Festival Filmszene Aktuell

Die Festival-Saison beginnt und die Pandemie ist immer noch da

Die Festivalzeit beginnt, doch stecken wir weiterhin in der Pandemie, und so folgt eine weitere Saison, die sich wohl erstmal nur online abspielen wird. In diesen Tagen ist mit dem Max Ophüls Preis das erste deutsche Festival des Jahres gestartet, das vor allem für den Filmnachwuchs eine große Rolle spielt. Wird man das letzte Jahr bereits in den Filmen und drumherum spüren? 

Die 42. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis findet vom 17. bis 24. Januar aufgrund der Pandemie als reine Online-Veranstaltung statt. Die Festivalleiterin Svenja Böttger und der Künstlerische Leiter Oliver Baumgarten: „Wir wollen nun alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Festivalcharakter mit innovativen Formaten und lebendigen Ideen auf adäquate Weise ins Digitale zu übertragen. Die Szene des deutschsprachigen Filmnachwuchses ist quicklebendig – sie hat unsere Aufmerksamkeit absolut verdient. Und genau das soll unsere digitale Ausgabe leisten: Plattform sein, um in Zeiten der Pandemie die Arbeiten junger Filmschaffender zu würdigen, zu diskutieren und ihnen eine möglichst breite Öffentlichkeit zu bieten.“

Bei Max Ophüls sind in diesem Jahr auch wieder einige Filme aus Köln dabei. Von der Internationalen Filmschule (ifs) haben es die beiden Abschlussfilme Jackfruit von Thuy Trang Nguyen und Rotten Candy von Jade Li geschafft, die in der Kategorie Mittellanger Film ihre Premiere feiern.

Von der Kunsthochschule für Medien (KHM) sind drei Filme mit dabei. Der Kurzfilm Mansa (dt. „Zahm“) von Mariana Bártolo sowie die beiden mittellangen Filme POSTKIDS von Julian Pawelzik und Hannah Platzer und Intermezzo von Kim Léa Sakkal. 

Der Großteil der Filme des Festivals sind Produktionen aus 2020, mussten also unter den widrigen Bedingungen des letzten Jahres fertiggestellt oder gar gedreht werden. Die Räume der Filmunis waren zeitweise geschlossen, Technik war nicht verfügbar, die Lehre eingeschränkt. Es hieß kreativ zu werden, um Geld und Räume zu kämpfen und Verhandlungen unter dem Vorzeichen des Verbots zu führen. Kim Léa Sakkals Film Intermezzo hatte das Glück, genau einen Tag vor dem ersten Tag des Lockdowns im März, abgedreht zu sein. „In der Zeit habe ich von Corona eigentlich nichts mitbekommen. Wir konnten ungehindert drehen. Erst die Postproduktion wurde reichlich erschwert“, erzählt sie. „Die KHM-Räume konnte man nicht durchwegs betreten, eine Zeit lang habe ich dann auch alleine zu Hause geschnitten, das ist natürlich was anderes, als in den Schnitträumen der Schule.“ 

Intermezzo ist Kims Abschlussfilm und gleichzeitig der erste, der es auf ein Festival geschafft hat. Sie ist froh, dass der Film überhaupt läuft und besonders, dass er beim Max Ophüls Preis seine Premiere feiert. „Ich war schon mal dort und mochte die Leute und die Atmosphäre so gerne, dass es jetzt schade ist nicht hinfahren zu können. Ich bin aber mal gespannt, ob die Leute online nicht vielleicht sogar mehr Filme schauen als sonst, weil sie sich dafür nicht bewegen müssen.“ Trotzdem ist das Online Festival gerade für junge FilmemacherInnen nicht das gleiche, der Austausch, der eigene Film auf der großen Leinwand, und natürlich das feierliche Setting, nach meistens jahrelanger Arbeit, fallen weg. Doch werden wir die Folgen dieser Zeit, in der wir noch mittendrin stecken, auch anders wahrnehmen? Vielleicht in den Filmen selbst?

In Intermezzo ist Corona natürlich noch kein Thema, hier räumt ein Zwillingspaar das Haus der verstorbenen Großmutter aus und kommt sich dabei wieder unfreiwillig näher. Die Pandemie hat inhaltlich auch danach keinen Einfluss auf den Film gehabt, sagt Kim. Und auch wenn man sich die Beschreibungen der übrigen Filme des Max Ophüls durchliest, bewegen sich die Themen auf altbekanntem Terrain. In welcher Form wird eine Reflexion dieser Zeit also stattfinden, wird es auf den Festivals in diesem Jahr neben den Diskussionen über innovative Verwertungsstrategien auch Raum geben, um über die Produktionsbedingungen zu sprechen? Oder fließt die Branche hier klammheimlich in eine neue Normalität, die FilmemacherInnen ungefragt vor neue Voraussetzungen stellt? Diese Fragen werden uns dieses Jahr wohl noch einige Male begegnen.

Das Max Ophüls bietet neben den Filmen auch eine Reihe an Talks, die über den YouTube Kanal abrufbar sind. Einzeltickets können auf der Seite des Festivals erworben werden.

von Sandra Riedmair

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