Es gibt was zu feiern! Das Fantasy Filmfest wird in diesem Jahr erstaunliche 40 Jahre alt und bringt vom 9. bis 16. September wieder Horror, Thriller, Science-Fiction und großartige Genre-Ausreißer nach Köln. Der Vorverkauf startet am 21. August um 8 Uhr in der Früh. Wir werfen einen Blick auf Eröffnungs- und Abschlussfilm, eine neue Kooperation mit der KHM und ein Kölner Jurymitglied.
Von Werner Busch.
Genrefans sollten sich am Freitagmorgen besser einen Wecker stellen: Am 21. August startet um 8 Uhr der Vorverkauf für das 40. Fantasy Filmfest. In Köln gastiert das Festival vom 9. bis 16. September in der Residenz Astor Film Lounge. Einzeltickets kosten 12 Euro im Parkett und 14 Euro in der Loge. Zum Jubiläum spannt das Programm einmal mehr einen ziemlich faszinierenden Bogen zwischen Horror, Thriller, Science-Fiction, Action und den schwerer einzuordnenden Filmschätzen. Für den in jedem Jahr ziemlich einzigartigen Touch dieser Mischung ist das Fantasy Filmfest nun also schon vier Jahrzehnte bekannt.
Eröffnet wird die 40. Ausgabe mit LEVITICUS von Adrian Chiarella – und der setzt gleich bei einer denkbar effektiven Horroridee an. In der flirrenden Hitze einer australischen Kleinstadt werden die Teenager Ryan und Naim von einem übernatürlichen Wesen verfolgt, das die Gestalt des jeweils anderen annehmen kann. Freund oder Dämon? Ausgerechnet die Person, zu der man sich hingezogen fühlt, könnte zur tödlichen Falle werden. Chiarella verbindet die Coming-of-Age-Geschichte mit psychologischem Horror und klassischen Schockmomenten; das Festivalprogramm verweist dabei ausdrücklich auf Einflüsse von Cat Peopleund Val Lewton. Ein leeres Schwimmbad bei Nacht, ein Geräusch aus der Dusche – viel mehr braucht es manchmal nicht, um die Augen des Publikums an die Leinwand zu fesseln.
Am anderen Ende der Festivalwoche wartet mit HOPE ein Abschlussfilm, der eher nach Großereignis als nach gemütlichem Ausklang klingt. Der Südkoreanische Regisseur Na Hong-jin hat mit Filmen wie The Chaser, The Yellow Sea und The Wailing, auch weit über Genre-Trennlinien hinaus international von sich reden gemacht. Nun kommen die Aliens. Der 160-minütige Horrorthriller beginnt als brachiales Actionkino, verwüstet in einer rund einstündigen Sequenz ein kleines Fischerdorf und schlägt anschließend endgültig ins Spektakel um. Mit Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Taylor Russell, Alicia Vikander und Michael Fassbender ist der Film zudem prominent besetzt. Das Programmheft spricht von „in Bilder übersetztem Adrenalin“ – für den letzten Film eines Fantasy Filmfests ist das zumindest eine ziemlich passende Zielsetzung.
Zum Abschluss wartet ein außerirdisches Spektakel: Na Hong-jins HOPE, Foto: FFF
Eine besondere Kölner Ergänzung gibt es mit KUNSTHOCHSCHULE FÜR MEDIEN KÖLN GOES FANTASY FILMFEST. In einer erstmals exklusiv in Köln gezeigten Matinee laufen vier Arbeiten des NRW-Filmnachwuchses: Echo von Tian Gao, Love in Vain von Philine Reimer und Jon Grandpierre, Say Wuff! von Alexander Nowak sowie Die Straße der verlorenen Herzen von Fabian Podeszwa. Kammerjäger, ein verdächtiger Gärtner mit Vollautomatik-Heckenschere, ein großer Zaubertrick und bezahlte mütterliche Liebe auf dem „Emo(tions)-Strich“: Thematisch fügt sich die Auswahl ziemlich nahtlos in die etwas abseitigeren Ecken des Festivals ein. Die Filmschaffenden werden anschließend für Q&As auf der großen Bühne erwartet.
Auch beim FEAR GOOD AWARD ist Köln unmittelbar beteiligt. Unter dem Motto „Sieben Festivalstädte – sieben Jury-Mitglieder – sieben Filme“ konkurrieren sieben europäische beziehungsweise europäische Koproduktionen um den Preis. Jede Festivalstadt entsendet ein Jurymitglied, für Köln sitzt Robert Birkel vom Filmforum NRW in der siebenköpfigen Jury. Birkel studierte Medien- und Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Filmwissenschaft in Düsseldorf und arbeitet seit Ende 2020 für das Filmforum NRW, wo er unter anderem die Reihe Filmgeschichten und die Sommerkinowoche 5 Days of Summer kuratiert.
