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Das Archiv Leo Schönecker in der Traumathek

Weitgehend unbekannt in der Öffentlichkeit existiert in Köln eine Filmsammlung, die hohen Wert auf die Qualität der enthaltenen Filme legt und einen weiten Überblick über das internationale Filmschaffen bietet. Seit Mitte der Fünfziger Jahre engagierte sich der Kölner Leo Schönecker in Arbeitskreisen und Diskussionsrunden zu filmthematischen Fragen. Als einer der ersten in Köln erkannte er, dass es außerhalb des damals populären Kinos, geprägt von realitätsfremden Heimatfilmen und seichter Unterhaltung, ein Filmschaffen gab, das es zu sehen und zu diskutieren lohnte.

Das Engagement Leo Schöneckers fiel in eine Zeit vor der Filmclub-Bewegung der Sechziger Jahre, auch an Programmkinos oder kommunale Kinos war noch nicht zu denken. Das Programm der damaligen Schaubuden mit ihren Heimatfilmen machte den Filmliebhaber zum Aktionisten. Leo Schönecker engagierte sich in universitären Arbeitskreisen und Diskussionsforen, und begann, selbst Filme zu sammeln und vorzuführen oder für die Vorführung in Filmseminaren und filmwissenschaftlichen Arbeitszirkeln anzubieten. Die Sammlung wurde bis zu seinem Tod im Jahr 2013 beständig fortgeführt und erweitert. Unter Filmkennern und Kuratoren war die Sammlung bekannt, gerne griff man auf die Bestände dort zurück. In der Öffentlichkeit kannten selbst ausgewiesene Filminteressenten die Sammlung nicht.

Edith Schönecker und Julia Schönecker-Roth führen seit 2013 das Archiv weiter. Mit dem Verleih der Filme an nicht gewerbliche Spielstellen in Deutschland und im Ausland ist die Auseinandersetzung mit dem historischen Filmerbe auch heute möglich. Zusammen mit dem Kölner Filmbildungsreferenten und Filmliebhaber Joachim Steinigeweg machten sie das Archiv auf einer Webseite durchsuchbar und organisieren seit 2017 eine monatliche Filmreihe.

Diese findet seit 2018 im Vorführraum der Traumathek statt und zeigt Raritäten und Klassiker aus dem Schatz von Leo Schönecker in ihrem originalen Aufführungsformat als 16mm-Filmkopien. Diese Vorführungen sind in Zeiten, in denen die stille, digitale Projektion eine Selbstverständlichkeit ist, ein Happening, ein so ziemlich einmaliges Filmvorführungs-Erlebnis. Der Projektor befindet sich im Raum und rattert gütig vor sich hin, während das Bild auf die Leinwand geworfen wird. Nach der ausverkauften ersten Vorführung in diesem Jahr freuen sich die Macher nun auf die kommenden Screenings.

Am morgigen Donnerstag, 22. März, um 20.30 Uhr werden ausgewählte Kurzfilme des Briten Humphrey Jennings gezeigt. „The only real poet that British cinema has yet produced“, so Ausnahme-Regisseur Lindsay Anderson (IF…). Die Filme von Humphrey Jennings, der auch Maler, Dichter und Fotograf war, zeichnen sich durch eine ganz eigene poetische Balance zwischen experimenteller Montage und gesprochenem Kommentar aus und geben einen einmaligen Einblick in das Leben einfacher Menschen, zeigen ihre Verletzlichkeit und ihren entschlossenen Widerstandswillen.


Weitere kommende Termine sind:

Donnerstag, 26. April 2018, 20.30 Uhr
Männer von Aran
Großbritannien/Irland 1934,
Regie: Robert Flaherty, 77 Min.
Originafassung, 16mm

Donnerstag, 24. Mai 2018, 20.30 Uhr
Wenn Katelbach kommt
Großbritannien 1966
Regie: Roman Polanski, 111 Min.
dt. Fassung, 16mm

Donnerstag, 07. Juni 2018, 20.30 Uhr
Wilde Erdbeeren
Schweden, 1957/58
Regie: Ingmar Bergman, 93 Min.
dt. Fassung, 16mm

Die Reihe wird bis zum Ende des Jahres fortgeführt. Weitere Termine auf den Webseiten des Archivs und der Traumathek:

www.filmarchiv-schoenecker.de
www.traumathek.de

Joachim Steinigeweg im Gespräch mit Edith Schönecker

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