraus, Kurator bei Edimotion
Eintritt frei
Eine Veranstaltung von Edimotion – Festival für Filmschnitt und Montagekunst in Kooperation mit der ifs internationale filmschule köln im Rahmen des Filmforums NRW e.V. Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Köln.
Titelbild: Andrew Bird (re.) und Dietmar Kraus beim Edimotion-Festival 2025, Foto: Werner Busch
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