Allgemein Festival Filmszene Aktuell

Die Verleihung der Film Festival Cologne Awards

Die Stimmung bei der Preisverleihung der Film Festival Cologne Awards am 8. Oktober im Kölner Palladium war eine Mischung aus Freude und Erleichterung. Freude darüber, eines der ersten Filmevents in NRW gewesen zu sein, dass physisch stattfinden konnte, Erleichterung, weil dies tatsächlich bis zum Ende gelungen war. An sieben Spieltagen konnten die Kölner Filmfans auch im Jubiläumsjahr Serien- und Filmhighlights aus Deutschland und aller Welt sehen – und das im Kinosaal.

Petra Müller, Geschäftsführerin der Filmstiftung NRW, äußerte die Hoffnung, mit Filmen nicht nur unterhalten sondern auch Kraft spenden zu können. Sie verwies auf das diesjährige Motto des Festivals, das vor 30 Jahren unter dem Namen Cologne Conference mit internationalem Fernsehfilm begonnen hatte: Dreißig Jahre Zukunft, das stehe nicht nur für Premieren vor dem offiziellen Kinostart. Vielmehr sei es immer auch die Aufgabe eines Filmfestivals, „Zuversicht und Vertrauen” zu spenden, Gefühle, die gerade jetzt dringend benötigt würden.

Man muss den Veranstalter*innen des FFC gratulieren: Mit einer spannenden Mischung aus Fernsehproduktionen an der Schnittstelle von Kunst und Kommerz, bereits prämierten Arthouse-Hits und unbekannteren Filmen und Serien ist ihnen diese Aufgabe auch 2020 gelungen.

Die Preise

Harry Flöter, Regina Jorissen und Jörg Siepmann, die ProduzentInnen von Mit eigenen Augen. (© Ralphael Stötzel)

Mit besonders großer Spannung wurde gestern die Vergabe des Filmpreis NRW erwartet. Wie im Vorjahr ging dieser auch heuer nach Köln: Gegen acht weitere Nominierte konnte sich der Dokumentarfilm Mit eigenen Augen von Miguel Müller-Frank durchsetzen, der von der Kölner 2Pilots Filmproductions produziert wurde.

Mit eigenen Augen beobachtet mit unaufgeregten Bildern die nervenaufreibende Arbeit in der WDR-Redaktion Monitor. Er zeigt Journalist*innen, die sich einerseits um eine sachliche, objektive Berichterstattung bemühen, gleichzeitig konkurrierende News-Formate auszustechen versuchen.

Die Fachjury für den Preis, bestehend aus Anne Burgmer, (Journalistin), Eva Blondiau (Produzentin), Jean-Luc Bubert (Schauspieler), Wolfgang Frömberg (Journalist) und Pia Hellenthal (Regisseurin), hob in ihrer Begründung die Unmittelbarkeit von Müller-Franks Film und die beeindruckende Arbeit seiner Kamerafrau Laura Hansen lobend hervor. Produzentin Regina Jorissen von 2Pilots nahm den mit 20.000 Euro dotierten Preis zusammen mit ihren Kollegen Harry Flöter und Jörg Siepmann entgegen. Sie dankte in ihrer Rede der Filmstiftung dafür, Mit eigenen Augen gefördert zu haben, obwohl dieser den unüblichen Weg ohne Fernsehbeteiligung gegangen war.

Die anderen Awards waren bereits im Vorfeld oder während des Festivals bekanntgegeben worden. Dennoch gab ihre Verleihung Raum für unerwartete, mitunter berührende Worte.

Für Thomas Vinterberg, der den Hollywood Reporter Award erhielt, wurde nicht geklatscht, sondern geprostet. Ganz in der Manier seines prämierten Filmes Der Rausch (Another Round) sprach Laudator Scott Roxborough vom Hollywood Reporter einen Toast auf den dänischen Regisseur aus. Sowohl Vinterberg, der Another Round als eines seiner persönlichsten Werke bezeichnete, als auch Hauptdarsteller Mads Mikkelsen, der den International Actor Award erhielt, widmeten ihre Preise Vinterbergs Tochter, die während der Dreharbeiten bei einem Unfall ums Leben gekommen war.

Die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller erhielt den International Actress Award. Regisseur Jan Schomburg lobte sie in seiner Laudatio wortspielerisch als „Umhüllerin”, der es immer wieder gelänge, mit ihrem Spiel fremde Leben in greifbare Nähe zu rücken. Scherzhaft äußerte Hüller Unbehagen über eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk mit knapp 40. Sie ermutigte die Menschen im Publikum, trotz Pandemie ihren Blick auf das „Schöne in der Welt” zu richten.

Der rumänische Journalist Radu Ciorniciuc erhielt den phoenix-Award für Acasa, My Home. Ciorniciuc gab bekannt, sein Preisgeld von 10.000 Euro zugunsten jener Roma-Familie verwenden zu wollen, die im Mittelpunkt seines Dokumentarfilms über ein Leben am Rande Bukarests steht. Der Cologne Creative Award für visionäres Erzählen ging an das polnische Games-Studio CD Project Red, bekannt für die Witcher-Reihe. Dieses möchte sein Preisgeld wiederum an das Kinderhaus AtemReich in München spenden.

Der Regisseur Dominik Graf, Preisträger des Filmpreis Köln 2020 (© Raphael Stötzel)

Der mit 25.000 Euro höchstdotierte Preis des Festivals, der Filmpreis Köln, ging an Dominik Graf, einen Regisseur, der, so Oberbürgermeisterin Henriette Reker, „die Welten von Fernsehen und Film wie sonst kaum ein anderer zu verbinden weiß”. Graf nannte das Kino im Zeitalter von Virus und Streamingdiensten wichtiger denn je, und er paraphrasierte Tarkowskij: „Draußen schauen wir nur, wir sehen nicht.” Die „Haltung, die der Mensch im Kino einnimmt”, so Graf, sei zwar vielleicht unzeitgemäß, doch „überlebensnotwendig”. Das sind doch wunderbare Geleitworte für viele weitere Ausgaben des Film Festival Cologne.

Die 30. Ausgabe des Film Festival Cologne fand von 1.-8. Oktober statt.

www.filmfestvial.cologne

Timothy Bidwell

Titelbild: Film Festival Cologne

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