Siu-Tung Chings A CHINESE GHOST STORY gehörte 1987 zu den ersten Entdeckungen des Fantasy Filmfests, Foto: Golden Harvest
Und dann wäre da noch die ziemlich runde Zahl: 40 Jahre Fantasy Filmfest. Seine Geburtsstunde erlebte das Festival 1987 in Hamburg – und die Anfänge waren deutlich improvisierter als die heutige Tour durch sieben deutsche Städte. Der Filmhändler Rainer Stefan verfügte damals über zahlreiche Kopien älterer Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Filme und schloss sich mit Hamburger Kinobetreibern zusammen, um sie wieder auf die Leinwand zu bringen. Das erste Festival fand vom 27. bis 31. Mai 1987 statt; gespielt wurde unter anderem im Alabama Kino, hinzu kamen Veranstaltungen in der Markthalle. Der ursprüngliche Mix bestand zu einem großen Teil aus älteren, damals kaum zugänglichen Genreklassikern und einigen aktuellen Filmen. Aus diesem vergleichsweise improvisierten Hamburger Experiment wurde in den folgenden Jahren ein wanderndes Genrefestival, das schließlich auch Köln erreichte und seit 1992 hier Station macht.
Zum 40. Geburtstag schaut das Festival deshalb nicht nur nach vorne. Vier Filme stehen stellvertretend für vier Jahrzehnte Festivalgeschichte wieder auf dem Programm: A Chinese Ghost Story in einer neuen 4K-Restauration, Nicolas Roegs Don’t Look Now, Na Hong-jins The Chaser und Benh Zeitlins Beasts of the Southern Wild. Gerade A Chinese Ghost Story führt dabei weit zurück: Der Wuxia-Fantasy-Klassiker gehörte bereits zu den frühen Entdeckungen des Festivals und kehrt nun erstmals seit dessen Anfangsjahren zurück. Vier Jahrzehnte später ist aus ein paar Filmkopien, viel Enthusiasmus und einer gehörigen Portion Improvisation eine feste Institution für das fantastische Kino geworden – inklusive einer Festivalwoche in Köln, die am 9. September beginnt.
Es gibt was zu feiern! Das Fantasy Filmfest wird in diesem Jahr erstaunliche 40 Jahre alt und bringt vom 9. bis 16. September wieder Horror, Thriller, Science-Fiction und großartige Genre-Ausreißer nach Köln. Der Vorverkauf startet am 21. August um 8 Uhr in der Früh. Wir werfen einen Blick auf Eröffnungs- und Abschlussfilm, eine neue Kooperation mit der KHM und ein Kölner Jurymitglied.
Von Werner Busch.
Genrefans sollten sich am Freitagmorgen besser einen Wecker stellen: Am 21. August startet um 8 Uhr der Vorverkauf für das 40. Fantasy Filmfest. In Köln gastiert das Festival vom 9. bis 16. September in der Residenz Astor Film Lounge. Einzeltickets kosten 12 Euro im Parkett und 14 Euro in der Loge. Zum Jubiläum spannt das Programm einmal mehr einen ziemlich faszinierenden Bogen zwischen Horror, Thriller, Science-Fiction, Action und den schwerer einzuordnenden Filmschätzen. Für den in jedem Jahr ziemlich einzigartigen Touch dieser Mischung ist das Fantasy Filmfest nun also schon vier Jahrzehnte bekannt.
Eröffnet wird die 40. Ausgabe mit LEVITICUS von Adrian Chiarella – und der setzt gleich bei einer denkbar effektiven Horroridee an. In der flirrenden Hitze einer australischen Kleinstadt werden die Teenager Ryan und Naim von einem übernatürlichen Wesen verfolgt, das die Gestalt des jeweils anderen annehmen kann. Freund oder Dämon? Ausgerechnet die Person, zu der man sich hingezogen fühlt, könnte zur tödlichen Falle werden. Chiarella verbindet die Coming-of-Age-Geschichte mit psychologischem Horror und klassischen Schockmomenten; das Festivalprogramm verweist dabei ausdrücklich auf Einflüsse von Cat People und Val Lewton. Ein leeres Schwimmbad bei Nacht, ein Geräusch aus der Dusche – viel mehr braucht es manchmal nicht, um die Augen des Publikums an die Leinwand zu fesseln.
