Filmszene Aktuell

Bitte achten Sie auf das Bild!

Bitte achten Sie auf das Bild!

Der Dokumentarfilm kennt viele Entwicklungslinien, die sich im Laufe der Dekaden in seine filmische Genetik eingebrannt haben. Aber die Digitalisierung des Mediums Film brachte noch einmal ganz neue Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten in seine Herstellung, weit mehr als bei Spielfilmen. Heute prägen zuvor ungeahnte expressive Bildästhetiken den Dokumentarfilm. Und damit stellen sich viele Fragen: Wie haben digitale Kameras mit immer besserer Auflösung die Bildgestaltung und den Look von Dokumentarfilmen verändert? Birgt ein 4k-Filmbild in einem neuen Dokumentarfilm mehr Wahrheit in sich als beispielsweise die schwammigen Aufnahmen von „The Police Tapes“ (1977), einer der ersten Dokumentarfilme die auf Video entstanden? Welche Stellung haben Dokumentarfilm-Kamerafrauen und -männer im Produktionsablauf aktuell und wie stellt sich ihr Arbeitsfeld heute da? Und mit welchen neuen Ansprüchen müssen sie umgehen?

Das Jahressymposium 2019 der dfi-Dokumentarfilminitiative, das vom 12. bis 14. September im Kölner Filmforum NRW stattfindet, will durch Präsentationen, Panels und Gespräche zum Austausch anregen. „Bitte achten Sie auf das Bild!“ ist der Titel der dreitägigen Veranstaltung, die die Macher von vielen aktuellen Produktionen auf der Bühne ins Gespräch mit dem Publikum bringt.

So berichten etwa zum Auftakt Regisseurin und Kamerafrau Mirjam Leuze, der Kameramann Mike Dinsmore und Editorin Sandra Brandl über ihre Erfahrungen bei dem Film „The Whale and the Raven“, der gerade bundesweit in mehr als 60 Kinos gestartet ist. Der Film entstand in einem kleinen Dorf im Westen Kanadas, das weitestgehend von der indigenen Bevölkerung der Gitga‘at First Nation besiedelt ist. Und wie in jedem kleinen Dorf, sei es dort, oder in Kerpen bei Köln, bringt das Erscheinen eines Filmteams Unruhe in die Gemeinschaft und beeinflusst stark die Protagonisten des Films, die in dieser Gemeinschaft leben. Auch deshalb entstanden viele Aufnahmen durch die Regisseurin und Kamerafrau Mirjam Leuze selbst. Spektakuläre Dronenaufnahmen der Wale und des Naturreservats, das von einer neuen Tankerroute bedroht wird, wurden von anderen Kameraleuten realisiert. Die unterschiedlichen Entstehungswege des Films und das 250 Stunden umfassende Material mussten in der Montage unter Berücksichtigung verschiedenartigster Aspekte zu einem Film gestaltet werden.

Szenenbild aus „The Whale and the Raven“, Regie und Kamera: Mirjam Leuze / © Busse & halberschmidt

Dies ist nur eines von vielen interessanten Panels, das die Besucher des dfi-Symposiums erwartet. Etwa 30 Expert*innen werden dazu in Köln erwartet – darunter die Bildgestalter*innen und Filmemacher*innen Jörg Adams, Conny Beissler, Ben Bernhard, Mike Dinsmore, Johann Feindt, Rainer Komers, Mirjam Leuze, Sophie Maintigneux, Doris Metz, Helge Renner, Hajo Schomerus, Luise Schröder, Rasmus Sievert, die Produzent*innen und Redakteur*innen Udo Bremer (ZDF/3sat), Heino Deckert (ma.ja.de) Hans Robert Eisenhauer (Ventanafilm), Birgit Schulz (Bildersturm), Erik Winker (Corso Film) sowie Sandra Brandl (Editorin BFS / Topos Film), Nathalie Mathé (VR &  Immersive Media Program / Drexel University Philadelphia), Jens Mühlhoff (Video- und Raumkünstler), Michael Schwertel (Cologne Business School / Medienproduzent), u.a.

Detaillierte Infos zum Programm und zur Anmeldung auf: www.dokumentarfilminitiative.de

Werner Busch

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