Am anderen Ende der Festivalwoche wartet mit HOPE ein Abschlussfilm, der eher nach Großereignis als nach gemütlichem Ausklang klingt. Der Südkoreanische Regisseur Na Hong-jin hat mit Filmen wie The Chaser, The Yellow Sea und The Wailing, auch weit über Genre-Trennlinien hinaus international von sich reden gemacht. Nun kommen die Aliens. Der 160-minütige Horrorthriller beginnt als brachiales Actionkino, verwüstet in einer rund einstündigen Sequenz ein kleines Fischerdorf und schlägt anschließend endgültig ins Spektakel um. Mit Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Taylor Russell, Alicia Vikander und Michael Fassbender ist der Film zudem prominent besetzt. Das Programmheft spricht von „in Bilder übersetztem Adrenalin“ – für den letzten Film eines Fantasy Filmfests ist das zumindest eine ziemlich passende Zielsetzung.
Eine besondere Kölner Ergänzung gibt es mit KUNSTHOCHSCHULE FÜR MEDIEN KÖLN GOES FANTASY FILMFEST. In einer erstmals exklusiv in Köln gezeigten Matinee laufen vier Arbeiten des NRW-Filmnachwuchses: Echo von Tian Gao, Love in Vain von Philine Reimer und Jon Grandpierre, Say Wuff! von Alexander Nowak sowie Die Straße der verlorenen Herzen von Fabian Podeszwa. Kammerjäger, ein verdächtiger Gärtner mit Vollautomatik-Heckenschere, ein großer Zaubertrick und bezahlte mütterliche Liebe auf dem „Emo(tions)-Strich“: Thematisch fügt sich die Auswahl ziemlich nahtlos in die etwas abseitigeren Ecken des Festivals ein. Die Filmschaffenden werden anschließend für Q&As auf der großen Bühne erwartet.
Auch beim FEAR GOOD AWARD ist Köln unmittelbar beteiligt. Unter dem Motto „Sieben Festivalstädte – sieben Jury-Mitglieder – sieben Filme“ konkurrieren sieben europäische beziehungsweise europäische Koproduktionen um den Preis. Jede Festivalstadt entsendet ein Jurymitglied, für Köln sitzt Robert Birkel vom Filmforum NRW in der siebenköpfigen Jury. Birkel studierte Medien- und Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Filmwissenschaft in Düsseldorf und arbeitet seit Ende 2020 für das Filmforum NRW, wo er unter anderem die Reihe Filmgeschichten und die Sommerkinowoche 5 Days of Summer kuratiert.
Und dann wäre da noch die ziemlich runde Zahl: 40 Jahre Fantasy Filmfest. Seine Geburtsstunde erlebte das Festival 1987 in Hamburg – und die Anfänge waren deutlich improvisierter als die heutige Tour durch sieben deutsche Städte. Der Filmhändler Rainer Stefan verfügte damals über zahlreiche Kopien älterer Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Filme und schloss sich mit Hamburger Kinobetreibern zusammen, um sie wieder auf die Leinwand zu bringen. Das erste Festival fand vom 27. bis 31. Mai 1987 statt; gespielt wurde unter anderem im Alabama Kino, hinzu kamen Veranstaltungen in der Markthalle. Der ursprüngliche Mix bestand zu einem großen Teil aus älteren, damals kaum zugänglichen Genreklassikern und einigen aktuellen Filmen. Aus diesem vergleichsweise improvisierten Hamburger Experiment wurde in den folgenden Jahren ein wanderndes Genrefestival, das schließlich auch Köln erreichte und seit 1992 hier Station macht.
Zum 40. Geburtstag schaut das Festival deshalb nicht nur nach vorne. Vier Filme stehen stellvertretend für vier Jahrzehnte Festivalgeschichte wieder auf dem Programm: A Chinese Ghost Story in einer neuen 4K-Restauration, Nicolas Roegs Don’t Look Now, Na Hong-jins The Chaser und Benh Zeitlins Beasts of the Southern Wild. Gerade A Chinese Ghost Story führt dabei weit zurück: Der Wuxia-Fantasy-Klassiker gehörte bereits zu den frühen Entdeckungen des Festivals und kehrt nun erstmals seit dessen Anfangsjahren zurück. Vier Jahrzehnte später ist aus ein paar Filmkopien, viel Enthusiasmus und einer gehörigen Portion Improvisation eine feste Institution für das fantastische Kino geworden – inklusive einer Festivalwoche in Köln, die am 9. September beginnt.